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Sie hat für diesen Winter wieder die internationalen Rennen im Visier: Biathletin Stefanie Scherer, hier während des Trainings in der Chiemgau-Arena. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

»An meine früheren Leistungen anknüpfen«

Mit neuem Schwung in die neue Saison: Biathletin Stefanie Scherer (Stützpunkt Ruhpolding) will sich nach einem durchwachsenen Winter nun wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Dass sie das Potenzial dafür hat, hatte die Sportlerin des SC Wall in den zwei vorherigen Wintern bewiesen: 2019/2020 war sie Gesamtvierte des IBU-Cups geworden und hatte in Minsk (Belarus) EM-Silber im Single-Mixed mit Justus Strelow (SG Stahl Schmiedeberg) geholt. Im Winter 2020/21 gab's Gesamtrang 28 in der »Zweiten Liga« des Biathlons und in Duszniki Zdroj (Polen) sogar EM-Gold im Single-Mixed – wieder mit Justus Strelow.

Genau auf solche internationalen Einsätze musste Scherer im vergangenen Winter komplett verzichten. Es lief nicht so wie erhofft – und als sie sich im Deutschlandpokal für das IBU-Cup-Finale in Lenzerheide (Schweiz) qualifiziert hatte, war ihre Freude nur von kurzer Dauer: »Ich hatte Rückenprobleme, deshalb konnte ich da leider nichts zeigen. Das war schon sehr hart in dem Moment«, erinnert sich die 26-Jährige.

Wobei der Rücken ohnehin eine der »Baustellen« im Biathlonsport ist. »Das ist einfach eine Stelle, bei der es außenrum eine extreme Muskelbelastung gibt«, weiß sie.

Die Folge: Trotz ihres Deutschlandpokal-Gesamtsiegs ist Scherer heuer in keinem DSV-Kader dabei. Darin sieht sie allerdings kein allzu großes Problem: »Wir haben da am Stützpunkt ein offeneres System mit den verschiedenen Gruppen. Wenn es passt, können wir zum Teil sogar mit der Lehrgangsgruppe I a (dem Weltcup-Kader, d. Red.) trainieren. Das ist sehr gut, schließlich kann man da von den Besseren etwas lernen.«

Alle diejenigen, die keinem DSV-Kader angehörten, bereiten sich ansonsten in einer Trainingsgruppe unter Leitung von Niklas Kellerer vor. »Wir haben vielleicht ein paar Lehrgänge weniger, aber ansonsten passt es gut. In den Qualifikationsrennen haben wir wie jede andere auch unsere Chance, das ist kein extremer Nachteil.« Ein Vorteil sei es zudem, dass Schere »bei der Landespolizei eine sehr gute Förderung« hat und somit auch finanziell abgesichert ist.

Insgesamt sei schwer abzuschätzen, warum es in der vergangenen Saison nicht wie erhofft lief. »Das sind immer viele kleine Punkte, die zusammenkommen. Eine Hauptursache kann man da schwer benennen.« Ein Mosaiksteinchen könnte gewesen sein, dass sie möglicherweise der Regeneration einen Tick zu wenig Wert beigemessen habe, vermutet Scherer.

Nun ist sie froh darüber, »dass ich heuer erstmals seit mehreren Jahren ein 'normales Profileben' führen kann.« In den vorherigen fünf Jahren nämlich hatte sie im Rahmen ihrer polizeilichen Ausbildung gut vier Monate verbracht, in denen Ausbildung und Training unter einen Hut gebracht werden mussten. »Da wird der Tag schon lang, wenn man morgens um halb sechs aufstehen muss.« Im Abschlussjahr 2021 waren es sogar fünf Monate Ausbildung, während heuer für die Polizeimeisterin lediglich noch ein vierwöchiges Praktikum anstand. So schön diese Ausbildung grundsätzlich als Abwechslung sei, »vielleicht hat sich das auch ein bisschen aufsummiert«, vermutet sie.

Doch trotz der schwierigen Phasen im vergangenen Winter: Selbst in den Zeiten, als es nicht gut lief, »war die Motivation immer da. Natürlich ist es manchmal schwer, wenn man die Zweite im Deutschlandpokal ist und weiß, dass nur die Erste in den IBU-Cup hochdarf. Das ist schon hart – aber es geht ja auch darum, im IBU-Cup nicht nur mitzulaufen, sondern gute Leistungen zu zeigen. Da muss man eben schon im Deutschlandpokal stark sein.« Letztlich gelang dies ja auch, sie hätte in Lenzerheide mitmischen dürfen. Obwohl es wegen der Rückenprobleme nicht zu einem Start kam: »Die Qualifikation dafür ist ein echter Lichtblick«, freut sie sich.

Das gilt auch für den Einstand in die neue Saisonvorbereitung. Zwar habe sie kurzzeitig an einer Mittelohrentzündung laboriert, »aber sonst läuft soweit alles gut. Und lieber jetzt ein kleiner gesundheitlicher Rückschlag als im Herbst oder Winter«, betont Scherer.

Denn dann geht es für sie um die internationalen Startplätze. Für diese möchte sie sich in den Qualifikationen empfehlen – und dann »möglichst an meine früheren Leistungen anknüpfen.« Den Schwung dafür will sie sich nun in der Vorbereitung holen ... 

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