Sepp Baumgartner wieder Europameister

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Sepp Baumgartner (links) zusammen mit seinem Finalgegner Martin Cornish aus London, mit dem er auch die Doppelkonkurrenz gewann. (Foto: Kas)

Sepp Baumgartner aus Waging am See ist nach 1998, 2008, 2018 und 2020 zum fünften Mal Tennis-Europameister der Senioren. Der 68-Jährige war bei den Titelkämpfen im kroatischen Umag in der Klasse Senioren 65 nicht zu schlagen.

Im Finale hatte er leichtes Spiel, denn sein Gegner, der Brite Martin Cornish aus London, musste beim Stande von 2:0 für Baumgartner mit einer Oberschenkelverletzung aufgeben. »So etwas wünscht man sich natürlich nicht, aber ich war bestens drauf, habe mich super gefühlt«, kommentiert der gebürtige Teisendorfer seinen erneuten Erfolg. Während Baumgartner in Semifinale zuvor einen Kurzeinsatz hatte, quälte sich der Finalgegner gegen den Franzosen Serge Gresy über drei lange Sätze ins Endspiel.

Es ist eine lange Tennis-Erfolgsgeschichte, auf die Baumgartner mittlerweile zurückblicken kann. Er war viermal Deutscher Meister der Tennislehrer, fünfmal Europameister bei den Senioren ab 45 + aufwärts, Internationaler Deutscher Meister, ebenso Internationaler Österreichischer Meister und sechsmaliger Weltmeister in der Kombination Ski/Tennis.

Baumgartner betreibt seit 1980 in Waging ein Tenniscamp, hält sich hier auch fit und hat noch längst nicht Schluss. »Ich spiele bei den Weltmeisterschaften Senioren 60 + im September wieder in Umag und im Oktober bei den Weltmeisterschaften 65 + in Mallorca«, kündigt er an. Durch seinen jüngsten Erfolg ist er in der Senioren-Weltrangliste von Rang 13 auf vier vorgerückt. Im Oktober schlägt er für Deutschland bei der Team-Weltmeisterschaft auf, anschließend noch bei der Einzel-WM.

In Umag wurde wieder einmal deutlich, wie hoch der Faktor Fitness in diesem Altersbereich einzuschätzen ist. Während Baumgartner vom ersten Aufschlag an keinerlei Probleme hatte und am Ende noch ein paar Partien mehr hätte spielen können, klagte die Konkurrenz doch schon über zahlreiche Wehwehchen. So war auch das Halbfinale vorzeitig beendet, denn der Gegner, Jaroslav Kratochvil aus Tschechien, musste ebenfalls vorzeitig die Segel streichen. Die rote Asche hatten ihren Tribut gefordert, denn Baumgartner nervte seinen Gegner mit zahlreichen Stoppbällen, die den Tschechen schließlich wegen einer Zerrung zur Aufgabe zwangen. Da führte Baumgartner mit 2:0. Eine Woche lang ging es in Umag um insgesamt zehn Einzel-Titel auf europäischer Ebene von Herren 35 bis Senioren 70.

Der Waginger war in seinem 32er-Feld an Position eins gesetzt und hatte in der erste Runde ein Freilos. Im Achtelfinale besiegte er den Ungarn Ferenc Vizl glatt mit 6:2, 6:3. Eng war es im Viertelfinale, denn der hoch eingeschätzte Israeli Haim Ohn forderte Baumgartner enorm. Am Ende hieß es 6:3, 7:5 für den Waginger. Im Halbfinale und im Finale ging es dann ganz schnell. Zusammen mit seinem Finalgegner Martin Cornish holte sich Baumgartner dann auch noch den EM-Titel in der Doppelkonkurrenz.

Schon zuvor war der Waginger erfolgreich unterwegs. In Pörtschach in Österreich bestritt er ein sogenanntes 700er-Turnier. Es ist dies die dritthöchste Kategorie bei den Tennis-Senioren weltweit nach Weltmeisterschaft (1600er) und Europameisterschaft (1000er). Baumgartner gewann auch hier seine Klasse, was nicht zuletzt auf die absolut beste körperliche Verfassung zurückzuführen war.

An seinem Tenniscamp in Waging befasst sich Baumgartner auch seit Jahren mit einem Naturheilverfahren gegen den chronischen Tennisarm (Epicondylitis). Nachdem wegen der Corona-Beschränkungen seine Halle über Monate gesperrt war, laufen die Kurse jetzt wieder an. Das Camp liegt direkt am Waginger See mit eigenem Zugang zum See. kk

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