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Alles zum Katastrophenfall im Landkreis Traunstein bis zum Mittwoch: Biathlon-Weltcup und Evakuierung in Schleching

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Lawinengefahr an der Hochplatte in Raiten: Bewohner können in ihre Häuser zurück
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Der südöstliche Hang der Hochplatte, an dem bis Donnerstagabend akute Lawinengefahr herrschte. Nach der Untersuchung von Schneeproben aus den insgesamt 3,50 Meter dicken Schneelagen kommt die Lawinenkommission zu dem Schluss, dass die Gefahr für den Ort Raiten vorüber ist. (Foto: Landratsamt Traunstein)
Lawinengefahr an der Hochplatte in Raiten: Bewohner können in ihre Häuser zurück
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Foto: FDL/Lamminger
Lawinenkommission entnimmt Proben an Abrisskante auf der Hochplatte bei Raiten
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Mit einem Helikopter der Bundeswehr flogen Donnerstagmittag Experten der Lawinenwarnkommission an die Abrisskante der Lawine auf der Hochplatte, um dort Schneeproben für ihre Untersuchungen zu entnehmen. So sollen Rückschlüsse auf die Lage und das weitere Vorgehen ermöglicht werden. (Foto: FDLnews/Lamminger)
Polizei überwacht von Räumung betroffenes Raiten (Schleching) vor Einbrüchen
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Einsatzkräfte der Polizei sind derzeit an den Ortszufahrten von Raiten positioniert, um das von akuter Lawinengefahr bedrohte Dorf vor möglichen Einbrüchen zu schützen. Der Ort gleicht wegen der unerwarteten Räumung seit gestern Abend einem "Geisterdorf". (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Ticker zum Schneechaos: Raiten/Schleching wegen Lawinengefahr evakuiert – brandgefährliche Situation – Betreten verboten
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Der Schlechinger Ortsteil Raiten bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Die Polizei sorgt aktuell dafür, dass niemand die Gefahrenzone betritt. Das Dorf wurde gestern wegen extrem hoher Lawinengefahr vollständig geräumt. Wie lange die Schutzmaßnahmen andauern werden, ist völlig unklar. (Foto: FDL/Lamminger)
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Bis Donnerstagabend war der Schlechinger Ortsteil Raiten wegen akuter Lawinengefahr bis auf Weiteres gesperrt. Die Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Doch die Gefahr ist zum Glück gebannt: Experten haben den Schnee untersucht und Entwarnung gegeben. Seit dem Abend kehren die Anwohner in ihre Heimat zurück. (Foto: FDL/Lamminger)
Evakuierung wegen Lawinengefahr in Schleching – Schneechaos-Katastrophenfall im Kreis Traunstein
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Foto: FDL/Lamminger

Landkreis Traunstein – Schneechaos und Katastrophenfall haben die Region voll im Griff: Während in Reit im Winkl Hunderte an Dächern vom Schnee abgekehrt werden müssen, startete in Schleching am Mittwochnachmittag eine große Evakuierungsmaßnahme.


Service – das Wichtigste in Kürze:

In diesem Artikel lesen Sie die Nachrichten zum aktuellen Katastrophenfall im Landkreis Traunstein bis zum Mittwoch (15. Januar).

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Die Entwicklungen vom Donnerstag und Freitag (18. Januar) lesen Sie in unserem aktuellen Ticker: Raitener können nach Lawinen-Räumung wieder nach Hause – Infoveranstaltung in Schleching

Nachrichten vom Mittwoch:

Update, 20 Uhr: Grünes Licht für den Biathlon Weltcup

Die Sprintwettbewerbe des BMW IBU Weltcup Biathlon Ruhpolding können am Donnerstag ausgetragen werden. Als Startzeiten wurden 11 Uhr für das Herren-Rennen und 14.30 Uhr für die Damen-Wettkämpfe festgelegt.

Die Auflagen des überarbeiteten Sicherheitskonzepts, das aufgrund der aktuellen Sicherheitslage im Landkreis Traunstein erforderlich wurde, sind erfüllt. Der Zuschauertransport erfolgt wie üblich mit Bahn und Bus-Shuttle. Die Busse verkehren ab 8 Uhr durchgehend von den bekannten Abfahrtsstellen.

Wir werden den Weltcup ab Donnerstagvormittag in unserem Live-Ticker mit aktuellen Fotos, Videos und Berichten begleiten.

