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Ultraläufer trotzen Hitze und Sturmböen

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Starke Leistung: Sylvie Geißler vom SC Ainring gewann bei den Frauen die 100-Kilometer-Wertung beim Chiemgauer 100. (Fotos: Florian Schütz/summitsforthesoul.de)

Bei hochsommerlichen Bedingungen stellten sich 150 Ultra-Bergläufer den verschiedenen Strecken beim Chiemgauer 100. Die 16. Auflage war dabei das erste Ultra-Trailevent, das im deutschsprachigen Raum nach dem Beginn der Corona-Krise durchgeführt wurde. Möglich gemacht hat dieses Lauferlebnis Organisator Giselher Schneider.


Neben der Beachtung sämtlicher Umweltschutzauflagen wurde ein perfekt abgestimmtes Hygienekonzept entworfen und mit den zahlreichen freiwilligen Helfern umgesetzt. Zudem waren die Startplätze begrenzt. Die Beliebtheit dieses Laufklassikers zeigte die überfüllte Warteliste.

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Und so starteten 50 Läufer auf der 100-Meilen-Strecke am Freitag ab 13 Uhr im »fliegenden Start«. 100 Aspiranten auf der 100-Kilometer-Strecke wurden in sogenannten »Startwellen« Samstag früh ab 5 Uhr auf die Reise geschickt. Start und Ziel wurden kurzfristig vom Biathlonzentrum Ruhpolding an die Eishalle Ruhpolding verlegt. Dank der konstruktiven Unterstützung durch die Tourismusmarketing Ruhpolding und die Betriebsleitung von Vita Alpina und von der Eishalle wurde dort ein Rahmen geschaffen, der unter Einhaltung der Corona-Regeln optimale Bedingungen für die Läufer sicherstellte.

Den familiären Charakter des Laufs unterstreicht, dass der ehemalige Sieger und bisher Zweitschnellste über die 100 Meilen, Rudi Döhnert, seine Teilnahme gesundheitsbedingt absagen musste, aber er besetzte zusammen mit seiner Frau als Helfer zwei Verpflegungsstationen. Auch andere ehemalige Teilnehmer reisten teilweise mehrere 100 km an, um als Helfer dabei zu sein. Diese ergänzten das Helferteam, das teilweise schon seit Anbeginn Wind und Wetter trotzt, auf etwa 75 Personen.

Ihre Aufgabe bestand darin, die Läufer zu verpflegen, die Strecke zu markieren, die Infrastruktur aufzubauen oder die Teilnehmerverwaltung und Zeitnahme zu übernehmen. Ohne diese engagierten freiwilligen Helfer wäre der Lauf 16 Jahre lang nicht durchführbar gewesen.

Natürlich wurde auf den vorderen Plätzen sportlich um den Sieg gekämpft, allerdings stand bei allen Teilnehmern das gemeinsame Bezwingen der Strecken in der traumhaften Kulisse der Chiemgauer Berge im Vordergrund. Selbstverständlich forderten die sehr heißen Temperaturen ihren Tribut, nicht alle Läufer erreichten das Ziel. Sorgen bereitete zwischenzeitlich eine angekündigte Unwetterfront. Glücklicherweise waren die Auswirkungen aber nicht so dramatisch. Die Teilnehmer konnten in Hütten und Unterständen Schutz suchen oder befanden sich bereits im Ziel.

So zum Beispiel Matthias Krah (LAZ Oldenburg Miltenberg), der die 100 Kilometer Distanz nach 12 Stunden und 6 Minuten als Erster erreichte. Die Gewinnerin bei den Damen, Sylvie Geißler (SC Ainring), benötige rund fünf Stunden länger und verwies Kathi Hallweger von der Bergwacht in Bergen auf Platz zwei (16:49 Stunden).

Deutlich geringer waren die Zeitabstände auf der 146-Kilometer-Distanz. Sieger Frank Aust war 28 Stunden und 24 Minuten unterwegs. Quasi zeitgleich erreichte Lokalmatador Ulli von Großmann (SC Eisenärzt) das Ziel.

Auf der 100-Meilen-Distanz lief Thomas Wagner erneut in einer eigenen Liga. Mit über zwei Stunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Florian Probst zeigte der Österreicher erneut seine Klasse. Auf Platz fünf folgte ein alter Bekannter: Armin Tollkühn (DAV Traunstein) war 31 Stunden und 43 Minuten unterwegs und ließ fünf weitere Läufer hinter sich.

Mit der 16. Auflage hat sich Giselher Schneider einen besonderen Schlusspunkt gesetzt. Der ehemalige Ultraläufer hatte diese Art von Rennen in Amerika kennengelernt und in Deutschland etabliert. Neben den vielen positiven Erinnerungen, weiß Schneider aber auch von den vielen bürokratischen Hindernissen bei der Durchführung solcher Veranstaltungen zu berichten.

Trotz eines selbst beauftragten Fachgutachtens, das keine negative Umweltbeeinflussung feststellen konnte, zeigte die Naturschutzbehörde kein Entgegenkommen bei den starren Auflagen. Der Forst blockierte Streckenänderungen und die teilweise mangelnde Unterstützung der öffentlichen Stellen erschwerte es zudem, den Lauf weiterhin in ehrenamtlicher Weise fortzuführen. Die Organisation übergibt Schneider jetzt an ein Team aus Bergen, das gewillt ist, den Teilnehmern auch künftig ein besonderes Lauferlebnis in der Chiemgauer Bergwelt zu ermöglichen. pf

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