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Der Wächter über die Traun

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Seinen Brückenheiligen hat Künstler Konrad Kurz ohne Kopf gestaltet. Das bot bei der Enthüllung Raum für Interpretationen.

Traunstein. An der Traun ist gestern ein Brückenheiliger aufgestellt worden. Seine Enthüllung bildete den Abschluss des offiziellen Festaktes zur Einweihung der Hochwasserschutzmaßnahmen an der Traun in Traunstein.


Der Pettinger Bildhauer Konrad Kurz hat die Figur geschaffen, deren schlichter, dunkler Ton mit kräftigen goldenen Stellen durchzogen ist. Der Freistaat und die Stadt Traunstein hatten das Kunstwerk im Zuge der Maßnahme in Auftrag gegeben. Ist es doch seit vielen Jahren üblich, unter dem Motto »Kunst am Bau« einen geringen Teil der Bausumme öffentlicher Bauwerke in ein Kunstwerk zu investieren, das dann am Bauwerk steht.

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Der Traunsteiner Oberbürgermeister Manfred Kösterke sagte, man habe sich überlegt, zum Abschluss der Maßnahme einen »Hochwasserwächter« gestalten zu lassen. Man hoffe nicht nur auf den irdischen Schutz nach der Fertigstellung des Hochwasserschutzes, sondern auch den himmlischen.

Den Brückenheiligen, der in einem großen Betonsockel gut verankert ist, hat der Künstler ohne Kopf gestaltet. Es könne den kopflosen Umgang des Menschen mit der Natur symbolisieren, so die spontane Interpretation der Landtagsabgeordneten Gisela Sengl (Bündnis 90/Die Grünen) dazu. »Das Denken kann ich hier nicht beeinflussen«, sagte der Künstler zu dieser Interpretation. »Angesichts von Katastrophen sind Menschen gerne kopflos«, so die Interpretation des Traunsteiner Stadtpfarrers Georg Lindl. Für die Spaziergänger an der Traun kann das neue Kunstwerk ein Ort zum Innehalten werden – ganz gleich, ob die Statue nun den Geschmack des Betrachters trifft oder nicht. Denn über Kunst lässt sich ja bekanntermaßen streiten. Zum Nachdenken dürfte die Statue allemal anregen. awi