Update, 15.49 Uhr:

Die Räumung des Ortsteils Raiten ist in vollem Gange. Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehren, Bergwacht, Bundeswehr und Polizei sind im Einsatz. Die Bürger werden mit Bussen in das Feuerwehrhaus in Unterwössen gebracht. Dort wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Es herrscht die extrem hohe Gefahr eines Lawinenabgangs. Während des laufenden Einsatzes behalten geschulte Einsatzkräfte die Lage an den Hängen der Hochplatte im Auge.

Update, 14.40 Uhr:

Drei Themen bestimmen den heutigen Tag in der Region: Der mögliche Beginn des Biathlon-Weltcups am Donnerstag, die Evakuierung in Schleching und die aktuelle Lage in Reit im Winkl. Wie Landrat Siegfried Walch mitteilt, hat sich die Lage bis auf die zwei Einsatzschwerpunkte Reit im Winkl und Raiten im Landkreis flächendeckend beruhigt.

Die Lawinenwarnkomission habe die Lage in Schleching geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass von den Hängen der Hochplatte extreme Lawinengefahr ausgeht. Die Räumung ist dringend notwendig und hat "oberste Priorität". "Das macht man nicht gerne, aber wir haben uns für eine Räumung entschieden", so der Landrat. Es besteht die Gefahr, dass der Ortsteil von einer Staublawine getroffen wird. Deshalb müssen die Bewohner ihre Häuser auch umgehend verlassen – bei einer Evakuierung haben die Betroffenen mehr Zeit. Die Bürger werden aktuell im Feuerwehrhaus in Unterwössen untergebracht.

Zum Thema Biathlon erklärt Walch, dass alle Blaulichtorganisationen das Sicherheitskonzept für den Weltcup in Ruhpolding als gut befunden hätten. Wichtig ist allerdings, dass der Veranstalter zwei Löschzüge der Feuerwehr dauerhaft vorhalten müsse. Er und der Kreisbrandrat hätten darauf hingewiesen, dass keine Kräfte eingesetzt werden dürften, die in den vergangenen Tagen in den Katastrophenfall eingebunden waren. Die Leute müssen fit sein, so der Landrat.

Letztlich werden die Gemeinde Ruhpolding und der Veranstalter entscheiden, ob der Weltcup ab morgen stattfinden wird. Sicherheitsrechtliche Bedenken existieren jedenfalls – bis auf diese eine Vorgabe – nicht mehr. Ansonsten würde man die Veranstaltung untersagen. Es deute jedoch aktuell alles darauf hin, dass der Weltcup stattfinden wird.

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Die derzeitige Situation auf der Winklmoosalm. (Foto: Landratsamt Traunstein)

Update, 13.19 Uhr:

In einer Pressemitteilung gibt das Landratsamt bekannt, dass die Evakuierung in Schleching eingeleitet wurde. Alle Anwohner müssen sich im Kreuzungsbereich der B307 mit der Raitner Straße einfinden und auf dortige Lautsprecherdurchsagen achten. Zwischen 200 und 250 Bewohner sollen von der Maßnahme betroffen sein. Die Sonneneinstrahlung und das einsetzende Tauwetter könnten für einen größeren Lawinenabgang sorgen, der die Gebäude des Ortsteils Raiten unmittelbar treffen würde.

Update, 12.15 Uhr:

Vor wenigen Minuten ordnete das Landratsamt Traunstein in Abstimmung mit den Einsatzkräften die Evakuierung des Ortsteils Raiten in der Gemeinde Schleching an. Dort müssen die Bewohner wegen akuter Lawinengefahr ihre Häuser verlassen.  

Anwohner sollen sich am Kreuzungsbereich der B307 und der Raitner Straße einfinden. Das Landratsamt ruft die Bürger auf, keinesfalls ein Fahrzeug zu verwenden. Informieren Sie außerdem Ihre Nachbarn, falls diese die Nachricht noch nicht erhalten haben. Achten Sie auf Lautsprecherdurchsagen. Nehmen Sie Kleidung, wichtige Dokumente sowie Medikamente mit.

Die Evakuierungsmeldung wurde bislang lediglich über die "Notfall-Informations- und Nachrichten-App" des Bundes, kurz "NINA", herausgegeben. Mit dieser Anwendung erhalten Sie landkreisbezogene, wichtige Warnmeldungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf ihrem Smartphone.

