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Der »grüne Riese« in Matzing

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Hans Posch in seinem Hanffeld bei Matzing. (Foto: Effner)

Traunreut – »Auf diesem Feld wächst Hanf«. Mit großen Lettern macht ein Schild an der Bundesstraße 304 bei Matzing auf eine ungewöhnliche Ackerfrucht aufmerksam. Ein leicht scharfer, krautig-grasiger Geruch schwebt in der Sonnenhitze über dem Feld. Gut mannshoch und in leuchtendem Grün stehen die Pflanzen mit den auffällig gezackten Blättern auf dem Feld und werfen bei manchem der vorbeifahrenden Autofahrern Fragen auf: Ein Kifferparadies direkt unter den Augen von Behörden und Polizei?


Weit gefehlt! Der Biobauer Hans Posch aus Mögstetten baut hier auf einer Fläche von 2,5 Hektar Nutzhanf an. Der sieht seinen rauschhaltigen Verwandten äußerlich zwar sehr ähnlich, enthält aber unter 0,2 Prozent des psychoaktiven Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). Zum Vergleich: Das bei Kiffern gefragte Marihuana enthält in Blättern nahe den Blütenständen etwa sechs Prozent des Wirkstoffs. Der Nutzhanf in Matzing dient für die Produktion von Hanfsamen, die praktisch wirkstofffrei sind und für die Gewinnung von Hanföl vorgesehen sind. Die darin enthaltenen Fettsäuren dienen zur Vorbeugung gegen Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und zu hohen Blutfettwerten. Sie wirken ebenfalls entzündungshemmend.

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»Der Anbau ist zwar mit einer ganzen Reihe von Hürden verbunden, aber die Anspruchslosigkeit von Nutzhanf ergibt im Vergleich zu Getreide einen ganz guten Ertrag«, erklärt Hans Posch. In nur 100 Tagen erreichen die Stängel eine stattliche Höhe von zwei bis drei Metern. »Der Hanf ist vom Boden her anspruchslos und umweltfreundlich. Ich brauche weder Dünger noch Spritzmittel gegen Unkraut und erwirtschafte gut 800 bis 1000 Kilogramm pro Hektar.« Auch in punkto Wasserbedarf gibt sich der »grüne Riese« genügsam.

Bundesweit werden 89 Hektar des vielseitig verwendbaren Nutzhanfs angebaut, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn informiert. Dort müssen alle Anbaugebiete gemeldet werden. Ein größerer Teil wird etwa für die Ernte der robusten Fasern angebaut, die in die Textilherstellung gehen oder als Ersatz für Kunststoff eingesetzt werden. Der für verschreibungspflichtige, cannabishaltige Arzneimittel verwendete medizinische Hanf wird ausschließlich aus dem Ausland eingeführt, etwa den Niederlanden.

»Der Anbau von Hanf ist praktisch seit dem Altertum bekannt«, erklärt Biobauer Hans Posch, während er im Feld über die gezackten Blätter streicht. »Auch wenn der heutige Nutzhanf praktisch wirkstofffrei ist, wird der Anbau streng reglementiert.« So dürfen die Pflanze nach dem Betäubungsmittelgesetz generell nur Landwirte mit staatlicher Erlaubnis anbauen. Für die zeitlich befristete Kultivierung ist eine Anzeige bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn notwendig. Verwendet werden darf nur zertifiziertes Saatgut genau festgelegter Sorten – und das auch nur zur einmaligen Aussaat. Die Blüte der Pflanzen muss ebenfalls angezeigt werden. »Vor der Ernte der Blüten mit den Samen wird jede Sorte nochmal auf ihren tatsächlichen THC-Gehalt überprüft, erst dann gibt es eine Freigabe für die Ernte«, klärt Posch auf.

Zusammen mit 50 anderen Landwirten zwischen Salzburg und München hat er sich vor gut fünf Jahren zusammengetan, um Nutzhanf anzubauen. »Inzwischen dürften, möglicherweise auch durch die Auflagen, davon nur noch die Hälfte übrig sein.« Posch beliefert mit seinen Hanfsamen einen Abnehmer in Österreich und die Ölmühle von Toni Lamprecht in Garting bei Schnaitsee. Der Agraringenieur und Landwirt stellt dort in seinem Familienbetrieb hochwertige Speiseöle aus verschiedenen Ölsaaten und Kräutern her. Dafür hat er im letzten Jahr den 3. Platz beim Meggle-Gründerpreis belegt. »Uns geht es speziell auch um den gesundheitlichen Nutzen der Öle, die alle kalt gepresst werden und ohne Zusatzstoffe sind«, sagt Lamprecht. »Was das grünlich schimmernde und grasig-scharf duftende Hanföl auszeichnet, ist der hohe Anteil an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie von Linolensäure«, sagt der 35-Jährige. Besonders bei Heilpraktikern und Hautallergikern sei der Einsatz des Hanföls gefragt, das sich ansonsten auch gut für Salat- und Gemüsegerichte verwenden lässt.«

Und auch aus Umweltschutzgründen ist der Nutzhanf beliebt: Die Pflanzenreste werden nach der Ernte im Boden untergepflügt, das Pressgut aus der Ölmühle gibt Schweinen in der Tiermast neue Kraft. ae