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Eine ganz besondere Verbindung zum Hochfelln-Berglauf

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Der erfolgreichste Bergläufer aller Zeiten, Jonathan Wyatt aus Neuseeland, wird den Hochfelln-Berglauf am 27. September bestreiten. Dort triumphierte er bereits 1999, 2002, 2003, 2004, 2007, 2009 und 2010. Im Jahr 2000 krönte er sich am Hochfelln zum Weltmeister. (Foto: Weitz)

Der neuseeländische Ausnahmeläufer Jonathan Wyatt wird auch beim 42. Internationalen Hochfelln-Berglauf am Sonntag, 27. September, an den Start gehen. Bereits siebenmal konnte er sich beim Bergener Alpenklassiker in die Siegerliste eintragen und 2000 wurde er am Hochfelln sogar Weltmeister. Die enge Bindung zwischen Wyatt und dem Hochfelln-Berglauf besteht seit 1998, doch wie kam es dazu?


Als absoluter »no name« habe Wyatt am 27. Juni 1998 an die Bergener Rennleitung ein Fax geschickt und auf einen Berglaufeinsatz in Neuseeland (WM-Qualifikation), auf seine Finalteilnahme bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta/USA und auf seine persönlichen Bestzeiten über 5000 Meter (13:27 Minuten) und 10 000 Meter (28:08 Minuten) verwiesen, erzählt der langjährige Organisator des Hochfelln-Berglaufs, Georg »Bibi« Anfang. Er nimmt für sich in Anspruch, den weltbesten Bergläufer aller Zeiten vor 17 Jahren »quasi entdeckt« zu haben.

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Anfang war sofort zu Zugeständnissen bereit

Im besagten Fax kündigte Wyatt an, dass er bei der Halbmarathon-WM in Zürich starte und von dort direkt nach Bergen zum Hochfelln-Berglauf reisen wolle. Eine kleine Sensation witternd, antwortete Anfang umgehend, dass er »wegen der wirklich sehenswerten Erfolgsbilanz und der hohen Aufwendungen (Reisekosten) durchaus zu Zugeständnissen bereit« sei. Und das, obwohl die damaligen Grand-Prix-Organisatoren eigentlich festgelegt hatten, mit der Erhöhung der Preisgelder keine Fahrtkostenzuschüsse mehr leisten zu wollen. Man habe sich dann auf 255 Deutsche Mark für die Bahnfahrt Zürich-Bergen und Kostenübernahme für Unterkunft und Verpflegung von Freitag bis Montag geeinigt, erinnert sich Georg Anfang, der Vater des Hochfelln-Berglaufs.

Die Freude über Wyatts definitive Zusage sei riesig gewesen. Weitere Einzelheiten zur Strecke, zu den Bestzeiten und Siegern könnten dann im Rahmen der Berglaufweltmeisterschaft auf La Réunion besprochen werden, vereinbarte man. Dort durfte Ok-Chef Anfang Mitte September 1998 nämlich die Bewerbung für die Berglaufweltmeisterschaft 2000 in Bergen präsentieren. Gesagt getan, drei Tage vor dem Männerwettbewerb kam es zum ersten bayerisch-neuseeländischen Aufeinandertreffen im Teamhotel der Neuseeländer, wo man sich in entspannter Atmosphäre austauschte und sich persönlich näher kennenlernte.

Die Chemie schien von Anfang an zu stimmen. Die große sportliche Sensation folgte am 20. September 1998, als sich Wyatt völlig überraschend den Berglauf-WM-Titel holte und den italienischen Top-Star Antonio Molinari entthronte. »Kein Berglaufveranstalter, kein Funktionär, auch kein Athlet außerhalb Australiens und Ozeaniens hatte je von einem Wyatt gehört, Bergen aber hatte den Kontrakt bereits in der Tasche«, freut sich Anfang noch heute diebisch über sein damaliges Näschen und seinen gelungenen Schachzug.

Ein Podiumsplatz ist durchaus drin

Auf seine Frage, ob er als Weltmeister nach wie vor zu den Vereinbarungen stehe, habe Wyatt geantwortet: »Matter of honor« – Ehrensache also. Als frischgebackener Weltmeister kam dieser 1998 in den Chiemgau, bestritt seinen ersten Hochfelln-Berglauf und wurde auf Anhieb Zweiter, hinter Antonio Molinari, der den Vorteil der besseren Streckenkenntnis für sich nutzte. 1999 begann die Siegserie Wyatts, dem erfolgreichsten Bergläufer aller Zeiten: Erfolge beim Hochfelln-Berglauf 1999, 2002, 2003, 2004, 2007, 2009 und 2010, Weltmeistertitel bei der Berglauf-WM 2000 am Hochfelln, Streckenrekord sowie zwei zweite Plätze 1998 und 2008.

2005 war er wegen der Berglauf-WM im heimischen Wellington nicht am Start, doch genau zehn Jahre später will der mittlerweile 42-jährige Ausnahmeläufer am Hochfelln wieder vorne mitmischen. Ein Podiumsrang scheint möglich zu sein. In seiner Wettkampfklasse M 45 ist der siebenmalige Weltmeister wohl unantastbar. Auch im fortgeschrittenen Alter konnten sich Wyatts Leistungen beim Hochfelln-Berglauf sehen lassen. 2013 belegte er in einem Weltklassefeld den siebten Platz, 2011, 2012 und 2014 wurde er jeweils Vierter. Sein Ehrgeiz ist ungebrochen, die Konkurrenz muss ihn weiter fürchten. mmü