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Aus für Nachtexpress nach Reit im Winkl

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Foto: Symbolbild, pixabay

Traunstein – Auf den Prüfstand nach einer gewissen Probezeit mussten einige ÖPNV-Angebote des Landkreises Traunstein. Zwei von nur wenigen Fahrgästen angenommene Offerten werden nicht regulär eingeführt. Das beschloss der Ausschuss für Landkreisentwicklung und Verkehrsfragen jeweils einstimmig.


So wird es auf der RVO-Linie 9514 Traunstein-Bergen nach zweijähriger Probephase ab 11. Dezember keine zusätzliche Fahrt mehr an Samstagnachmittagen geben. Der Landkreis kam dafür seit Mitte Dezember 2015 mit einem Betriebskostenzuschuss von 150 Euro je Einsatztag auf. Von Anfang 2017 bis 30. September 2017 wurden an 47 Einsatztagen lediglich insgesamt 49 Fahrgäste gezählt.

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Eine sehr geringe Nachfrage galt auch der Anbindung von Reit im Winkl und Oberwössen an die Nachtexpresslinie N 4, die von Traunstein über Grassau nach Marquartstein und Ettenhausen führt. Der zweijährige Probezeitraum ende am 30. November. Zwischen April und November 2016 wurden an 54 Einsatztagen Richtung Reit im Winkl nur 15 Fahrgäste registriert. Dafür musste der Landkreis bei 58,69 Euro je Tag insgesamt 3638,78 Euro zuschießen. 2017 waren es zwischen April und Mitte November an 56 Einsatztagen zwölf Passagiere. Andreas Huber (ÖDP) war wie Sepp Hohlweger von den Grünen dafür, die Offerte »einschlafen« zu lassen.

Alternative zu »Rufbus Nordwesten« gesucht

Kein durchschlagender Erfolg wurde auch der »Rufbus Nordwesten« als vom Freistaat Bayern geförderte Ergänzung des ÖPNVs in den Gemeinden Altenmarkt, Engelsberg, Kienberg, Obing, Pittenhart, Schnaitsee und Tacherting. Pro Fahrgast und Fahrt steuerten Staat und Landkreis 37,02 Euro zum Betrieb zu. Dafür hätten die Leute auch mit dem Taxi fahren können, hieß es in dem Ausschuss. Landrat Siegfried Walch stellte zur Debatte, den Rufbus Nordwesten vorzeitig vor Auslauf der staatlichen Förderung zum 30. September 2018 zu streichen.

Die jeweiligen Bürgermeister seien aber nur einverstanden gewesen, wenn zeitgleich ein anderes Angebot in Kraft trete. Auf der Basis schlug Walch vor, den Rufbus noch ein halbes Jahr zu belassen und ein Alternativkonzept zu erarbeiten. Der Landrat betonte, der Rufbus sei hauptsächlich für ältere Menschen installiert worden: »Die Mobilität älterer Bürger war erklärtes Ziel der beteiligten Gemeinden und des Landkreises.« Jetzt soll das Landratsamt mit den Kommunen, dem Seniorenbeauftragten und anderen fachkundigen Stellen bis zum Frühjahr 2018 ein Konzept erstellen, das den Rufbus Nordwesten ablösen soll.

Als weitere Zielgruppe – neben gehbehinderten Personen und Senioren – Feriengäste ins Auge zu fassen, regte Martin Czepan von den Grünen an. Landrat Siegfried Walch widersprach: »Es ist besser, eine Zielgruppe zu erreichen als viele gar nicht.« Altenmarkts Bürgermeister Stephan Bierschneider (CSU) wies darauf hin, in vielen Austragsverträgen sei enthalten, dass die älteren Leute gefahren werden müssten. Mehr als die Hälfte der Rufbus-Haltestellen sei kein einziges Mal angesteuert worden. Einwohner aus Stein und Schüler hätten den Bus vorwiegend genutzt.

Bierschneider appellierte, den Rufbus für den ursprünglichen Personenkreis nicht ersatzlos zu streichen, warnte aber auch: »Leute auf dem Land alle 300 Meter zusammen zu fangen, das funktioniert nicht in der Fläche.« »Ein Bus mit einem Fahrgast ist das falsche Fahrzeug, auch wenn der Freistaat es mit Steuergeldern subventioniert«, meinte Josef Daxenberger (CSU).

Einrichtung für Bürger in den Außenbereichen

Zum Thema »Schüler im Rufbus« verdeutlichte der Landrat, solche Praxis schwäche die über den Kreishaushalt finanzierte Schülerbeförderung. Das sah Stephan Bierschneider genauso. Er sei nicht gegen die Busnutzung durch Schüler. Der Landkreis habe den Rufbus jedoch für den Außenbereich eingerichtet – für Bürger, die keine Chance auf ein ÖPNV-Angebot haben. Sepp Konhäuser (SPD) forderte, die Gemeinden müssten sich Gedanken machen über andere Lösungen, zum Beispiel in Kooperation zwischen Ehrenamtlichen und Sozialverbänden.

Eine andere Entwicklung als der Rufbus Nordwesten nahm der Vario-Bus Ost, der Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring und Taching mit dem Bahnhof Waging verknüpft. Der Freistaat Bayern förderte ihn bis Anfang Mai 2017 mit 70 Prozent Zuschuss aus dem Programm zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum. Seither fährt der Bus auf Basis einer vom Kreisentwicklungsausschuss im März 2017 verabschiedeten Nachfolgekonzeption weiter.

Durch den verdoppelten Fahrpreis und eine eingeschränkte Betriebszeit reduzierte sich die Fahrgästezahl. 2016 stiegen im Schnitt monatlich 470 Personen zu, seit Mai 2017 nur mehr knapp 230. Pro Fahrgast und Fahrt errechnet sich ein Zuschussbedarf von 29,17 Euro. 2017 wurden unter dem Gesichtspunkt von mehr Attraktivität eine Gruppenfahrkarte und drei weitere Haltestellen realisiert. Im April 2017 trat eine neue staatliche Förderrichtlinie in Kraft, in die der Variobus erneut aufgenommen wurde. Somit trägt der Staat 30 Prozent der Landkreisausgaben, die in der Größenordnung von 40 000 Euro jährlich liegen. Heuer rechnet Traunstein mit 8000 Euro Zuschuss. kd

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