weather-image
12°

Lebhafte Debatte um Treppe zur Wasserrutsche

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Der Treppenaufgang zur Rutsche im Traunreuter Franz-Haberlander-Freibad wird für rund 116 000 Euro saniert. Der TÜV hatte im Juli diesen Jahres einige Mängel beanstandet. (Foto: Rasch)

Traunreut – Eine kontroverse Grundsatzdebatte entwickelte sich in der Sitzung des Bauausschusses bei der Entscheidung, ob die vom TÜV beanstandete Treppe zur Wasserrutsche im Franz-Haberlander-Freibad ersetzt oder nur saniert werden soll.


Der mit der Planung beauftragte Architekt Norbert Schöfer, der auch schon das neue Freizeitbecken geplant hatte, hatte aus pragmatischen Gründen vorgeschlagen, in Verbindung mit dem Treppenaufgang auch das Umfeld des Freizeitbeckens mit zu sanieren. In Anbetracht der Tatsache, dass das Freibad in den nächsten Jahren ohnehin in kleinen Schritten saniert werden soll – ein Gesamtsanierungskonzept soll im Februar dem Stadtrat vorgestellt werden – wäre damit diese Seite erledigt gewesen, sagte Schöfer dem Traunsteiner Tagblatt.

Anzeige

Überarbeitung der Umgebung angeregt

Der Vorschlag, die angrenzenden Grün- und Pflasterflächen sowie die Sanierung der Durchschreite-Becken um das Nichtschwimmerbecken in das Treppenanlagen-Projekt mit einfließen zu lassen, sollte dem Ausschuss laut E-Mail des Planers vom 25. November dieses Jahres eigentlich bekannt gewesen sein. In der Mitteilung informierte Schöfer die Stadt über die geschätzten Sanierungskosten der Treppe und regte die Überarbeitung des angrenzenden Bereichs mit an. Schöfer: »Hätten wir die angrenzenden Flächen nicht überarbeitet, hatte es später womöglich geheißen, warum wurde das nicht gleich mit geplant.«

Einige Räte waren aber überrascht und übten Kritik an der offenbar fehlenden Kommunikation. Hart ins Gericht mit dem Architekten ging Sepp Winkler (Bürgerliste). Er warf ihm vor, bei den Einzelmaßnahmen hinter vorgehaltener Hand geplant zu haben. Zweiter Bürgermeister Hans Peter Dangschat (CSU) konnte sich nicht entsinnen, dass der Stadtrat über die Mängel der Durchschreite-Becken in Kenntnis gesetzt worden sei. »Wie kommt es, dass uns die Mängel nicht bekannt sind?«

Kein Budget und kein Auftrag für weitere Planung

Nach Aussagen von Schöfer habe sein Büro dafür keinen Auftrag erhalten und es sei auch kein Budget dafür vorgesehen gewesen. Schöfer hatte vorgeschlagen, die drei Durchschreite-Becken im Bereich des Freizeitbeckens, die in dieser Form längst vom Markt verschwunden wären, zurückzubauen und mit Betonwerkstein als normale Duschplätze herzustellen. Gleichzeitig sollten die Palisaden bei der Treppe entfernt und der Bereich neu bepflanzt werden. Diese zusätzlichen Einzelmaßnahmen würden rund 45 000 Euro kosten.

Bei der Planung stellte sich heraus, dass eine Sanierung der Treppe wesentlich günstiger käme als eine neue Treppe. Die Pylonen seien noch gut in Schuss, aber das Geländer und die Stufen müssten erneuert werden, sagte Schöfer. Wie berichtet, hatte der TÜV im Juli die Treppenanlage beanstandet, weil sie nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften entspräche. Sepp Winkler schlug vor, nur die Teile auszutauschen, die wirklich kaputt sind. Er könne nicht nachvollziehen, warum die ganze Konstruktion weggerissen werden müsse, sagte Winkler. Johann Jobst (CSU) forderte, dem Stadtrat künftig die TÜV-Berichte vorzulegen, damit die Mängel nicht im Nachhinein, sondern vorher ausgeräumt werden können. »Wie sollen wir der Öffentlichkeit vermitteln, dass kurz nach der Sanierung des Freizeitbeckens erneut in eine Sanierung investiert werden muss?«

Das Fass zum Überlaufen brachten die Kosten für eine sogenannte Baustraße. Um mit schwerem Gerät auf das Gelände zu fahren, sei eine Baustraße unabdingbar, hieß es. »Es ist ein Wunschdenken, die Baumaßnahme ohne Baustraße durchzuführen«, betonte Schöfer.

Baustraße verschwindet wieder unter dem Rasen

Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann unterstützte den Architekten in seinen Aussagen: »Eine Baustraße ist unabwendbar. Hier müssen 7,5-Tonner rein fahren, um Teile anliefern zu können.« Die Straße sei auch von Vorteil, weil sie für Folgeprojekte wieder genutzt werden könne, so Gätzschmann. Die befestigte Zufahrt, die nach den Bauarbeiten quasi unter dem Rasen wieder verschwindet, soll von der Sonnenstraße über das Gelände geführt werden.

Die Kosten für die Baustraße in Höhe von rund 37 200 Euro wurden bei einer Gegenstimme abgesegnet; ebenso die Kosten für die Sanierung der Treppe, die mit rund 116 000 Euro zu Buche schlagen werde. Bis zur nächsten Sitzung sollen noch die Kosten für kleinere Pflanzungen ermittelt werden. ga

Mehr aus der Stadt Traunstein