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Braunbär griff Landwirt an

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Ein Braunbär hat im Lungau einen Bergbauern angegriffen und im Gesicht verletzt. (Archivbild)

Salzburg. Ein erwachsener, wild lebender Braunbär hat im Lungau einen 71 Jahre alten Landwirt angegriffen und im Gesicht verletzt. Anschließend ließ er von dem Mann ab und verschwand. Glücklicherweise erlitt der Mann nur eine Platzwunde und leichte Verletzungen an den Zähnen. Woher der Bär stammt, ist unklar. Bislang waren keine wandernden Bären im Salzburger Land bekannt. Allerdings leben laut Tierschutzorganisation WWF in Kärnten noch fünf bis acht dieser Tiere. DNA-Analysen aus Bärenkot sollen die Herkunft des Tieres klären.


Der Angriff fand bereits am Dienstag statt, wurde aber erst jetzt bekannt. Demnach stand der Bauer auf dem Almgelände des Schwarzenbergs in der Nähe seiner Rinderherde plötzlich dem Braunbären gegenüber. Der Landwirt tat das einzig Richtige, er ging langsam zurück, wandte sein Gesicht immer dem Bären zu. Doch dann stolperte er und stürzte. Daraufhin griff der Bär an und erwischte ihn mit der Pranke. Der Bauer stellte sich tot, was den Bären wohl veranlasste, ihn nicht weiter zu attackieren.

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Angriffe von Bären auf Menschen als ungewöhnlich

Der österreichische Bärenexperte Georg Rauer erklärte gegenüber den Salzburger Nachrichten (SN), wer einen Bären sieht, sollte sich langsam zurückziehen. »In der Regel macht sich der Bär aus dem Staub. Das ist der Normalfall«, so Rauer. Bären würden normalerweise nur aggressiv, wenn sie bei der Nahrungsaufnahme gestört werden oder ihre Jungen schützen. Laut Rauer gebe es im Bundesland Salzburg bislang keine Bären. Er schließt nicht aus, dass ein Männchen aus Kärnten in den Lungau gewandert ist. Doch eigentlich sei jetzt die Zeit, in der die Bären ihren Winterspeck anfressen »und nicht große Wanderungen unternehmen«. Generell bezeichnete Rauer Angriffe von Bären auf Menschen als ungewöhnlich. »Mir ist in Österreich kein vergleichbarer Fall bekannt«, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA. »Es gab ein paar Scheinangriffe: Bären liefen auf einen Menschen zu, drehten dann aber ab«, zitieren die SN den Experten.

Dass der Bauer völlig richtig reagiert hat, bestätigte der Salzburger Landesrat Josef Schwaiger gegenüber dem ORF. Der 71-Jährige sei ruhig geblieben, habe dem Bären nie den Rücken zugekehrt und sich langsam rückwärts entfernt: »Das ist genau das richtige Verhalten. Ich weiß, das sagt sich leicht, aber man sollte keinesfalls davonlaufen.«

Der österreichisch-kanadische Experte Fritz Mayr-Melnhof, der seit Jahrzehnten ein riesiges Wildnisgebiet im Yukon-Territorium Kanadas betreut, in dem über 100 erwachsene Braunbären leben, sagte dem ORF, Braunbären sollten im dicht besiedelten Alpenraum nicht angesiedelt werden – zur Sicherheit beider Seiten. Trotz einiger großer Schutzgebiete seien die geografischen Räume in den Alpen viel zu klein. Es wäre unvermeidlich, dass sich Menschen und Bären in die Quere kommen. Resultat sei, dass die Tiere abgeschossen werden müssten, wenn sie sich vor Menschen nicht mehr fürchten oder von ihren Abfällen angezogen würden. Das geschehe schneller, als viele vermuteten. Das Thema werde von verschiedenen Öko-Gruppen zu romantisch betrachtet.

Der Salzburger Landesjägermeister Josef Eder warnt vor Panik. Die Jägerschaft denke nicht an einen Abschuss. Zudem stehe ohnehin bald der Winter vor der Tür, und damit verabschiede sich der Bär vorerst in den Winterschlaf.

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