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Ruhpoldinger Glockenschmiede hat ein neues Dach

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Die historische Glockenschmiede am Haßlberg in Ruhpolding hat seit kurzem ein neues Dach aus Lärchenschindeln. (Foto: Giesen)

Ruhpolding. Ein einzigartiges Zeugnis frühhandwerklicher Metallverarbeitung in der Region ist die historische Glockenschmiede im Ruhpoldinger Ortsteil Haßlberg. Ihre Anfänge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück und sowohl außen als auch beim Inventar hat sich seit Jahrhunderten nur wenig verändert. Die Eigentümerin der Glockenschmiede, Tyrena Ullrich, ist unablässig bemüht, die Glockenschmiede so zu erhalten, wie sie ihr Vater Fritz Grübl hinterlassen hat.


Im vergangenen Jahr litt die Glockenschmiede stark unter dem Juni-Hochwasser. Die Balken und der Unterbau des Daches waren durch die anhaltenden Regenfälle so mit Wasser vollgesogen, dass es in den alten Arbeitsraum der Schmiede hineinregnete und das historisch wertvolle Inventar ernsthaft in Gefahr war. Deshalb wurde mit Hilfe des Landesamts für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung, Landkreis und Gemeinde das Dach der Glockenschmiede mit Lärchenschindeln neu gedeckt. Kostenpunkt: knapp 50 000 Euro. Tyrena Ullrich hofft, dass wenigstens 80 Prozent durch die Zuschüsse gedeckt werden. Als Nächstes steht bereits das alte Wassergerinne dringend zur Renovierung an. Der Wasserspeicher und das oberschlächtige Wasserrad sind marode.

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Dabei hat die Glockenschmiede steigende Besucherzahlen zu verzeichnen, im letzten Jahr waren es 5000 Besucher – oft kommen sie mit Bussen von weither, schon um das riesige Wasserrad an dem Betriebsgebäude mit einem Durchmesser von 3,80 Metern zu sehen. Es ist überbaut von dem 40 Meter langen und vier Meter breiten Wassergerinne, in dem etwa 10 000 Hektoliter Wasser gespeichert werden können. Gespeist wird es vom Thoraubach.

Kernstück der Glockenschmiede ist das historische Schmiedewerk mit seinen drei Hämmern. Mit Hilfe eines Hebels kann man von der Schmiede aus eine Schleuse öffnen, durch die dann das Wasser auf das große Hammer- oder Wasserrad strömt. Wenn es sich dreht, erzeugt es eine Leistung von etwa 30 PS.

Im Inneren der Schmiede ist noch das gesamte alte Arbeitsgerät erhalten. Es gibt allein 110 handgeschmiedete Feuerzangen und 100 Handhämmer in verschiedenen Formen, dazu Aufweitwerkzeuge, Lochplatten oder Ambosse. Von besonderem volkskundlichem Wert ist es, dass noch sämtliche Geschäftsbücher, Preislisten und Dokumente – die »Kunden- und Anschreibbücher« – lückenlos bis in die letzten 150 Jahre zurückreichen. Zu finden sind sie heute im Ruhpoldinger Heimatmuseum.

Am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag hat die über 350 Jahre alte Glockenschmiede in Ruhpolding zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Auch das Hammerwerk der Glockenschmiede wird in Betrieb gesetzt und es finden spezielle Führungen in der Glockenschmiede und der Schleiferei statt. Ansonsten ist die Glockenschmiede von Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr durchgehend zu besichtigen. Außerhalb der Öffnungszeiten können sich Gruppen unter der Telefonnummer 08663/2309 anmelden. gi