Sobald unserer Redaktion weitere Informationen vorliegen, werden wir Sie umgehend informieren.

Doch kein Biathlon-Weltcup? Landratsamt hat bislang keine Zusage erteilt

Laut Informationen unserer Redaktion hat das Landratsamt Traunstein für die morgigen Wettkämpfe des Biathlon-Weltcups noch keine Zusage erteilt. Heute Morgen hatte der Veranstalter auf seiner Facebook-Seite bekanntgegeben, dass die Bestätigung der Behörde vorläge. Dies ist allerdings bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht der Fall. Im Laufe des Nachmittags wird das Landratsamt eine Pressemitteilung veröffentlichen. Unter dem Facebook-Beitrag haben sich mittlerweile Hunderte positive, aber auch negative, Reaktionen ergeben.

Lawinenbedrohter Ort Raiten aus der Vogelperspektive (Drohnenaufnahme)
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Diese Drohnenaufnahme zeigt einen Teil des Schlechinger Ortsteils Raiten von oben. (Christoph Reichwein/dpa)

Update, 11 Uhr:

Wie das Landratsamt Traunstein mitteilt, sind am heutigen Mittwoch im Landkreis über 1300 Hilfskräfte im Einsatz. Darunter 760 Feuerwehrleute, 80 Helfer des Roten Kreuzes, 190 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, 250 Bundeswehrsoldaten sowie 30 Kräfte der Bayerischen Polizei.

Der örtliche Schwerpunkt der Einsatzkräfte liegt heute auf der Gemeinde Reit im Winkl. Dort sind mehr als die Hälfte der Helfer im Einsatz. Auch das Dach der Integrierten Leitstelle in Traunstein wurde vom Schnee befreit:

Rund 1200 Soldaten der Verbände der Gebirgsjägerbrigade 23, des Informationstechnikbataillons 293 aus Murnau, des Ausbildungsstützpunkts Gebirgs- und Winterkampf aus Mittenwald sowie diverse Sanitätskräfte unterstützen die zivilen Hilfskräfte vor allem in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und Miesbach. In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen hoben die zuständigen Landratsämter den Katastrophenfall auf, womit die Hilfseinsätze der Bundeswehr beendet sind.

Da nach wie vor Lawinengefahr besteht, führte ein Helikopter des Hubschrauberregiments 64 im Raum Ruhpolding Erkundungsflüge durch, um gefährdete Bereiche zu identifizieren. Ein zweiter Hubschrauber transportierte 25 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 231 und des Gebirgsversorgungsbataillons 8 nach Reit im Winkl, um dort weitere Dächer vom Schnee zu befreien. Für den heutigen Mittwoch sind weitere Hubschraubereinsätze geplant.

120 Soldaten des Versorgungsbataillons 4 aus Bogen sowie 145 Reservisten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte Oberbayern beteiligen sich ab Mittwoch an der Operation Schneelage.

Update, 9 Uhr: Biathlon-Weltcup soll stattfinden

Wie der Veranstalter des Biathlon-Weltcups auf seiner Facebook-Seite bekannt gibt, können die Wettkämpfe ab dem morgigen Donnerstag stattfinden: "Da sich die Lage im Landkreis entspannt hat, haben wir nun die Bestätigung vom Landratsamt bekommen, dass ab morgen, Donnerstag, die Wettkämpfe des Weltcups beginnen können". Eine Bestätigung seitens des Landratsamts an die Medien steht noch aus. Weitere Informationen folgen im Laufe des heutigen Tages.

Wie läuft der Donnerstag ab?

Bezüglich der Gültigkeit von Tickets geben die Veranstalter bekannt, dass am Donnerstag zwei Wettkämpfe geplant sind. Die Startzeit des ersten Wettkampfes ist voraussichtlich um 11 Uhr. Der zweite Wettkampf startet wie geplant um 14.30 Uhr. Die Shuttles ins Stadion fahren bereits ab 8 Uhr.

Die Karten für Mittwoch behalten ihre Gültigkeit. Ticketinhaber von Streckentickets und Tribünentickets (Stehplatz und Sonnentribüne) können am Donnerstag beide Wettkämpfe an der Strecke bzw. auf der Tribüne anschauen (je nach gebuchter Kategorie). Sitzplatztickets für die Tribüne für Mittwoch sind für den ersten Wettkampf gültig, Sitzplatzkarten für die Tribüne für Donnerstag für den zweiten Wettkampf. Der jeweils andere Wettkampf kann an der Strecke oder im Stehplatzbereich des jeweiligen Blocks verfolgt werden.

