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Kristian Mehringer zieht eine positive Zwischenbilanz

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Er weist seinen Sportlerinnen den Weg: Kristian Mehringer, hier mit (von links) Vanessa Hinz, Franziska Preuß, Sophia Schneider, Maren Hammerschmidt und Franziska Hildebrand in der Chiemgau-Arena. (Foto: Wukits)

Es war eine Überraschung, als nach den Olympischen Spielen in Südkorea die Trainerstruktur des DSV im Biathlon geändert wurde – vor allem im Damenbereich. Für den bisherigen Cheftrainer Gerald Hönig wurde Kristian Mehringer aus Schleching zum neuen verantwortlichen Damentrainer befördert. Als Co-Trainer kam der Tiroler Florian Steirer, Tobias Reiter aus Oberwössen war zuvor zurückgetreten.


Das alles ist mittlerweile ein halbes Jahr her. Das neue Trainer-Duo hat bereits den Großteil der Saisonvorbereitung hinter sich gebracht. »Es hat alles sehr gut funktioniert. Die Trainingslehrgänge waren optimal, Trainer und Sportler haben sich gefunden«, freut sich Kristian Mehringer in seiner Zwischenbilanz.

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»Die Mädels haben voll mitgezogen«

»Die Mädels haben voll mitgezogen. Wir haben mit ihnen viele Einzelgespräche geführt, um auszuloten, was wir besser machen können.« Einen Dämpfer erhielten die Trainer Anfang der Woche, als bekannt wurde, dass Laura Dahlmeier eine längere Wettkampfpause einlegen muss. Zuvor musste bereits Maren Hammerschmidt nach einer Operation die gesamte Saison streichen. »Da müssen wir jetzt abwarten, wie es mit der Laura weitergeht. Dieses Jahr wird sie wohl keine Wettkämpfe mehr bestreiten«, verrät Mehringer.

Ansonsten ist er mit seinem Team im Soll. Erfreulich waren die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft, was Franziska Preuß und Karolin Horchler betrifft. »Das hat sich bei den beiden schon vorher abgezeichnet, dass sie gut drauf sind.« Nun versuchen Mehringer und Steirer nach einer Bestandsaufnahme, für ihre Sportlerinnen individuelle Pläne zu schreiben. Im Team sind ältere Athleten wir Franziska Hildebrand und Denise Herrmann und jüngere wie Franziska Preuß und Vanessa Hinz. »Da hat jede einen anderen Schwerpunkt, da braucht es einen klaren Plan.«

Steirer bringt Erfahrung aus Österreich mit

Angelegt ist das Training im sogenannten »Drei-Einser-Rhythmus.« Das heißt, drei Wochen Training mit hoher Belastung, eine Woche dann reduziert. Entlastet wird Mehringer von seinem Co-Trainer Florian Steirer. Der 36-Jährige bringt aus Österreich ein gutes System mit. »Das setzt er gut um und wir können einiges voneinander lernen«, weiß Mehringer. Immerhin hat er auch noch sein Trainerstudium an der Sporthochschule Köln zu bewältigen. In der Wintersaison wird er aber mit dem Studium pausieren.

Wichtig ist für den 37-Jährigen ein konsequentes Training, bei dem auch der Spaß nicht zu kurz kommt. »Da braucht es eine gewisse Balance, sie müssen mit Freude zum Training kommen«, erklärt er die Formel.

Eine tägliche Herausforderung ist der Trainingsaufbau. Weltcup, jedes Jahr eine Weltmeisterschaft und im Vierjahreszyklus Olympische Spiele. Biathlon steht jede Saison im Fokus. Die Sportler haben dabei die unterschiedlichsten Ziele, ob Gesamtweltcup oder eine Medaille bei Großereignissen. »So muss auch das Training ausgelegt werden. Eine Garantie, dass es funktioniert, gibt es aber nicht«, weiß Mehringer. Durch die vielen Erfolge der vergangenen Jahre sind seine Sportlerinnen erfolgsverwöhnt.

»Einen großen Anteil daran hat Tobias Reiter«, lobt Mehringer die Arbeit des ehemaligen Co-Trainers. Mit den Erwartungen für die neue Saison gibt sich der Trainer zurückhaltend, nicht nur wegen des Ausfalls von Dahlmeier. »Mit Prognosen bin ich sehr vorsichtig. Die Messlatte liegt nach den Olympischen Spielen sehr hoch. Als Trainer zu sagen, ich will zehn Weltcupsiege und fünf WM-Medaillen, steht mir nicht zu. Diese Ziele müssen die Sportlerinnen haben.«

Mehringer weiß aber auch, dass die Erwartungen der Öffentlichkeit hoch sind. »Wenn die Mädels weiter gut arbeiten, können wir uns auf einen guten Einstieg in die Saison freuen«, lässt er sich entlocken. Dabei ist er sich bewusst, dass die Medien allgegenwärtig sind. »Die gehören dazu, wir Trainer sind immer offen. Manchmal müssen wir unsere Mädchen in manchen Situationen auch schützen.«

Angst vor seiner ersten Saison als verantwortlicher Cheftrainer hat er nicht, eher Respekt. Kristian Mehringer hat alle Stationen im Jugend- bis zum Seniorenbereich durchgemacht. »Die Anspannung gehört immer dazu, ob im Weltcup oder Deutschlandpokal. Klar ist aber auch, dass ich als Bundestrainer mehr im Rampenlicht stehe.«

Olympische Spiele 2022 sind schon im Blick

In der Planung des DSV stehen bereits die Olympischen Spiele 2022 in Peking. »Als Angestellter des Verbands steht man unter Beobachtung, da gehört auch ein gewisser Druck dazu.« Froh ist er darüber, dass er bei seinem Job tatkräftig von seiner Frau unterstützt wird. Als Vater zweier Kinder im Alter von einem und drei Jahren muss er alles unter einen Hut bringen.

»Die Familie muss dahinter stehen. Wenn es privat nicht funktionieren würde, hast du den Kopf auch nicht frei. Für die Kinder in diesem Alter ist der Papa sehr wichtig. Wenn ich daheim bin, versuche ich immer viel mit den Kindern zu machen. Dafür stelle ich auch mal das Telefon für ein paar Stunden ab«, sagt er schmunzelnd.

Schmunzeln muss er auch über die Frage, ob Frauen im Sport anders ticken als Männer. »Frauen sind nicht schwieriger oder komplizierter. Es ist wie bei den Männern, überall gibt es unterschiedliche Typen.« SHu