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»Wie soll ich in den KIGA kommen?«

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»Wie soll ich in den KIGA kommen?«, fragt der kleine Mann für seine kleine Schwester. Mit dem Zug wird das schwierig, die Familie ist auf den Bus angewiesen. (Foto: Kretzmer)

Traunstein. Etwa zwei Dutzend Bürger jeden Alters demonstrierten gestern im Hof des Landratsamts Traunstein für den Erhalt der RVO-Buslinie 9442 Traunstein-Traunreut-Trostberg und gegen den schlecht ausgelasteten Zug 949 der Südostbayernbahn zwischen Traunstein und Traunreut. Auf Transparenten war zu lesen »Geisterzug statt Bus? So ein Schmarrn« oder »Aiging braucht den Bus«.


Organisator Frank Bork aus Aiging, hatte gehofft, mit Mitgliedern des Kreisausschusses und des Kreisentwicklungsausschusses ins Gespräch zu kommen. Als einer der wenigen Kreisräte gesellte sich Konrad Schupfner zu der Versammlung und hörte die Anliegen der Betroffenen an. Eine Mutter mit ihren beiden Kindern trug ein Schild mit der Frage: »Wie soll ich in den KIGA kommen?« Auf Nachfrage berichtete die Mama, sie sei direkt betroffen. Sie wohne in einem Dorf nahe der Buslinie, ihre Tochter besuche einen Kindergarten in Traunstein. Mit dem Zug sehe sie keine Möglichkeit, da hin zu kommen.

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Frank Bork, nach eigenen Worten seit elf Jahren in Aiging wohnhaft und »Gelegenheitsbusfahrer«, sah vor allem für Behinderte, Eltern mit Kindern und auch für sich persönlich Probleme – zum Beispiel, bei weiter reduziertem Busbetrieb am Wochenende oder abends wieder heim zu kommen. Bork hatte einen Katalog mit 22 Fragen parat, auf die die Anfang August gegründete lose Initiative Antworten erwarte. »Eine sehr gut funktionierende Buslinie wird zusammengestrichen, um den blöden Zug zu fördern«, kritisierte er.

In der Sitzung unter Vorsitz von Landrat Hermann Steinmaßl wurde das schon zweimal vertagte Thema ÖPNV-Planung gestern auch nicht behandelt – wegen Erkrankung des Gutachters. Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, SPD, meinte, es müsse doch einen Vertreter geben. Generell hob der Landrat heraus, der Landkreis sei in Sachen Traun-Alz-Linie »ein bisschen Zuschauer«: »Die Herren dieser Linie sitzen bei der RVO und bei der Bahn. Und sie bestimmen.«

Willi Geistanger, Bündnis 90/Die Grünen merkte an: »Wir waren nie zufrieden mit dem Konzept für die Traun-Alz-Linie. Unser Wunsch war: Mehr Bus bei gleichbleibendem Bahnangebot. Vielleicht gibt es eine unkonventionelle Lösung.« Der Landrat erwiderte: »Dann haben sie in der Vergangenheit nicht richtig hingehört. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat immer gesagt, wenn das Busangebot mehr werde, werde sie den Bahnbetrieb einstellen. Ich habe immer darauf hingewiesen, die Qualität für Fahrgäste wird nicht attraktiver. Wenn jede zweite Linie gestrichen wird, wird das Angebot schlechter. An dieser Stelle stehen wir jetzt.« kd