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Dörfliche Struktur über Jahrhunderte erhalten

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Wie lange er an der Chronik gearbeitet hat, kann Reinhard Piehler nicht mehr genau sagen. Aber er nutzte zahlreiche Bücher und die alten Haßmoninger für seine Recherchen. (Foto: Mix)

Traunreut – Das Dorf Haßmoning besteht schon seit Jahrhunderten. Aus dem Jahr 1135 ist der Ortsname »Hasmaringen« überliefert und bis 1925 war es eine eigenständige Gemeinde. Über die Geschichte des Ortes, seine seit Generationen dort ansässigen Familien und so manche alte Tradition hat nun Reinhard Piehler eine Chronik verfasst. Die Zusammenstellung alter Daten und Fotos sieht er als eine Art Grundstock an. Sie ist nicht abgeschlossen, sondern kann jederzeit ergänzt werden. »Wenn jemand noch was weiß, kann er es mir sagen und ich werde es gern hinzufügen«, erklärt der Autor.


Reinhard Piehler ist auf dem elterlichen Hof »beim Wenger« in Haßmoning geboren und lebte seitdem immer dort. Bei seinen Recherchen für eine Familienchronik stieß Reinhard Piehler auf vielfältige Informationen zu Haßmoning allgemein und nachdem die eigene Familienchronik fertig gestellt war, machte er sich gleich noch an die Arbeit, um auch eine über seinen Heimatort zu verfassen.

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Eine Siedlung muss es an dieser Stelle schon vor Urzeiten gegeben haben, was der Fund von frühbronzezeitlichen Barren beweist. Eine eigenständige kleine Gemeinde mit 268 Einwohnern und einem eigenen Bürgermeister war Haßmoning bis zum Jahr 1925. Es gab eine Dorf-Feuerwehr und ursprünglich 15 landwirtschaftliche Anwesen. Zur Gemarkung gehörten damals zwölf Siedlungen darunter auch Neudorf, Walding und Hörpolding. Am 1. Mai 1926 wurde der Ort in die Gemeinde Stein an der Traun eingegliedert und später im Zug der Gebietsreform im Jahr 1978 Teil der Stadt Traunreut. Über die Bauersfamilien und deren Anwesen, von denen fast alle noch heute vorhanden sind, aber nicht mehr bewirtschaftet werden, trug der Verfasser einige Informationen zusammen, unter anderem auch die Bedeutung der jeweiligen Hofnamen. Manche der Bauern wurden bereits um 1300 und 1400 erwähnt, haben somit eine lange Familiengeschichte. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieben die dörfliche Struktur und die Anzahl der Höfe nach den Recherchen von Reinhard Piehler beinah unverändert.

Fahnenweihe nur für die Dorfbewohner

Für seine Informationen wälzte der Verfasser zahlreiche Bücher über die Geschichte der Region, studierte die Unterlagen im Stadtarchiv, stöberte im Internet und sprach mit alteingesessenen Haßmoningern. Er geht in seinem Werk auch auf das kulturelle Leben am Ort ein: »Früher war die Welt ja noch viel kleinräumiger, da hat sich alles im Dorf abgespielt.« Es gab früher eine lebhafte Dorfkultur mit gemeinsamem Musizieren und Theaterspielen. Sogar eine komplette Fahnenweihe nur für die Dorfbewohner wurde einst gefeiert. Auch über die beschwerliche Bauernarbeit in früheren Zeiten berichtet der Verfasser und beschreibt die mühsame Heuernte und die alten Gerätschaften von anno dazumal.

Dass in Haßmoning die Dorfgemeinschaft auch in der jüngeren Geschichte zusammenhält, zeigt die Chronik zum Beispiel mit einem Bericht über die gemeinsame Aktion, als 2004 die große Dorflinde gefällt werden musste, die schon stark verfault war. Auch bei der Instandsetzung des Löschweihers halfen selbstverständlich die Bewohner alle zusammen und nach wie vor gibt es einen monatlichen Stammtisch der Haßmoninger im Troadkasten.

Derzeit gibt umfasst der Ort 55 Häuser. Während in früheren Zeiten fast ausschließlich nachgeborene Bauernkinder hier bauten, folgten bald auch Häuser auf verkauften Parzellen. Um ein unbegrenztes Wachstum einzugrenzen, erließ die Stadt Traunreut 2002 eine Ortsrandsatzung. Im Bereich in und um den Ort könnten insgesamt maximal etwa 100 Häuser stehen. - mix

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