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»Der Situation immer einen Schritt voraus«

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Stolz zeigt Markus Schmuck seine Auszeichnungen, die künftig einen Platz in seinem Grassauer Studio finden. (Foto: Wannisch)
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Während einer Übung der Berufsfeuerwehr Essen entstand dieses mit dem »European Reportage Merit Award« ausgezeichnete Bild. Seit 2006 dokumentiert Markus Schmuck den Berufsalltag der Feuerwehr. (Foto: Schmuck)

Reit im Winkl – Vielleicht wäre Markus Schmuck in einem anderen Leben Berufsfeuerwehrmann geworden, denn eine große Leidenschaft des Reit im Winkler Fotografen ist die Feuerwehr.


Dank dieser erhielt Markus Schmuck nun den »European Reportage Merit Award« der Vereinigung professioneller europäischer Fotografen (FEP).

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Dass er jetzt zu den zehn besten Reportage-Fotografen Europas zählt, »macht mich stolz und ist eine Bestätigung meiner Arbeit«, freut sich der Reit im Winkler. Seine eingereichten Bilder aus einer Langzeitreportage über die Berufsfeuerwehr Essen stachen aus mehr als 2000 Einsendungen hervor.

»Es musste alles sehr schnell gehen«, erinnert sich Schmuck, denn er hatte sich eher spontan entschlossen, sich um einen FEP-Adward zu bewerben. Zeit, die vielen Tausend Bilder intensiv zu sichten, blieb nicht. Da der 49-Jährige selbst seit 30 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Reit im Winkl und Grassau engagiert ist, entschied er sich schließlich für Bilder aus seiner Langzeitreportage.

Durch einen Zufall verschlug es ihn für eine Fotoreportage 2006 in den Ruhrpott. Ein Verwandter seiner Frau war Wachführer bei der Essener Berufsfeuerwehr, »das hat es mir ermöglicht, intern zu arbeiten, Einsätze mitzufahren und Teil der Mannschaft zu werden«, beschreibt Schmuck die glücklichen Umstände. Den Vorteil, sich als ehrenamtlich tätiger Feuerwehrler gut in die Arbeitssituation seiner Kollegen bei der Berufsfeuerwehr Essen hineinzuversetzen, machte er sich so für seine Reportage zunutze. Schon nach kurzer Zeit war er für die Feuerwehrleute in Essen kein Fremdkörper mehr. Seine Reportagebilder entstehen in realen Einsatzsituationen, etwa während der Love-Parade 2007 in Essen, oder bei Übungsszenarien.

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Während einer Übung der Berufsfeuerwehr Essen entstand dieses mit dem »European Reportage Merit Award« ausgezeichnete Bild. Seit 2006 dokumentiert Markus Schmuck den Berufsalltag der Feuerwehr. (Foto: Schmuck)

So auch eines der ausgezeichneten Bilder. Zwei Feuerwehrleute in grünen Chemieschutzanzügen versuchen in der Hocke sitzend einen lecken Flüssigkeitsbehälter abzudichten. Als Betrachter kann man das schwere Atmen unter den Masken der Schutzanzüge formlich spüren, erwartet, dass die beiden Feuerwehrleute jeden Moment aus ihrer auf dem Foto eingefangenen Position aufstehen und ihren Einsatz fortführen.

Eine Fotografie ist für Schmuck gelungen, wenn »der Betrachter sofort erkennt, was es zeigt, und neugierig macht, mehr über die Geschichte des Bildes zu erfahren«. Eine Herausforderung für jeden Fotografen in einer Reportagesituation, bei der es keine Chance auf einen zweiten Versuch gibt. »Du musst der Situation immer einen Schritt voraus sein, erahnen können, was als nächstes passiert«, schildert Schmuck die Kunst der Reportagefotografie.

Heute sind Fotoreportagen wie das Projekt rund um die Feuerwehr Essen für Schmuck eine willkommene Abwechslung im Alltag als Berufsfotograf. »Bis du an ein gutes Bild kommst, musst du erst das Vertrauen deines Gegenübers gewinnen«, dazu seien Erfahrung, das richtige Gespür und ausreichend Zeit, sich mit der Person vor der Linse auseinanderzusetzen, notwendig.

Dabei war es für Markus Schmuck gar nicht klar, einmal in die Fußstapfen des Großvaters zu treten, die ein Fotogeschäft in Reit im Winkl hatten. Seine Mutter hätte ihn gerne nach dem Abitur »was G'scheites« studieren sehen, vielleicht Jura. Doch Markus Schmuck setzte sich damals durch und machte eine Fotografenlehre bei seinem Onkel im Familienbetrieb in Reit im Winkl, spezialisierte sich anschließend auf Mode- und Werbefotografie und arbeite als Assistent verschiedener Fotografen in Australien, Südafrika und den USA. Seit 2014 betreibt er nun ein Fotostudio in Grassau. Ob einer seiner beiden Söhne einmal in die Fußstapfen des Vaters treten wird? Wohl eher nicht, »die machen was G'scheites«. vew

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