VIP-Einzelkarten für Mittwoch verlieren ihre Gültigkeit, werden im Nachhinein aber rückerstattet. Der Einlass ins Stadion ist mit den VIP-Tickets für Mittwoch trotzdem möglich, allerdings nur für den Streckenbereich.

Alle Infos, der Zeitplan und Hintergrundberichte zum Weltcup in unserem Leit-Artikel.

Dringende Verkehrsinformation: Die Bundesstraße B305 ist zwischen Oberwössen und Reit im Winkl („Masererpass“) ab sofort gesperrt und nur für Einsatzkräfte und Ortsansässige passierbar. Auch das Skigebiet Winklmoosalm ist gesperrt.

Notfallversorgung in Reit im Winkl

Für die Bereitstellung der Notfallversorgung im Bereich Reit im Winkl wurden seitens der Feuerwehr vorsorglich drei behelfsmäßige Landeplätze eingerichtet. Die Hubschrauber werden für Erkundungsflüge, Material- und Soldatentransporte eingesetzt. Ebenfalls ist der Krankentransport zu jeder Zeit sichergestellt. Die Bundeswehr stellt dazu auch einen nachtflugtauglichen Transporthubschrauber zur Verfügung.

50 Soldaten werden morgen in den Winklmoosalmen zur Bewältigung der Schneemassen eingeflogen, da die Winkelmoos derzeit über keinen anderen Weg erreichbar ist. Derzeit befinden sich dort 70 Personen. Die Lawinenlage ist im Bereich Reit im Winkl nach wie vor extrem angespannt. Daher sind weitere Erkundungsflüge mit Hubschraubern der Bundeswehr nötig, um sich einen Überblick über die Lawinengefahr und gegebenenfalls nötige Sicherungsmaßnahmen zu verschaffen.

In den nächsten Tagen wird es im Bereich der B305 (Ruhpolding – Reit im Winkl) zu kontrollierten Lawinensprengungen kommen, um eine monatelange Straßensperrung zu vermeiden. In Reit im Winkl sind derzeit mehr als 500 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW sowie der Bundeswehr mit schwerem technischen Gerät vor Ort.

Straßensperren und weitere Einschränkungen

B305 Ruhpolding – Reit im Winkl gesperrt, Ortskern Reit im Winkl abschnittsweise gesperrt

B305 Inzell – Weißbach gesperrt

B307 Kössen – Schleching gesperrt

St 2304 Kössen – Reit im Winkl gesperrt

Reit im Winkl: Winklmoosstraße gesperrt

Traunstein: Nebenstraßen gesperrt, Hauptstraßen: eingeschränkte Räumung, Gemeindestraße nach Knappenfeld gesperrt

Siegsdorf: Mehrere gesperrte Gemeindestraßen

Bergen: Gemeindestraße Weißachental Richtung Kohlstatt gesperrt

Einschränkungen Bahnlinien:

teilw. Ausfall von Verbindungen

TS-Ruhpolding

TS-Waging

TS-Traunreut-Trostberg

Infos: www.suedostbayernbahn.de

Einschränkungen Buslinien:

L 9443 Stadtverkehr Traunstein

L 9446 Rufbus Traunstein

L 9506 Inzell-Ruhpolding

L 9509 Traunstein-Schleching

Infos:  www.rvo-bus.de/oberbayernbus

Update, Dienstagnachmittag:

In der Mittagszeit richtete die Feuerwehr Erlstätt eine Straßensperre bei Wolkersdorf ein. Die Helfer mussten die Traunsteiner Straße in beiden Richtungen sperren. Vor Ort waren bereits mehrere Traktoren und Radlader im Einsatz, um die Schneemassen weit von der Straße zu entfernen. Zuvor wurde ein etwa 40 mal 40 Meter großer Bereich auf beiden Straßenseiten vom Schnee befreit.

Die Feuerwehr brachte in der Mitte des Platzes Markierungen an, um eine gut sichtbare Landestelle für den Hubschrauber zu schaffen. Die Erlstätter Floriansjünger stellten zudem während des Einsatzes den Brandschutz sicher. Nach dem Eintreffen des Hubschraubers konnten Landrat Walch, mehrere Vertreter des Landratsamtes Freising, der Feuerwehr, Wasserwacht, Polizei sowie Vertreter der Presse einsteigen. Anschließend wurden sie in das Krisengebiet nach Reit im Winkl geflogen.

