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Mutmaßlicher Mörder wurde ausgeliefert

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Nach dem Gewaltverbrechen in Reichenhall wurde die Ermittlungsgruppe »14. Juli« eingerichtet. Diese kam auf die Spur des 20-Jährigen, der nun von Norwegen ausgeliefert wurde. (Foto: FDL)

Bad Reichenhall. Zweieinhalb Monate nach dem Mord an einem 72 Jahre alten Mann aus Bad Reichenhall ist der mutmaßliche Täter von Norwegen nach Deutschland ausgeliefert worden. Wie die Polizei am Donnerstag berichtete, wurde der 20-Jährige am Mittwoch nach Traunstein gebracht, wo ihm der Ermittlungsrichter den Haftbefehl eröffnete.


Der junge Mann war drei Wochen nach dem Mord nahe Trondheim festgenommen worden und befand sich seitdem in norwegischem Polizeigewahrsam. Nach der Auslieferung habe er sich weder bei der Vernehmung durch Kripo-beamte noch vor dem Haftrichter zu den Tatvorwürfen geäußert, teilte die Polizei weiter mit.

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Der bei der Bundeswehr in Bad Reichenhall stationierte Soldat aus Morbach in Rheinland-Pfalz soll den Rentner in der Nacht nach dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am 14. Juli ermordet haben. Außerdem soll er nur wenige Minuten später ein 17-jähriges Mädchen in der Innenstadt von Bad Reichenhall angegriffen haben, das mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus kam – und glücklicherweise überlebte.

Der junge Mann war am 22. Juli von Frankfurt nach Oslo geflogen. Über die Hintergründe – also ob er dort Freunde oder Verwandte hat – wollte Jürgen Thalmeier, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, nichts sagen.

Nach einem internationalen Fahndungsaufruf wurde der 20-Jährige am 5. August in der Nähe von Trondheim von einer norwegischen Polizeistreife kontrolliert. Der junge Mann ließ sich widerstandslos festnehmen und befand sich seit diesem Zeitpunkt aufgrund eines internationalen Haftbefehls in norwegischem Polizeigewahrsam.

Seitens der Staatsanwaltschaft Traunstein wurde die Auslieferung des 20-jährigen Tatverdächtigen im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens an die norwegischen Behörden beantragt. Da Norwegen kein Mitglied der Europäischen Union ist, musste die Zusammenarbeit der Justizbehörden auf diplomatischem Wege erfolgen. Die Voraussetzungen für einen Europäischen Haftbefehl (EUHB), gleichbedeutend mit einem vereinfachten Auslieferungsverfahren, kamen nicht zum Tragen.

Nach Eingang der Auslieferungsbewilligung durch die norwegischen Behörden sind zwei Kriminalbeamte der Ermittlungsgruppe »14. Juli« nach Oslo geflogen. Zusammen mit den Kollegen des Bayerischen Landeskriminalamts haben sie den 20-jährigen Tatverdächtigen in Norwegen übernommen und am 1. Oktober auf dem Rückflug nach Deutschland begleitet.

Der junge Mann wurde unverzüglich nach seiner Rückkehr dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Traunstein zur Eröffnung des Haftbefehls vorgeführt und anschließend in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert. Der Tatverdächtige äußerte sich bislang weder gegenüber der Kriminalpolizei noch gegenüber dem Ermittlungsrichter zu den Tatvorwürfen. KR