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Tag des Abschieds nach über 40 Jahren in der Lokalredaktion

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Seit vielen Jahren war es Tradition, dass Redakteur Klaus Oberkandler am Neujahrstag den Lokalteil für die erste Ausgabe im neuen Jahr zusammenstellte. Und ebenso lange war es Tradition, dass ihn der jetzige Altoberbürgermeister Fritz Stahl an diesem Tag in der Redaktion auf einen kleinen Ratsch besuchte. Weil es heuer zum letzten Mal war, machte Stahl dieses Erinnerungsfoto.

Die heutige Ausgabe unserer Zeitung ist die letzte, an deren Gestaltung ich als Redakteur mitwirken darf. Wenn Sie die heutige Mittwochsausgabe in Händen halten, verlebe ich meinen ersten Tag im Ruhestand – den ersten Tag vom Rest meines Lebens. Weit mehr als 40 Jahre durfte ich Ihnen, liebe Leser, als Mitglied der Lokalredaktion das Tagesgeschehen im Chiemgau und Rupertiwinkel näherbringen und unsere Zeitung mitgestalten.


Als ich Anfang der 1970er Jahre als junger Student zum ersten Mal als Urlaubsvertreter in der Sportredaktion gearbeitet habe, da war Paul Mayer Chefredakteur und der unvergessene Ossi Wagner die Seele der Redaktion. Es wurde zur Gewohnheit, dass der Student Oberkandler immer wieder für ein paar Wochen als Urlaubsvertretung einsprang, sofern es das Germanistikstudium erlaubte.

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Ostern 1975 half ich wieder aus und zwei Redakteure wurden krank. Einer allein konnte unmöglich die ganze Zeitung machen und so entschloss sich Verleger Anton Miller, mich fest anzustellen. »Hier bin ich. Hier gefällt's mir. Hier will ich bleiben« – habe ich damals gesagt. Und ich habe es nie bereut. Die drei Redakteure von damals und der Verleger Anton Miller sind längst tot. Kollegen, mit denen ich Jahrzehnte zusammengearbeitet habe, Gunter Kasper und Hans Helmberger, genießen schon seit einigen Jahren ihren Ruhestand.

Vom Sport bin ich bald ins Lokale gewechselt und habe mich insbesondere für die Kommunalpolitik interessiert. Es war ein reiches Betätigungsfeld: Die Stadt Traunstein unter Oberbürgermeister Rudolf Wamsler hatte noch einen eigenen Schlachthof und ein eigenes Krankenhaus. Letzteres übernahm der Landkreis unter dem von mir hochgeschätzten Landrat Leonhard Schmucker. Unser Abgeordneter im Bundestag hieß damals Matthias Engelsberger, im Landtag vertrat uns Dr. Ludwig Huber, der Ministerpräsident hieß Alfons Goppel.

Tausendmal wichtiger als unsere Volksvertreter in der Landes- und Bundespolitik aber waren mir die Gespräche mit den Menschen in der Region, mit unseren treuen Lesern, welche die Basis für viele bunte Reportagen waren. Die Ferien, wenn keine Sitzungen und Versammlungen stattfanden, waren die Zeit, in der man auch als Redakteur öfter mal hinauskam und selbst Geschichten schreiben konnte. Jedes Jahr wählte ich für meine Sommerserien ein anderes Motto: Einmal stand sie unter dem Thema »Bedeutende Unternehmen in der Region«, ein anderes Mal hieß sie »Ich und mein Garten«, vor zwei Jahren widmete sich die Sommerserie Friedhöfen im Chiemgau und im Rupertiwinkel und letztes Jahr habe ich altes Handwerk vorgestellt. 99 Prozent der Arbeit aber betrafen das termingerechte Zusammenstellen des Lokalteils für die nächste Ausgabe. Ab sofort brauche ich mich nicht mehr darum zu sorgen, woher wir den Aufmacherartikel für die erste Lokalseite herbekommen, wie wir die Achentalseite vollkriegen oder wie die letzte Seite mit Berichten aus Waging und Teisendorf aussehen wird. Ab sofort werde ich unser Traunsteiner Tagblatt als Leser genießen und mich jeden Morgen auf die Lektüre meiner Heimatzeitung freuen.

Ein Team, vorwiegend junge Kollegen, hat in den letzten Jahren viel neuen Schwung in unser Blatt gebracht und es hat Spaß gemacht, zu sehen und daran mitzuwirken, wie sich vieles positiv verändert hat. Bei allem Konkurrenzdruck hoffe ich, dass unser Traunsteiner Tagblatt Bestand haben und mir auch künftig täglich als lieb gewonnene Morgenlektüre erhalten bleiben wird.

Dass es Ihnen, liebe Leser, ebenso gehen möge und Sie »meiner« Heimatzeitung die Treue halten, wünsche ich mir von Herzen.

Ihr Klaus Oberkandler