weather-image
30°

»Geiz-ist-Geil-Mentalität« ablegen und regional kaufen

3.5
3.5
Bildtext einblenden

Traunstein – Das Wetter war nicht ganz einfach an diesem Wochenende für Veranstaltungen im Freien. So auch für den Traunsteiner Regionaltag, der in diesem Jahr zum fünften Mal in und vor allem um das Traunsteiner Landratsamt durchgeführt wurde.


Am Samstag mussten die Aussteller und Fieranten bei strömendem Regen ihre Stände aufbauen. Am Sonntag war das Wetter dann nach anfänglichem »Zögern« nahezu optimal für einen Bummel durch die Stadt. Für Landrat Siegfried Walch indes eine Selbstverständlichkeit: »Am Regionaltag ist es immer schön«, sagte er mit einem Lachen. Mit viel Applaus empfangen wurde Staatsministerin Michaela Kaniber.

Anzeige

Nachhaltigkeit beim eigenen Konsum gefordert

Erstmalig hatte man den beliebten und stark frequentierten Regionaltag, der mit das Ziel hat, die Vielfalt der heimischen Erzeugnisse zu zeigen und den Bürgern näher zu bringen, räumlich auch auf den Stadtpark ausgedehnt. In diesem Jahr hatte man sich insbesondere das Schwerpunktthema »Alles rund um Schaf und Ziege« vorgenommen und trug damit auch dem 40. Gründungsjubiläum der Schafhaltervereinigung Traunstein und Umgebung Rechnung. Und so gab es dort umfangreiche Vorführungen wie Schafe scheren, Wolle spinnen und filzen.

Auch heimische Schaf- und Ziegenrassen wurden vorgestellt, einem Wanderschäfer und seiner Herde konnte man bei seinen Erzählungen folgen. Die Verantwortlichen der Vereinigung zogen am Vormittag zur offiziellen Eröffnung, unterstützt mit Musik der 6-Egg-Musi, ein, bevor die obligatorischen Reden zur Eröffnung folgten.

Bildtext einblenden
Schafscherern bei der Arbeit konnten die Besucher im Traunsteiner Stadtpark zusehen.

Landrat Siegfried Walch betonte, dass die Begriffe Regionalität und Nachhaltigkeit nicht nur in den großen politischen Debatten eine Rolle spielen dürften. »Das muss es auch am eigenen Konsum!«, forderte Walch, der betonte, dass die Landwirtschaft in der Region zur eigenen Identität dazu gehöre. Ohne starke Landwirtschaft hätte die Region nicht »das Gesicht und diese Tradition«.

Regionalität sei aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wichtig, weil viele Menschen in der Region von dem Anbau, der Veredelung und dem Verkauf der Produkte ihren Lebensunterhalt bestreiten würden. Er bedankte sich bei allen mitwirkenden Ausstellern und Anbietern sowie den Mitarbeitern des Landratsamts, die ein hohes Engagement für die Veranstaltung an den Tag legen würden.

Staatsministerin Michaela Kaniber, die mit lang anhaltendem Applaus empfangen wurde, betonte die Gewichtigkeit der Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Dafür stünde gerade die Landwirtschaft. Es gelte für den Verbraucher mehr zu hinterfragen: »Wo ist der Bauer meines Vertrauens? Wo kommt mein Frühstücksei her?«, so die Bayerische Landwirtschaftsministerin, die forderte, es müssten mehr regionale Vermarktungsstrukturen geschaffen werden, »damit Bayern in Bayern auf den Teller kommt.«

Von den Verbrauchern forderte sie gerade im Bezug auf die Nahrungsmittel, die »Geizist-geil-Mentalität« abzulegen, wenn es um Lebensmittel gehe. Gleichzeitig nahm sie zu den Themen mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz Stellung: »Das alles zum Nulltarif? Das wird nicht gehen.« Das Umdenken des Verbrauchers müsse zum Teil auch über den Geldbeutel gehen.

Die Schäfer bedankten sich mit Schäferschippen bei der Staatsministerin und dem Landrat, die vom Vorstand Josef Harbeck übergeben wurden.

Schäfer stehen für Artenvielfalt

Die bayerische Wollkönigin Kerstin I. betonte, sie kenne als Schäferstochter die schönen Seiten wie das Hüten der Schafe für die Landschaftspflege oder das Aufziehen der Lämmer, aber auch die anstrengenden Seiten und Probleme, wie neue Krankheiten oder die zunehmende Anzahl der Wölfe. »Nicht zu vergessen ist die Bürokratie, die unserem Berufsstand die Arbeit erschwert.« Artenvielfalt und Nachhaltigkeit seien untrennbar miteinander verbunden. »Wir Schäfer machen das schon Jahrhunderte lang, berufsund naturbedingt ohne viel Aufsehens.«

Anschließend ging es im Rundgang von Stand zu Stand. Schaf und Ziege waren als Schwerpunktthema immer wieder präsent. Wie in den Vorjahren, gab es wieder eine große Vielfalt regionaler Produkte. Eier, Fisch, Obst und Säfte – auch heimisches Bier durfte nicht fehlen. Doch nicht nur das Konsumieren an Ort und Stelle stand im Mittelpunkt, sondern auch das Aufzeigen der Vielfalt der heimischen Produkte und das Sensibilisieren beim nächsten persönlichen Einkauf. Wer sich doch die eine oder andere kulinarische Köstlichkeit gegönnt hatte, konnte sich rund um die extra aufgebaute Almhütte niederlassen und sich dort an den gekauften süßen wie salzigen heimischen Produkten erfreuen.

Im Casino des Landratsamtes nahm man das Schwerpunktthema »Schaf und Ziege« wieder auf: Kochvorführungen machten Appetit auf Lammund Ziegenfleischgerichte, Rezepte zum Mitnehmen gaben Hilfestellung beim Selberkochen zuhause.

Wie in den vergangenen Jahren wurde am Regionaltag auch viel für die jungen Besucher geboten. Verschiedene Bastelmöglichkeiten und Spielecken mit der Bauklötze-Spielwiese standen bereit. Auch musikalisch standen regionale Klänge auf der Tagesordnung. Dafür hatte man die 6-Egg-Musi, das Trio Finger G’spui, die ReDurMusi, die Dreierlei-Musi und die AlzTrauner Goaßlschnoizer verpflichtet. awi

Bildtext einblenden

 

Mehr aus der Stadt Traunstein