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Tina Bachmann greift nochmal an

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Tina Bachmann bereitet sich in der Chiemgau-Arena auf die Deutschen Meisterschaften vor. Dabei will die 30-Jährige herausfinden, ob sie sich noch einmal steigern kann. (Foto: Wukits)

»Biathlon ist meine Leidenschaft – die mir auch Leiden schafft«, treffender könnte es Tina Bachmann nicht auf den Punkt bringen. Nach einer über vierjährigen Leidenszeit versucht die 30-Jährige am Stützpunkt Ruhpolding, wieder dahin zu kommen, wo sie sportlich schon einmal gewesen ist: 2012 hatte sie mit der deutschen Staffel in der Chiemgau-Arena den Weltmeistertitel geholt. Danach ging es für die Sportlerin aus Schmiedeberg sportlich und gesundheitlich bergab. Burnout, so die Diagnose. »Ich habe mich bereits während der WM in Ruhpolding ziemlich ausgebrannt gefühlt«, erinnert sie sich.


Teilweise durfte sie wegen ihres zu niedrigen Gewichts zu keinen Lehrgängen des DSV mehr mitfahren. Trotzdem holte Bachmann im Herbst 2012 noch zwei Titel bei den Deutschen Meisterschaften.

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»Das war das letzte Hoch, bevor die Fahrt nach unten so richtig in Schwung gekommen ist«, erzählt sie. Ein Jahr später beschloss sie, Hilfe anzunehmen. »Ich wollte mir unbedingt den Traum von Olympia erfüllen. Doch je mehr ich darauf hingearbeitet habe, umso mehr habe ich mich davon entfernt. Ich habe nur noch für den Sport gelebt und sonst nur noch existiert«, analysiert Tina Bachmann nachträglich.

Mit dem Burnout kamen auch Probleme mit der Schilddrüse und Bandscheibe. »Ich habe meinen Kaderstatus verloren und musste meinen Traum von Olympia 2014 in Sotschi begraben. Stattdessen habe ich mich mit Krankheiten befassen müssen.« Das waren für Tina Bachmann schmerzliche und traurige Erfahrungen.

Als Erstes hätten sich die sogenannten »Schulterklopfer« zurückgezogen. »Bei vielen war ich aus den Augen, aus dem Sinn«, meint sie traurig. Familie und Freunde haben aber zu ihr gehalten. Auch die Trainer der Bundespolizei in Bad Endorf, Engelbert Sklorz und Roland Biermeier, haben an ihr festgehalten. »Dafür bin ich unendlich dankbar. Und ich durfte sehen, wer meine wahren Freunde sind, wenn der Weg steinig ist und durch ein Tal führt. Letztendlich war das aber auch eine heilsame und befreiende Erfahrung«, sagt Tina Bachmann.

Individuelles Training an den Nachmittagen

Beim Training in Ruhpolding ist die 30-Jährige oft auf sich alleine gestellt. Am Vormittag sind die beiden Trainer da, am Nachmittag trainiert sie individuell. »So bin ich am Schießstand und auf der Strecke bestens betreut und trotzdem frei. Am Nachmittag kann ich alles für mich selbst gestalten.« Tina Bachmann findet es einerseits schade, dass sie keine Lehrgänge mehr bestreiten kann. Andererseits ist sie an keine Trainingsgruppe gebunden. »Ich weiß, dass ich sportlich auf dem Abstellgleis stehe«, gibt sie knallhart zu.

»Möchte mich gegenüber dem vorigen Winter steigern«

Nun will sie am Wochenende beim ersten Teil der Deutschen Meisterschaften in Altenberg und eine Woche später in Oberhof schauen, wo sie sportlich steht. »Für mich stand dieser Sommer unter dem Gesichtspunkt, inwieweit mein Körper nach dem Bandscheibenvorfall und der OP noch mitmacht. Ich wünsche mir, dass ich mich gegenüber dem letzten Winter deutlich steigern kann«, meint sie zurückhaltend. Tina Bachmann will herausfinden, ob sie das mit 30 noch einmal schafft. Sie will es auf alle Fälle versuchen, um sich später nichts vorwerfen zu müssen.

Natürlich hat Tina Bachmann auch einen Plan B in der Schublade – bei der Bundespolizei. Sie hat sich für ein Eignungsauswahl-Verfahren für den gehobenen Dienst angemeldet. Einen Teil der Prüfungen hat sie schon erfolgreich absolviert. Ihre sportliche »Deadline« liegt bei den Olympischen Spielen 2018. »Wenn ich allerdings schon vorher sehe, dass mein Traum zu weit weg ist, dann ist vorher Schluss mit dem Leistungssport«, sagt sie.

Neben dem eigentlichen Training hilft Tina Bachmann in Ruhpolding und in Altenberg auch im Schülerbereich und gibt ihre Erfahrungen an junge Sportler weiter. Auf die Frage, ob sie sportlich noch einmal denselben Weg einschlagen würde, hat sie eine klare Antwort: »Ja, ich habe jede Entscheidung für mich mit bestem Wissen und Gewissen getroffen. Es war einzig und allein mein Weg, der mich zu der Tina gemacht hat, die ich heute bin.« SHu