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»Man weiß nie, was am nächsten Tag kommt«

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Hubert Neidhardt und seine Kollegen sind während des Weltcups nicht nur mit den Pistenraupen unterwegs. Sie sorgen auch dafür, dass rund um die Wettkämpfe in der Chiemgau-Arena alles reibungslos läuft. (Foto: Müller)
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Der Schnee der vergangenen Tage hat auch Hubert Neidhardt und seine Kollegen vom Betriebshof der Chiemgau-Arena in Atem gehalten. Doch egal, ob Schnee, Regen oder Wind: Das Betriebshof-Team sorgt dafür, dass die Strecke für die Wettkämpfe bereit ist und auch die Zuschauer an der Strecke den Weltcup genießen können. »Wenn es während der Wettkämpfe ruhig ist, haben wir alles richtig gemacht«, sagt der 38-Jährige.


Die Arbeit der Betriebshof-Mitarbeiter hört aber auch während ruhigen Wettkämpfen nicht auf. Sie präparieren täglich die Strecke, zudem gibt es regelmäßige »Patrouillen« in der Arena: »Wir schauen, ob wir irgendwo nachbessern müssen: Sind Zäune locker? Ist es irgendwo glatt? Sind Müllsäcke heruntergerissen?«, erläutert Hubert Neidhardt. »Wir schauen eher, was außen rum passiert als auf die Rennen.«

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Schließlich stecken Vorarbeiter Hubert Neidhardt und seine Kollegen – zum Team des Betriebshofs gehören noch Benjamin Aicher und Hans Wiser – viel Arbeit in die Vorbereitung des Weltcups: Sie stellen Zäune und Werbebanden auf, kümmern sich um die Beschilderung, verkleiden die Tribüne mit Bannern oder unterstützen Fremdfirmen beim Aufbau und bereiten die Strecke vor.

Dabei setzen die Betriebshof-Mitarbeiter auch auf moderne Technik: Ein satellitengestütztes System zeigt an, wo auf der Strecke wie viel Schnee liegt. »So können wir ihn gleichmäßiger verteilen und wissen, wo wir eventuell noch Ressourcen haben. Dann können wir den Schnee dorthin schieben, wo er gebraucht wird, statt extra zu beschneien«, erklärt Hubert Neidhardt.

Der Schnee bestimmt auch, wann der 38-Jährige und seine Kollegen mit den Vorbereitungen für den Weltcup beginnen: »Bevor der erste Schnee fällt, müssen wir das Schneedepot öffnen und die Strecke belegen«, sagt Hubert Neidhardt. »Wenn es schneit, hätten wir sonst mit dem Ausfahren viel mehr Aufwand.« Das bedeutet wiederum, dass die Vorbereitungen entlang der Strecke fertig sein müssen, bevor der erste Schnee ausgefahren wird, weil Lastwagen oder Radlader dann nicht mehr überall hinkommen. Das habe im Dezember aber wieder sehr gut funktioniert.

Wann die Vorbereitungen abgeschlossen sind, hängt erneut davon ab, wie das Wetter mitspielt. »Je früher wir anfangen können, desto weniger Stress haben wir zum Schluss raus«, sagt Hubert Neidhardt. Für den Weltcup wird das Team um den 38-Jährigen auch noch erweitert: Bis zu 13 Mitarbeiter sorgen dafür, dass rechtzeitig vor den Wettkämpfen alles steht. »Die Mannschaft funktioniert gut, da zieht jeder mit«, lobt der Vorarbeiter.

Je nach Witterung beginnt die tägliche Arbeit des Teams bereits lange vor den Wettkämpfen: »Wenn es viel schneit, fangen wir schon mal um 3 Uhr an«, erzählt Hubert Neidhardt. »Da ist man abends schon froh, wenn man heimkommt.« Die Betriebshof-Mitarbeiter kommen aber nicht nur vor den Besuchern, sondern bleiben auch länger: »Bis alles aufgeräumt und die Chiemgau-Arena komplett leer ist.«

Ansonsten gehe es vor allem darum, zu kontrollieren, »dass alles läuft« – mit einer Einschränkung: »Außer das Wetter spielt komplett verrückt«, sagt Hubert Neidhardt. Viel Schnee, Regen oder Wind bedeuten auch für das Betriebshof-Team viel Arbeit. »Wir müssen dann schauen, dass wir reagieren und beispielsweise bei viel Regen das Wasser von der Strecke wegbekommen«, erklärt der gelernte Industriemechaniker. »Das wird dann ein extremer Aufwand.« Deshalb hat Hubert Neidhardt genaue Vorstellungen von seinem »Wunschwetter« für die Weltcup-Woche, ganz erfüllt hat sich der diesen Weltcup jedoch nicht: »Minus fünf bis sechs Grad, Sonnenschein bei den Wettkämpfen und im Vorfeld keinen Regen, sondern ein bisschen Schnee.«

Doch auch ohne den zusätzlichen Aufwand beschäftigt der Weltcup auch nach der »arbeitsreichen« Woche die Betriebshof-Mitarbeiter weiter: »Wir überlegen dann, welche Wettkämpfe als nächstes anstehen und was als erstes weg muss«, erläutert Hubert Neidhardt. »Die Aufräumarbeiten gehen hinterher noch mindestens zwei Wochen.«

Im Frühjahr stellt sich der Betriebshof schließlich auf den »Sommerbetrieb« ein: Die Mitarbeiter warten das Material, reinigen und halten das Gelände instand. Biathlonfrei ist die Zeit aber nicht, die Sportler drehen dann auf Skirollern ihre Runden.

Für Hubert Neidhardt sind die abwechslungsreichen Aufgaben des Betriebshofs ein Grund, warum ihm die Arbeit gefällt. »Wer lieber im Büro sitzt, ist hier sicher fehl am Platz«, meint der 38-Jährige, der seit 2002 beim Betriebshof angestellt ist. »Das muss man schon mögen: Wir sind viel draußen, im Sommer und im Winter, bei Regen und Schnee. Und natürlich gehört Nachtarbeit dazu.« Bereut hat er die Entscheidung, sich für die Stelle zu bewerben, bisher nicht. »Das Schöne ist, dass es so dermaßen abwechslungsreich ist. Man weiß nie, was am nächsten Tag kommt.«

Selbst wenn das Schnee, Regen oder Wind ist: »Wir können es nicht ändern«, sagt Hubert Neidhardt. »Wir müssen damit umgehen und mit dem arbeiten, was wir haben. Deshalb versuchen wir, das Beste daraus zu machen.« Jonas Müller