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Dieses Foto von der Hochplatte hat unser Leser Florian Lutz von seinem Balkon in Unterwössen aus aufgenommen. An dem schneebedeckten Abhang in der Bildmitte herrscht laut Lawinenwarnkommission extreme Lawinengefahr. Die Abrisskante und auch ein abgegangenes Schneebrett am rechten Bildrand sind gut zu erkennen.

"Nur" 39 Unfälle im Bereich Traunstein

Nach den starken und anhaltenden Schneefällen in der Region zieht die Polizei Traunstein eine Bilanz für ihr Einsatzgebiet im Vergleich zum Januar 2018. Die ersten beiden Wochen der beiden Vergleichsjahre hätten wetterbedingt unterschiedlicher nicht sein können. Nachdem der Januar 2018 von einem sehr milden Wetter gekennzeichnet war, zeichneten die ersten beiden Januarwochen dieses Jahres sehr winterliche Straßenbedingen aus.

Erstaunlich ist es, dass es im Zeitraum von 1. bis 15. Januar 2018 deutlich mehr gemeldete Verkehrsunfälle im Dienstbereich der Polizeiinspektion Traunstein gab als im Vergleichszeitraum des Jahres 2019. Wurden im Vergleichszeitraum im vergangenen Jahr 66 Verkehrsunfälle bei der Polizeiinspektion Traunstein gemeldet, so waren es im Vergleichszeitraum dieses Jahres lediglich 48. Hierbei stehen 39 winterbedingte Verkehrsunfälle im Jahr 2019 lediglich einem winterbedingten Verkehrsunfall im Jahr 2018 gegenüber.

Aus diesen Zahlen kann also abgeleitet werden, dass winterliche Straßenbedingungen nicht zwingend zu höheren Verkehrsunfallzahlen führen. Viele kleinere Havarien werden aber auch gar nicht erst der Polizei gemeldet. Grundsätzlich könne man aber sagen, dass Verkehrsunfallzahlen bei winterlichen Straßenbedingungen nicht zwingend höher sein müssen, da wegen dieser Straßenverhältnisse grundsätzlich vorsichtiger gefahren wird, so die Polizei in ihrer Mitteilung.

Eisglätte sorgt für Unfall und langen Stau bei Fridolfing

Am Dienstagmorgen um 6.20 Uhr fuhr eine 30-Jährige aus dem Bereich Fridolfing mit ihrem Wagen auf der B20 aus Richtung Fridolfing kommend in Fahrtrichtung Laufen. Im Gefälle des Berger Berges musste sie aufgrund eines stehenden Lkws abbremsen. Wegen Eisglätte auf der Straße geriet ihr Auto ins Rutschen und rutschte in der dortigen Linkskurve geradeaus.
Sie kam nacht rechts von der Fahrbahn ab und touchierte leicht die dortige Leitplanke. Verletzt wurde niemand. Der Gesamtschaden wurde auf 230 Euro geschätzt. Aufgrund der Eisglätte entstand ein Rückstau von etwa drei Kilometern. Die Fahrbahn in Fahrtrichtung Laufen war für anderthalb Stunden gesperrt.

Mehrere Unfälle auf glatten Straßen bei Traunreut

Zu mehreren kleinen Unfällen kam es am Montagnachmittag in und rund um Traunreut. Ausgelöst haben diese die teilweise extrem glatten Straßen, da sich unter einer dünnen Schneeschicht bereits Eis gebildet hatte. Zum Glück gab es nur Leichtverletzte und an den Autos entstanden Blechschäden.

7500 Euro Schaden gab es bei einem Unfall am Dienstagvormittag auf der Agnes-Miegel-Straße. Ein 44-jähriger Traunreuter war dort mit seinem Auto unterwegs und wollte auf die Adalbert-Stifter-Straße abbiegen. Dabei übersah er einen von rechts kommenden Traktor und es kam zum Zusammenstoß. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Der Unfallverursacher wurde angezeigt.

Die Polizei appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, ihre Fahrweise den Witterungsbedingungen rechtzeitig anzupassen und besonders bei glatten Straßen ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten – und das nicht nur außerhalb geschlossener Ortschaften.

