»Schritt für Schritt« will sich Filimon Abraham seinen Traum erfüllen

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Filimon Abraham trainiert hart dafür, dass er sich künftig sein Geld als Profiläufer verdienen kann. (Foto: Philipp Reiter/Salomon)

Endlich wieder ein Wettkampf! Und dabei dann gleich noch einen Uralt-Rekord geknackt! Filimon Abraham von der LG Festina Rupertiwinkel stellte in Chemnitz einen neuen Chiemgaurekord im 10-Kilometer-Straßenlauf auf. Als Fünfter benötigte er 29:41 Minuten und verbesserte damit den seit 20 Jahren bestehenden Kreisrekord des Ausnahmeläufers Hans Hopfner von der TG Salzachtal um mehr als eine Minute!


»Es war ein schönes Gefühl, nach so vielen Monaten wieder einen Wettkampf zu haben«, sagt Abraham im Gespräch mit unserer Sportredaktion. Er freut sich auch, dass er einen neuen Rekord aufgestellt hat, unter dem Strich war er mit seiner Zeit aber nicht zufrieden. »Ich wollte unter 29 Minuten laufen«, verrät er. Warum das nicht geklappt hat? »Ich hatte mich ein paar Tage zuvor im Training leicht gezerrt, vielleicht deshalb«, sagt er. Aber: »Ich habe auf jeden Fall alles gegeben.«

Und genau mit dieser Einstellung geht der Ausnahmeläufer aus Eritrea, der in Traunstein lebt, auch die nächsten Monate an. An diesem Wochenende steht für ihn bereits der nächste Wettkampf an: Abraham möchte in Fürstenfeld (Österreich) seine Bestleistung im Halbmarathon, die seit dem Jahr 2017 bei 1:06:34 Stunden steht, angreifen. Klappt das nicht, dann ist es aber auch kein Beinbruch, weiß er. »Ich sehe dieses Jahr noch als Übergangsjahr«, sagt er.

Voller Zuversicht blickt Abraham dennoch seinen nächsten Aufgaben entgegen. Er will endgültig den Durchbruch schaffen und sich sein Geld künftig als Profisportler verdienen. Der 28-Jährige weiß aber, dass es bis dahin noch ein weiter Weg sein wird. »Schritt für Schritt« will er nun weiter vorwärts kommen.

Um seine sportlichen Ziele zu erreichen, hat er zum Jahreswechsel auch seine Arbeitsstelle als Schreiner aufgegeben. Im vergangenen Jahr legte er in dem Handwerk ja seine Gesellenprüfung erfolgreich ab und der Abschied vom Siegsdorfer Unternehmen Feil ist ihm nicht leicht gefallen. »Für mich war der Abschied von dort so ein Gefühl, als ob ich von zuhause wegziehe«, sagt er. An seine schöne Zeit dort erinnert ihn aber jeden Tag sein Gesellenstück: eine Pokalvitrine, die in seiner Wohnung steht, und die soll sich jetzt weiter rasch mit Trophäen und Medaillen füllen.

Mittlerweile hat der sympathische Sportler auch Sponsoren gefunden, die ihn bei seinem ehrgeizigen Vorhaben unterstützen. Dennoch arbeitet Abraham, der die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, jetzt auch halbtags bei der Traunsteiner Firma Heimatlicht. Die Arbeit dort gefällt ihm sehr gut. »Sie ist körperlich nicht anstrengend und der Chef dort ist ein Freund von mir. Er unterstützt mich und lässt mir viele Freiräume.«

Die andere Zeit investiert Filimon Abraham fürs Training – und die Umfänge sind schon seit längerem die eines Profis. Abraham hat einfach viel Spaß am Laufen und nutzt deshalb auch jede freie Minute dazu. Zum Ausgleich steigt er aber nach wie vor auch gerne mal aufs Rad.

Ihm zur Seite steht seit einigen Wochen jetzt auch ein Coach. Abraham arbeitet mit Thomas Dreißigacker zusammen, der als Bundesstützpunkt-Trainer in Leipzig tätig ist. Die ersten Monate des Jahres nutzte der Sportler jetzt intensiv dazu, die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison zu legen. Dafür war er auch fünf Wochen lang im Trainingslager in Kenia. Dort hatte er die Möglichkeit, mit vielen anderen Spitzensportlern zu trainieren. »Das war ein hartes Stück Arbeit«, betont er. »Aber die Trainingsbedingungen dort waren top und jeder will dort einfach nur laufen.« Er habe dort jeden Tag die Chance genutzt, um sich weiter zu verbessern. »Es war genauso, wie ich es mir vorgestellt habe.«

Abraham ist sich sicher, dass er nun eine gute Ausdauer hat. Jetzt will er weiter an seiner Schnelligkeit arbeiten und bei so vielen Wettkämpfen wie möglich starten. Er hofft, dass in diesem Jahr mehr Rennen stattfinden können. Vor allem auch am Berg. »Ich hoffe sehr, dass der Hochfelln-Berglauf in diesem Jahr sein kann«, sagt er. Auch beim Großglockner-Lauf will er an der Startlinie stehen.

Filimon Abraham hat aber auch schon 2022 im Blick. Ab dem nächsten Jahr möchte er dann sein Können auch bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften unter Beweis stellen – und zwar auf seinen Paradestrecken über 10 km und 21 km.

Und freilich gibt es da auch noch seinen ganz großen Traum: Olympia. 2024 in Paris soll es soweit sein. »Wenn alles passt, dann ist alles möglich«, ist er sich sicher. »Dafür muss ich aber auch gesund und fit bleiben«, hebt er hervor. Gelingt ihm das, dann wird er sicherlich auch noch einige weitere Rekorde einstellen.

SB

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