Schlechinger Orgelprojekt trotz Corona auf Kurs

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Organistin Maria Blank muss noch lange auf der alten Orgel spielen. (Foto: Wunderlich)

Schleching – In Schleching steht »eine der feinsten und schönsten Bauschöpfungen auf dem Gebiet des ländlichen Kirchenbaus in der Barockzeit« – heißt es im Gutachten des Landesamts für Denkmalpflege von 1979. Gemeint ist die Pfarrkirche St. Remigius. Vor bald 300 Jahren haben die Schlechinger als Bewohner eines damals noch armen Gebirgstals große Opfer für den Kirchenbau auf sich genommen.


Ende der 1990er Jahre wurde vom Orgelbeauftragten des Bistums, Friedemann Winkelhofer, der katastrophale Zustand der Orgel dokumentiert; zum Beispiel Bleifraß (Korrosion) an den Orgelpfeifen, der zur Zerstörung der Orgel führt. Ein erneutes Gutachten 2013 ergab, dass sich der Zustand weiter dramatisch verschlechtert hat.

Nach kurzer Diskussion wurde der Gedanke an eine preiswertere elektronische Orgel verworfen, die dieser außergewöhnlichen Kirche nicht gerecht würde. Vielmehr soll der Wert der kostbaren Barockkirche mit dem Einbau einer qualitätvollen Orgel, an der noch viele Generationen Freude haben werden, erhalten bleiben.

Die Vorstellung, bei allen kirchlichen und weltlichen Anlässen auf die Orgel verzichten zu müssen, gefiel keinem; denn mit der Musik der Orgel wird auch das Erbe vieler Generationen weiter getragen. Die Klänge fördern Einkehr und Besinnung.

Vor fünf Jahren gründeten engagierte Bürger die Projektgruppe »Eine neue Orgel für Schleching«. In diesen fünf Jahren wurden viele Aktionen auf die Beine gestellt, um das Geld zu beschaffen. Nachdem der »Orgel-Markt« erkundet und die Entscheidung für Alois Linder gefallen war, konnte mit konkreten Summen gerechnet werden. Das Ziel von 250.000 Euro war festgelegt – eine sehr hohe Summe für ein kleines Dorf mit rund 1800 Einwohnern.

Von Aktionen wie Fastensuppen-Essen, Pfarrfeste, Christkindlmarkt-Verkäufe, Verkäufe von Selbstgemachtem aus Küche und Keller, feines Olivenöl, Kirchen-Führungen bis zu Benefizkonzerten wurden keine Mühen gescheut. Großzügige Spenden, Aktionen Schlechinger Vereine, Geburtstagsspenden, Nachlass-Spenden haben zusammen mit Beitragsversprechen des erzbischöflichen Ordinariats München und der Gemeinde 70 Prozent des benötigten Kapitals zusammen. Jetzt fehlen noch rund 30 Prozent – also gut 70.000 Euro. Der Orgelbauer Alois Linder plant die Lieferung und den Bau des Instruments für 2024/25.

Die »Formalitäten« mit der Kirchenverwaltung und dem erzbischöflichen Ordinariat wurden im Hintergrund erledigt und damit bereits der Weg für eine neue Orgel geebnet. Die Projektgruppe um Cees de Wit ist im Gespräch mit Künstlern für weitere Benefiz-Konzerte, sobald die Corona-Beschränkungen dies zulassen.

Trotz der Corona-Situation gab es keinen Stillstand. Es kamen weitere Spenden von Firmen, Vereinen und Bürgern. Dafür ist die Projektgruppe sehr dankbar und hofft, dass auch das »letzte Stück des Weges« – nämlich die noch nötigen 70.000 Euro – gemeinsam getragen werden.

Wer die Aktion unterstützen will, kann dies auf das Konto der Kirchenstiftung St. Remigius tun, die IBAN-Nummer lautet DE 56  7116  0000  0109 0104 59. Eine Spendenquittung ist auf Wunsch erhältlich.

wun


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