Wir haben im Landratsamt nachgefragt:

Wer kommt eigentlich für die Kosten während des Katastrophenfalls auf, zum Beispiel was die Verpflegung und Anfahrtskosten angeht, oder wenn Material kaputt geht?

Die Katastrophenschutzbehörde trägt zunächst ihre Einsatzkosten (angeforderte Geräte, Verpflegung, Verdienstausfall) selbst. Es besteht im Anschluss die Möglichkeit, über die Regierung von Oberbayern eine Kostenerstattung aus dem Katastrophenschutzfond des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Integration und Sport zu beantragen.

Um welche Summe es sich dabei bisher handelt, kann das Landratsamt noch nicht einschätzen. Auch wie lange der Katastrophenfall noch aufrecht erhalten werden wird, ist nicht abzuschätzen.

Update, 15.07 Uhr:

Im Gegensatz zur Lage im Landkreis Traunstein herrscht im Berchtesgadener Land eine regelrechte Notsituation: Mehr als 1400 Dächer wurden mittlerweile aufgrund der Schneelasten als "kritisch" eingestuft. Über 2000 Helfer sind seit den Morgenstunden im Dauereinsatz, um die Einsturzgefahr von den Gebäuden abzuwenden.

Von "Entspannung" kann noch keineswegs die Rede sein, so das Landratsamt mit indirekten Worten. Dennoch können nach und nach einzelne Straßen wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Lawinenwarnkomission prüft am Nachmittag die Situation an der B21 entlang des Saalachsees ("Kleines Deutsches Eck"); möglicherweise kann die Bundesstraße freigegeben werden. Ungewöhnliche Nachrichten dahingehend beim Schulbetrieb: dieser wird im Landkreis Berchtesgadener Land ab Mittwoch wieder aufgenommen. Im Kreis Traunstein beginnt der reguläre Unterricht hingegen erst am Donnerstag, in den südlichen Gemeinden fällt dieser sogar bis Freitag aus.

Update, Dienstagmittag: Waginger See über die Ufer getreten

Während sich in den höher gelegenen Gemeinden die Einsatzkräfte in den Chiemgauer Alpen immer noch mit schwerem Schnee abkämpfen, kommt in den niedriger gelegenen Gegenden das Schmelzwasser an. Der Waginger See ist – wie auf den Fotos aus Tettenhausen zu sehen – bereits über seine Ufer getreten:

Raiten/Schleching wird geräumt, Lawinengefahr
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Wegen akuter Lawinengefahr an der Hochplatte wird die Ortschaft Raiten bei Schleching am Mittwochnachmittag evakuiert. (Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Süd)

In den südlichen Gemeinden des Landkreises, insbesondere in Reit im Winkl, und im Landkreis Berchtesgadener Land müssen im Laufe des heutigen Tages noch Hunderte weitere Gebäudedächer freigeschaufelt werden, die unter den schweren Schneelasten einzustürzen drohen. Von den allein aus dem Kreis BGL insgesamt knapp 1000 gemeldeten Dächern konnten bis Montag Mittag knapp 50 Prozent (genau 484 Gebäudedächer) komplett freigeschaufelt werden. Der Rest steht heute auf dem Plan.

 

Update, 11.54 Uhr: Schulausfälle bis Freitag

Wie das Landratsamt Traunstein soeben bekannt gab, fällt in einigen Gemeinden des südlichen Landkreises auch am Donnerstag und Freitag, 18. Januar, dieser Woche der Unterricht an den Schulen aus. Es handelt sich um alle staatlichen Schulen in folgenden Städten und Gemeinden:

  • Bergen
  • Chieming (ausgenommen das Landschulheim Ising; hier findet bereits ab Donnerstag, 17. Januar, der Unterricht wieder statt.)
  • Grassau
  • Grabenstätt
  • Inzell
  • Marquartstein
  • Nußdorf
  • Reit im Winkl
  • Ruhpolding
  • Schleching
  • Siegsdorf
  • Staudach-Egerndach
  • Surberg
  • Traunstein
  • Übersee
  • Unterwössen
  • Vachendorf

In allen weiteren Gemeinden des Landkreises findet der Unterricht ab Donnerstag, 17. Januar, wieder regulär statt. Bei dringenden Fragen stehen über das Bürgertelefon Ansprechpartner zur Verfügung (Telefon 0861/58-411).

