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Frauen aus dem Chiemgau helfen Frauen in Uganda

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Die Frauen in Uganda stellen aus Papier bunte Ketten und Armbänder her. Frauen im Landkreis Traunstein verkaufen diese auf Märkten und sorgen so für ein Einkommen der Frauen in Uganda, von denen viele alleinerziehend sind.

»Frauen für Frauen« ist ein Verein zur Unterstützung von Frauen in Uganda. Diese stellen Schmuck her, der im Chiemgau auf Spendenbasis verkauft wird.


Die Einnahmen kommen zu 100 Prozent den in Uganda Beteiligten sowie Hilfsprojekten am Ort zugute. Projektleiterin Anja Bachler aus Siegsdorf und ihre Mitstreiterinnen sind selbst immer wieder in Uganda und wissen, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird. Ihre Devise lautet: »Jeder Mensch kann im Kleinen ein bisschen Verantwortung für andere übernehmen.«

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Anja Bachler kam durch ihren Vater in Kontakt mit Uganda. Der Architekt baute dort Waisenhäuser für Aids-Waisen. Seine Tochter war fasziniert von der Schönheit des ostafrikanischen Landes, aber auch zutiefst betroffen von der Armut und Benachteiligung der Frauen. Diese sind allerdings kunsthandwerklich äußerst geschickt, und so reifte die Idee, sie könnten Schmuck herstellen, der dann in Deutschland verkauft wird.

Perlen aus Altpapier mit Lack überzogen

Die Frauen schneiden Altpapier in feine Streifen und wickeln sie zu Perlen. Diese werden dann mit Lack überzogen und zu Ketten, Armbändern, Ohrringen und Täschchen verarbeitet. »Jedes Stück ist ein Unikat, so wie auch jede dieser Frauen es wert ist, dass man ihr hilft«, betont Bachler.

Sie reist mehrmals im Jahr nach Uganda, kennt die Menschen dort und ihre Nöte und sorgt dafür, dass ihnen das Geld ohne Abzug zukommt. Damit können die Frauen versorgt werden, sie können Ziegen, Schafe, Kühe, Hygieneartikel kaufen, es gibt Patenschaften, Investitionen in Ausbildung und andere Projekte.

Ein häufiges Problem in Uganda ist, dass die Männer den Frauen große Versprechungen machen, dann aber verschwinden und sie mit den Kindern sitzen lassen. So ging es auch Evelyn, einer 27-jährigen Uganderin und ihrer dreijährigen Tochter Joy. Evelyn muss arbeiten, um sich und das Kind ernähren zu können. Sie hat eine Stelle als Schneiderin, aber für die Kinderbetreuung fand sie nur ein achtjähriges Mädchen, das selbst schwer traumatisiert ist und bei Evelyn und Joy lebt.

»Evelyn steht jeden Tag um drei Uhr auf und kocht für die beiden Mädchen vor, ehe sie in die Arbeit geht«, erzählt Bachler. Tagsüber sind die Kinder allein in dem winzigen Zimmerchen. Da eine Tante von Evelyn an Aids gestorben ist, hat sie auch noch deren zwei Kinder im Alter von zehn und zwölf Jahren aufgenommen.

Größter Wunsch wäre eine eigene Nähmaschine

Evelyns größter Wunsch wäre, wenn die Kinder zur Schule gehen könnten und sie selbst eine Nähmaschine für zuhause hätte, um noch mehr für sie alle zu verdienen. Als kleines Weihnachtswunder bezeichnet es Bachler, dass sie nun in der eigenen Familie Schulpaten für die Kinder fand. »Wir können nicht die Welt retten und es sind keine Massen an Menschen, denen wir helfen. Aber ich bin schon zufrieden, wenn wir dauerhaft zirka 50 Frauen das Leben erleichtern können«, betont Anja Bachler.

»Die Frauen tragen die Last Afrikas, der Kontinent könnte ohne deren Kraft nicht überleben.« Sie hätten aus der Not heraus eine unglaubliche Kreativität entwickelt. Dabei achten die Mitglieder von »Frauen für Frauen« auch darauf, dass die Afrikanerinnen zur Selbsthilfe angeleitet werden. So wurde im vergangenen Jahr einer Familie erklärt, dass Hilfe nur kommt, wenn sie selbst auch aktiv werden und der Mann nicht nur faul rumsitzt.

Doris Wagnerberger, eine weitere Ansprechpartnerin des Vereins, betont: »Wer was von uns will, muss was dafür tun.« Mittelsmann ist ein Einheimischer am Ort, der die Leute gut kennt und weiß, wer etwas braucht und auch verdient hat.

Bachler weiß sehr wohl, dass es auch in Deutschland arme Menschen gibt, die Hilfe brauchen. »Aber Gott hat mir diese Aufgabe vor die Füße gelegt«, ist sie überzeugt. »Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber in kleinen Schritten kommen wir voran und können helfen.« Flüge nach Uganda gehen immer auf eigene Kosten, die Spenden werden nicht angetastet. Und in den Koffern sind jedes Mal viele Gaben für die Frauen, denen es oft an den einfachsten Dingen fehlt.

»Das ist echte Hilfe und macht auch noch Spaß«

Die »Frauen für Frauen« leben im Chiemgau und im Salzburger Land. Sie bieten Schmuck und Taschen aus Uganda auf Märkten in der Region auf Spendenbasis an. »Wir alle haben große Freude daran«, erzählt Doris Wagnerberger, »uns selbst geht es sehr gut und wir wollen etwas weitergeben. Das ist echte Hilfe und macht auch noch Spaß.«

Wer sich näher über den Verein informieren will, findet Informationen auf der Internetseite des Vereins Frauen für Frauen oder bei Anja Bachler unter Telefon 08662/98 68. Wer die Initiative mit einer Spende unterstützen möchte, kann dies tun auf das Konto mit der IBAN DE14 7109 0000 0108 2539 19, BIC GENODEF1BGL. mix