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Straßenausbau mit Geh- und Radweg bevorzugt

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Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Hörpolding und Pattenham befindet sich seit Jahren in einem sehr desolaten Zustand und wird immer wieder notdürftig ausgebessert. In den nächsten drei bis vier Jahren soll die Straße ausgebaut und nach dem Willen des Bauausschusses mit einem einseitigen Geh- und Radweg versehen werden. Die vorgeschlagene Ausbauvariante muss aber noch vom Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag nächster Woche abgesegnet werden. (Foto: Rasch)

Traunreut – Für eine von neun Ausbauvarianten der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Hörpolding und Pattenham (Gemeinde Seeon-Seebruck) musste sich der Bauausschuss entscheiden.


Angesichts der exakten Auflistung der Verwaltung und den zu erwartenden Zuschüssen mit nur einer Ausnahme fiel dem Ausschuss die Entscheidung in seiner jüngsten Sitzung nicht schwer.

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Bis auf Paul Obermaier (FW) verständigte sich der Ausschuss darauf, die Variante acht mit einem einseitigen abgesetzten Geh- und Radweg dem Stadtrat zu empfehlen. Damit kommt der Bauausschuss auch den Forderungen des Agenda-Arbeitskreises »Verkehr« nach.

Sollte diese Variante umgesetzt werden, würde dies laut Verwaltung eine Gesamtausbaubreite von 11,75 Meter bedeuten. Die Fahrbahnbreite läge bei 6,50 Meter, die restliche Fläche würde für den Geh- und Radweg und einen begrünten Schutzstreifen zwischen Fahrbahn und Gehweg benötigt. Der 1,75 Meter breite Schutzstreifen würde auch der Straßenentwässerung dienen. Eine Entwässerungsmulde wäre nach Angaben von Udo Albrich vom Bauamt auch ohne Geh- und Radweg erforderlich.

Kosten über drei Millionen Euro – ohne Grunderwerb

Die Gesamtkosten für den reinen Ausbau würden sich bei über drei Millionen Euro bewegen, wobei die Stadt mit einem staatlichen Zuschuss von 50 Prozent rechnen kann. In dem Anteil der Stadt sind aber die Kosten für den Grunderwerb nicht mit eingerechnet. Für den Ausbau wären über 19 000 Quadratmeter Grund erforderlich.

Für Paul Obermaier ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Er hält die Planung für völlig überzogen und glaubt nicht daran, dass die Grundstücksbesitzer ihren Grund für den Geh- und Radweg abtreten: »Wir brauchen eine gut ausgebaute sieben Meter breite Straße und sonst gar nix«. Dabei machte er sich vor allem für die Landwirte stark, damit diese ungehindert mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen die Straße nutzen könnten. »Die Radfahrer und Landwirte müssen halt gegenseitig aufpassen«, so seine Auffassung.

Dazu sagte Sepp Winkler (Bürgerliste) postwendend, Obermaier würde offenbar das Auto dem Fahrrad vorziehen. Winkler und der Rest des Gremiums waren sich einig, eine zukunftsorientierte Lösung umzusetzen. »Wir müssen in die Zukunft schauen und auch an die Radfahrer und Fußgänger denken«, sagte Günther Dzial (SPD). Das koste zwar Geld, »aber es ist auch für unsere Bürger«.

Bernhard Seitlinger (CSU) erinnerte daran, dass die Strecke auch vom Berufsverkehr frequentiert werde. »Wir müssen hier als Gemeinde was tun«, erklärte er und appellierte, der Variante acht den Vorzug zu geben. Unter Umständen könnten die damit geschaffenen Voraussetzungen auch ein Kriterium sein, die Straße zu einer Kreisstraße aufzustufen.

Für Aufstufung wäre Variante neun die Beste gewesen

Beste Variante für eine spätere Aufstufung wäre die Variante neun mit einer sieben Meter breiten Fahrbahn und der Option eines beidseitigen Radschutzstreifens (im Gegensatz zum Radweg nicht räumlich abgetrennt von der Fahrbahn, sondern nur darauf markiert). Hier läge die Gesamtbreite bei neun Metern, der Grunderwerb bei rund 10 000 Quadratmetern. Diese Variante, die ohne Grunderwerb 2,4 Millionen Euro kosten würde, wurde jedoch nicht länger diskutiert, weil Radschutzstreifen außerhalb geschlossener Ortschaften derzeit rechtlich nicht erlaubt sind.

Dies bestätigte auch Verkehrsreferent Roger Gorzel (Bürgerliste), der sich an oberster Stelle erkundigt hatte. »Selbst wenn Radschutzstreifen rechtlich erlaubt würden, würde das noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern«, so Gorzel, der zwar nicht im Bauausschuss sitzt, dem aber als Verkehrsreferent das Wort erteilt wurde. »Wir sollten jetzt die Chance, 50 Prozent vom Staat zu bekommen, nutzen und nicht darauf warten, dass der Landkreis die Straße irgendwann mal übernimmt. Der Bau eines Geh- und Radwegs ist eine wichtige und richtige Lösung, die es uns auch wert sein sollte. Wir sollten nicht mehr zusehen, dass Radfahrer von Traunreut zum Chiemsee zwischen großen Traktoren durchfahren müssen.«

Nach Angaben von Bauamtsleiter Udo Albrich könne man sich bei einer jährlichen Zunahme des allgemeinen Verkehrs von 2,5 Prozent ausrechnen, wie das Verkehrsaufkommen in 20 Jahren ausschaut. Voraussetzung für eine Kreisstraße wären unter anderem mindestens 2000 Fahrzeuge täglich. Laut aktueller Verkehrszählung bewegen sich zwischen Hörpolding und Pattenham täglich 1520 Fahrzeuge.

Die Straße ist nicht nur äußerst desolat, sie misst einschließlich der Bankette gerade mal 6,50 Meter. Die städtische Fläche, so hat man ausgerechnet, hat im Schnitt eine Breite von circa 5,80 Meter. Das bedeutet, dass sich Teile des Banketts der Straße auf angrenzenden Privatgrundstücken befinden. Die Straße liegt zum Großteil auf Traunreuter Stadtgebiet und mündet vor Pattenham ins Gemeindegebiet Seeon-Seebruck.

Seeon-Seebruck wollte Entscheidung abwarten

Auf Nachfrage von Helga Zembs (Grüne), ob sich Seeon-Seebruck schon dazu geäußert habe, teilte Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann mit, dass die Gemeinde signalisiert habe, einen Anschluss mit einem abgesetzten Geh- und Radweg herzustellen. Wie berichtet, hatte der Seeon-Seebrucker Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung erklärt, zunächst die Entscheidung von Traunreut abzuwarten.

Eine Vorentscheidung hat der Bauausschuss jetzt getroffen. Sollte die Empfehlung vom Stadtrat am Donnerstag nächster Woche abgesegnet werden, könnten auf dieser Grundlage eine Entwurfsplanung erarbeitet und die Grunderwerbsverhandlungen geführt werden. Im Haushalt 2018 und 2019 sind für die Umsetzung 700 000 Euro beziehungsweise 1,6 Millionen Euro eingestellt. ga