Kurzmeldung: Reit im Winkl verschiebt Gemeinderatssitzung

Wie die Gemeinde Reit im Winkl in einer Pressemitteilung bekannt gibt, wird die heutige Sitzung aufgrund des Katastrophenfalls auf Dienstag nächster Woche, den 22. Januar, verschoben.

Nachrichten vom Dienstagmorgen:

Wie Landrat Siegsfried Walch in einem Video bekannt gibt, bleibt der K-Fall für die südlichen Gemeinden des Landkreises mindestens bis Mittwoch bestehen.

Durch die akute Lage in den Gemeinden Inzell und Siegsdorf, die nicht nur als Durchreiseorte für die Anfahrt der Besucher und Sportler, sondern auch als Fluchtwege dienen, ist die Sicherheit des Weltcups nicht gewährleistet und somit wäre eine Ausrichtung unverantwortlich. Darüber waren sich nach interner Beratung alle Katastrophenschutz- und Blaulicht-Behörden einig, so der Landrat in seiner Mitteilung. Die Hoffnung, dass die Wettkämpfe ab Donnerstag stattfinden können, bleibt bestehen.

Gestern sah es dahingegen noch anders aus: Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt zeigte sich Engelbert Schweiger, Leiter der Chiemgau-Arena und Generalsekretär des OK, noch zuversichtlich, dass die Wettkämpfe nach der abgesagten Eröffnungsfeier wie geplant stattfinden können.

Der Schnee der vergangenen Tage hat auch Hubert Neidhardt und seine Kollegen vom Betriebshof der Chiemgau-Arena in Atem gehalten. Doch egal, ob Schnee, Regen oder Wind: Er und das Team des Betriebshofs der Chiemgau-Arena sorgen bei jedem Wetter für möglichst reibungslose Wettkämpfe. Zum Artikel:  »Man weiß nie, was am nächsten Tag kommt«.

Nach Mitteilung des Landratsamtes Traunstein steht die Durchführung eines Wettkampfes in absolutem Widerspruch zum anhaltenden Katastrophenfall. Alle Verantwortlichen und Helfer setzen sich dafür ein, alle sechs Wettkämpfe in den darauffolgenden Tagen durchführen zu können. Der Championspark und alle Hütten haben trotz Absage der Eröffnungsfeier ab Dienstag täglich ab 17 Uhr geöffnet.

Achtung Autofahrer: Glatte Straßen

Viele Straßen in der Region können stellenweise von Schnee und Eis bedeckt sein. Auf der Bundesstraße 20 zwischen Laufen und Fridolfing sollen am Berger Berg bereits Lkws stecken geblieben sein.

Das sind die aktuellen Straßensperrungen in der Region:

  • A8 – München Richtung Salzburg: zwischen Traunstein/Siegsdorf und Neukirchen in beiden Richtungen rechter Fahrstreifen gesperrt, Schneeräumung bis 15 Uhr (Zwischen AS Siegsdorf und der Betriebsumfahrung Niederreit)
  • St 2102 Teisendorf – Neukirchen: zwischen Oberteisendorf und Neukirchen am Teisenberg in beiden Richtungen gesperrt
  • B306 Inzell – Weißbach gesperrt
  • B305 Weitseestraße bei Hausnummer 33 gesperrt
  • St 2364 (Tiroler Straße), Reit im Winkl – Kössen: in Höhe Grenzübergang Reit im Winkl in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr (Zufahrt nach Reit im Winkl über Kössen gesperrt)
  • B21 Salzburg – Lofer: zwischen Bad Reichenhall und B305 in Unterjettenberg in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr
  • B21 Lofer – Bad Reichenhall: in beiden Richtungen Beschränkungen, zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, für beide Richtungen nur ein Fahrstreifen abwechselnd frei
  • B305 Reit im Winkl – Berchtesgaden: zwischen Unterjettenberg und Taubensee in beiden Richtungen gesperrt, Schneebruch, umgestürzte Bäume
  • B305 Berchtesgaden – Reit im Winkl: zwischen Schneizlreuth und B305 bei Schneizlreuth in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr, eine Umleitung ist eingerichtet
  • B305 Berchtesgaden – Bernau: zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr, eine Umleitung ist eingerichtet
  • B305 Reit im Winkl – Berchtesgaden: zwischen Inzell und Auffahrt B305 bei Schneizlreuth in beiden Richtungen gesperrt (Lawinengefahr)
  • B307 Kössen – Marquartstein: zwischen Grenzübergang Schleching und Schleching in beiden Richtungen gesperrt (Lawinengefahr)
  • Zwischen Knappenfeld und Abzweig nach Traunstein: in beiden Richtungen bis auf weiteres gesperrt (umgestürzte Bäume, tiefer Schnee)
  • St 2099 zwischen Sommerau und Grenzübergang Hintersee: in beiden Richtungen gesperrt
  • BGL5 zwischen Marktschellenberg und Abzweig nach Götschenhof: in beiden Richtungen gesperrt
  • BGL14 zwischen Abzweig nach Ramsau bei Berchtesgaden und Hintersee: in beiden Richtungen gesperrt (schneebedeckte Fahrbahn, nicht passierbar)
  • BGL19 zwischen Dürreck und Obersalzberg: in beiden Richtungen gesperrt

