Eine neue »Königin« für Sankt Georg

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Dicke, dünne, große und kleine, ausrangierte Orgelpfeifen warten auf einen neuen Besitzer. Die Pfarrkirche Oberteisendorf erhält eine neue Orgel. (Foto: Huber)

Teisendorf – In diesem Sommer soll es endlich soweit sein, dann soll die neue »Königin der Instrumente« für die Pfarrkirche St. Georg in Oberteisendorf fertiggestellt sein und in die Kirche eingebaut werden. Die bisherige Orgel – eine pneumatische Orgel mit 17 Registern – ist in die Jahre gekommen und weist zahlreiche Mängel auf. Daher ist ein neues Instrument nötig.


Bereits seit mehr als 15 Jahren beschäftigt man sich in der Pfarrgemeinde mit dem Thema Orgel. Seit 2005 traten die Mängel des 1956 vom Orgelbaumeister Ludwig Wastlhuber aus Mößling bei Mühldorf gebauten Instrument auf. Der Zahn der Zeit nagt an der Orgel.

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Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei Jahre nach dem Neubau der neuen Oberteisendorfer Pfarrkirche waren kaum mehr Rücklagen für den Kauf einer neuen Orgel in der Pfarrei vorhanden, deshalb galt der Grundsatz »kostengünstig vor Qualität« und die Pfarrei war damals froh, sich diese pneumatische Orgel leisten zu können.

Inzwischen sind rund 65 Jahre vergangen und mit dem Auftreten der Mängel stellte sich die Frage, soll das Instrument nun generalüberholt werden oder ist ein Neubau notwendig? Professor Friedemann Winklhofer, der Orgelsachverständige des Ordinariats und einige eingeschaltete Orgelbaumeister kamen zu dem Ergebnis, dass sich aus wirtschaftlichen Gründen eine Reparatur nicht lohnt. Da aber eine neue Orgel sehr hohe Kosten aufwirft, musste sich die Pfarrei einiges überlegen, wie das Geld hierfür aufgetrieben werden kann. Und so begannen Mitglieder des Kirchenchores bereits 2011 mit Aktionen wie dem Kletzeigehen und Konzerten mit dem Sammeln von Spenden für die neue Orgel.

2018 wurden Angebote bei vier Orgelbaufirmen eingeholt. Bei dreien davon lagen die Angebote für eine neue Kirchenorgel zwischen 350 000 und 500 000 Euro, diese Summen waren für die doch kleine Pfarrei St. Georg Oberteisendorf nicht möglich. Der Orgelbaumeister Alois Linder aus Nußdorf am Inn hat sich die bisherige Orgel damals noch mehrere Male genauer angesehen und festgestellt, dass etwa die Hälfte der Orgelpfeifen »Steinmeyer-Pfeifen« sind, die bereits 1956 aus einer anderen Orgel eingebaut wurden. Linder ist sicher, dass diese vom Material her noch besser sind, als Orgelpfeifen, wie sie aktuell hergestellt werden. Linders Plan: Er will rund 500 dieser alten Pfeifen für eine neue Orgel verwenden und so konnte er ein Angebot von ca. 220 000 Euro für die neue Orgel abgeben.

Als im Frühjahr 2019 durch Eigenmittel, Zuschusszusagen und Spenden die Hälfte der Gesamtkosten beisammen war, konnte der Auftrag für die neue Orgel erteilt werden und seit Herbst 2020 wird in der Orgelwerkstatt in Nußdorf an der neuen Orgel gearbeitet. Derzeit ist man dabei, eine Hälfte der Orgel zusammenzubauen und zu testen. Anschließend erfolgt der Zusammenbau der anderen Hälfte. Die Orgel wird dann wieder in Einzelteile zerlegt und voraussichtlich im Juli dieses Jahres in der Pfarrkirche Oberteisendorf endgültig eingebaut. Es erfolgt eine Ruhepause zum Akklimatisieren von vier Wochen und dann zwei Wochen zur Feinabstimmung aller 1038 Orgelpfeifen. Die neue Orgel wird mit 18 Registern ausgestattet sein.

Kurz nach Ostern war für die Pfarrei Oberteisendorf schließlich ein besonderer Tag, denn die alte Orgel wurde nach knapp 65 Jahren komplett abgebaut. Drei Mitarbeitern des Orgelbaubetriebs und elf freiwillige Helfern der Pfarrei trennten rund 1000 Orgelpfeifen zur Überholung oder zur Verwertung und trugen den gesamten Orgelbereich ab. Die noch brauchbaren Bretter werden weiter verwendet, der Rest sowie die vielen Aluminium- und Bleikabel wurden ordnungsgemäß im Wertstoffhof entsorgt.

Jetzt lagern in der Kirche mehrere 100 Orgelpfeifen, die für die neue Orgel nicht mehr benötigt werden, zum Wegwerfen aber doch zu schade sind. Angefangen von den ganz kleinen Pfeifen, die nur wenige Zentimeter groß und etwa wie eine Stricknadel dick sind bis hin zu den großen Pfeifen mit einer Länge von drei Metern und einem Durchmesser von 15 Zentimetern sind diese Pfeifen eine schöne Erinnerung an die Anfänge der jetzigen Oberteisendorfer Pfarrkirche.

Aber sie eignen sich auch als Dekoration für Wohnung und Garten, weshalb sie an Interessierte abgegeben werden. Die Abgabe erfolgt in den nächsten Wochen jeweils gegen eine Spende freitags von 16 bis 17 Uhr in der Pfarrkirche Oberteisendorf oder nach telefonischer Vereinbarung mit Stefan Fritzenwenger unter Telefon 08666/545.

wh

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