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»Eine unglaubliche Kraftanstrengung«

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Viel Schnee ja, ein Chaos habe es im Landkreis Traunstein aber nie gegeben, so Landrat Siegfried Walch in der jüngsten Kreisausschusssitzung.

Traunstein – Täglich fast 2000 Helfer, insgesamt 10 300 Personen von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Polizei, Bundeswehr bis hin zur Einsatzleitung, erbrachten in neun Tagen eine »unglaubliche Kraftanstrengung«, um den Schneemassen im südlichen Landkreis Traunstein Herr zu werden. Im Kreisausschuss würdigte Landrat Siegfried Walch ebenso das enorme Engagement und die Einsatzbereitschaft der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte, die teils von weither in den Landkreis Traunstein anrückten. Besonders erfreulich sei: »Es gab in der gesamten Zeit keinerlei Personenschäden.«


Kreisbrandrat Christof Grundner erläuterte, abschließende Zahlen zu dem Katastrophenfall von 10. bis 21. Januar lägen noch nicht vor. Schwerpunkte seien gewesen, die Mobilität auf Straßen, die Energieversorgung und die Sicherheit von Gebäuden aufrecht zu erhalten. Schon in den Wochen vorher hätten Helfer nach heftigen Schneefällen auf Straßen oder Stromleitungen gestürzte Bäume beseitigt. Nach Ausrufen des Katastrophenfalls am 10. Januar sei eine örtliche Einsatzleitung mit 72-köpfiger Unterstützergruppe im Casino des Landratsamts installiert worden. An den Hilfseinsätzen beteiligt waren nach Grundner 4490 Feuerwehrleute, auch aus anderen bayerischen Landkreisen und dem benachbarten Österreich, 581 Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), 84 Wasserwachtler, 347 Angehörige des BRK und 328 des Malteser Hilfsdiensts, 1523 Leute des THW, 715 Polizeibeamte, 158 Bergwachtler und 1409 Soldaten, dazu 66 Statiker, 123 Mitarbeiter des Landratsamts und 144 Stabsmitglieder. In Spitzenzeiten seien täglich bis zu zehn Statiker unterwegs gewesen, um über das Räumen von Dächern zu entscheiden. Grundner sagte dazu: »Die Stufe 1 hatte absolute Priorität.«

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Brennpunkte seien Siegsdorf, Traunstein, Inzell, Schleching, Reit im Winkl, Ruhpolding und Bergen gewesen. Hinzugekommen sei die Lawinensituation. Der Kreisbrandrat gab ein Beispiel: »Bei Lawinenwarnstufe vier reicht es, wenn ein Ast runterfällt.« Wegen »Gefahr für Leib und Leben« habe man die Räumung in Raiten und in Vorauf angeordnet. In Vorauf seien bereits Gebäudeschäden entdeckt worden. Einige Plätze in den zwei Notunterkünften für 350 Personen seien für wenige Stunden benötigt worden.

Vor Probleme gestellt habe zeitweise das Thema Ausrüstung. Grundner erinnerte: »2000 Schneeschaufeln hat man nicht in der Garage stehen. Wir haben Hunderte von Schneeschaufeln, Schneehexen und Pistenraupen in ganz Bayern gesucht, dazu Leitern, Autokräne, Arbeitsbühnen, Absturzsicherungen, Gasflaschen für Heizung und Verpflegung. Was wir nicht fanden, besorgten Mitarbeiter des Landratsamts.« In zwei Bereitstellungszentren – im Feuerwehrgerätehaus in Übersee und bei der Autobahnmeisterei in Siegsdorf – sei wertvolle Arbeit erbracht worden. »Bei solchen Einsätzen muss die Infrastruktur passen. Ich danke allen für die gute Zusammenarbeit«, schloss der Kreisbrandrat.

Der Schlechinger Ortsteil Raiten habe binnen 24 Stunden geräumt werden müssen, rief der Landrat ins Gedächtnis. Dort wie in Vorauf habe sich die Lage nach intensiven Schneeanalysen durch die Lawinenwarnkommission wieder entspannt. Eine Woche schlossen nach Walch alle Schulen im Landkreis, die im Süden sogar zwei Wochen. Die Infrastruktur zu sichern, sei von großer Bedeutung gewesen. »Mein großer Dank gilt allen Einsatzkräften. Die Solidarität im und weit über den Landkreis hinaus war unermesslich«, stellte der Landrat fest. Über die kostenmäßigen Auswirkungen habe er noch keine Erkenntnisse. Der Landkreis könne Mittel aus dem Katastrophenschutzfonds des Freistaats Bayern beanspruchen. Bei Privatanwesen könne eine Elementarversicherung einspringen.

Einige Dinge hätten ihn geärgert, fuhr der Landkreischef fort. So habe er in Interviews das Wort »Chaos« zurückgewiesen: »Ein Chaos konnten wir verhindern. In der Region hat stets alles funktioniert.« Walch widersprach auch Ex-Skisportler Markus Wasmeier, der von einem »normalen Winter« geredet hatte: »Es war kein normaler Winter.« »Wir hatten immer starke Winter«, merkte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner an. Die logistische Herausforderung sei »gigantisch« gewesen.

Dank gebühre zusätzlich den vielen ehrenamtlichen Helfern und Arbeitgebern für das Freistellen von Mitarbeitern. Der Landkreis habe viele Geräte kaufen müssen. Die SPD-Kreisrätin fragte: »Was machen wir damit?« »Was nicht kaputt ist, können wir weiterhin brauchen«, erwiderte Walch. Mit dem Thema »Beschaffung« müsse man sich auseinandersetzen: »Wir haben aus den Erfahrungen gelernt. Der Landkreis wird sich bevorraten mit Dingen, die wir brauchen.«

Die Professionalität aller hob Heinz Wallner, Bayernpartei, heraus. Am Chiemsee sei der Winter milder verlaufen. Einige Bürger hätten wenig Verständnis für die schwierige Lage im Süden aufgebracht: »Wir bekamen Anrufe, weil ein bisschen Schnee am Gartenzaun lag.« Ähnliches bestätigte Karl Schleid, CSU. Bei ihm hätten sich Bürger beschwert, »dass der Zeitungsbote nicht durchkam«. Dr. Thomas Graf, ÖDP, regte einen »Schneezieher« an – ein Brett an einem hydraulischen Greifer, um Schnee von Dächern zu holen. Schneekettenpflicht für Lkw an bestimmten neuralgischen Straßenabschnitten regte Sepp Hohlweger, Bündnis 90/Die Grünen, an.

Einen »Dankeschön-Abend für alle Helfer« wie nach dem letzten großen Hochwasser schlug Franz Parzinger, CSU, vor. Man sei schon am Planen, sagte Walch zu. Eventuell sei noch ein Finanzbeitrag des Kreisausschusses erforderlich. Mehrere Unternehmen hätten finanzielle Unterstützung signalisiert. kd