Ein "herzliches Vergelt‘s Gott" richtete Landrat Walch am gestrigen Montag an alle Helfern, die seit Tagen unermüdlich zur Bewältigung des Katastrophenfalls im Landkreis Traunstein im Einsatz sind. Viele kommen aus anderen Regionen Bayerns, darunter zum Beispiel die Feuerwehrler aus Neuburg Schrobenhausen:

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Auch das Dach der Integrierten Leitstelle in Traunstein musste Ende dieser Woche vom Schnee befreit werden. Foto: Landratsamt Traunstein

Turnhallen im Landkreis Traunstein gesperrt:

Folgende Turnhallen des Landkreises sind bis einschließlich Mittwoch, 16. Januar, geschlossen:

  • Turnhalle an der Achental Realschule Marquartstein
  • Turnhalle am Hertzhaimer Gymnasium in Trostberg
  • Landkreisturnhalle in Trostberg
  • Landkreisturnhalle in Traunreut
  • Alle Turnhallen in Traunstein:
    • Turnhalle des Landkreises an der Wasserburger Straße
    • Turnhalle am Chiemgaugymnasium
    • Turnhalle an der Schule an der Traun
    • Turnhalle an der Berufsschule II
    • Turnhalle am Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales

Der Unterricht an der Städtischen Musikschule Traunstein fällt auch am heutigen Dienstag, 15. Januar, aus.

Wie das Landratsamt Traunstein außerdem mitteilt, kam es in der vergangenen Woche großflächig zu Tourenausfällen bei der Restmüllabholung, die leider nicht mehr nachgefahren werden können. Die Entsorgungsunternehmen bemühen sich diese Woche um die Abfuhr der planmäßigen Touren. Je nach Witterungsverhältnissen kann es auch diese Woche wieder zu Verzögerungen oder weiteren Ausfällen kommen. Die Restmülltonnen sollen nach wie vor noch bis zu zwei Tage über dem regulären Entleerungstermin zur Abholung bereit gestellt bleiben. Wird die Restmülltonne bis dahin nicht geleert, werden entsprechende Mehrmengen im Rahmen des nächsten Entleerungstermins mitgenommen. Diese können sowohl in grauen Landkreismüllsäcken oder sonstigen handelsüblichen Haushaltsmüllsäcken, jeweils gut verschlossen, zur Abholung neben die Restmülltonne gestellt werden.

Justizzentrum am Dienstag gesperrt

Auf dem Gelände des Justizgebäudes Traunstein werden am Dienstagvormittag (15. Januar) von der Feuerwehr die Schneemassen vom Dach des Sitzungssaalgebäudes geräumt. Es werden 50 bis 100 Feuerwehrleute vor Ort sein; der Einsatz wird voraussichtlich den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Nicht nur das Sitzungssaalgebäude ist deshalb am Dienstag gesperrt, auch sämtliche Außenparkplätze der Behörde werden gesperrt.

Kindergärten in Waging und Traunstein geschlossen

Die Kindertagesstätten "Käsemäuse" in Waging und in Traunstein bleiben am Montag und am Dienstag geschlossen. Das gab das Mütterzentrum Traunstein bekannt.

Aufgrund der verbesserten Wetterprognose haben die katholischen Kindergärten St. Marien in Siegsdorf, St. Irmengard in Ruhpolding und St. Michael in Inzell am Mittwoch, 16. Januar 2019 wieder geöffnet.

Hier geht es zu den Meldungen vom Montag >

Leserfotos zu den Schneefällen in der Region:

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Lawinenabgang am Weitsee zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl Foto: Landratsamt Traunstein

red

 

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Foto: FDL/Lamminger