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Zum Abschluss der Truna herrschte nochmals großer Besucherandrang

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Traunstein: Großer Besucherandrang zum Abschluss der 21. Truna
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Blick von oben auf die Gewerbeausstellung Truna. Seitens der Aussteller gibt es nach der fünftägigen Messe überwiegend positive Resonanz.

Traunstein – Mit einem enorm großen Besucherandrang endete am heutigen Sonntag die 21. Gewerbeausstellung Truna. Die Messeleitung zeigte sich in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt rundrum zufrieden.


An den ersten beiden Tagen hätten die Besucherzahlen zwar nicht den Erwartungen entsprochen, doch der Samstag und der Sonntag haben es »voll rausgerissen«, so der Geschäftsführer der Messe Traunstein GmbH, Jürgen Pieperhoff. Am Freitag habe man auch schon deutlich mehr Besucher als an den beiden Vortagen gehabt, darunter seien auffallend viele Schüler gewesen.

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Dass die Truna, die erstmals unter der Verantwortung der Messe Traunstein GmbH ausgerichtet wurde, so gut lief, habe auch »an der Stabübergabe gelegen«, sagte Pieperhoff. »Wir haben von unseren Vorgängern, der Traunstein erleben GmbH, keine Asche, sondern ein glühendes Feuer übernommen«, betonte er.

Von den Ausstellern habe er größtenteils positive Resonanz bekommen: »Nicht so zufrieden waren ein paar Spezialaussteller, aber die große Mehrheit ist sehr zufrieden, sagte Pieperhoff; einige hätten bereits erklärt, bei der nächsten Gewerbeausstellung wieder dabei zu sein.

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Auf reges Interesse stieß an allen Tagen wieder einmal der Stand der Kliniken Südostbayern.

Dass an den ersten Tagen der Besucherandrang zu wünschen übrig ließ, sei für viele Aussteller kein großes Problem gewesen, stellte der Messe-Geschäftsführer fest. Im Gegenteil, bei weniger Besuchern bestand oft besser die Möglichkeit, zu ausführlichen Gesprächen zwischen Ausstellern und Besuchern.

Freudig überrascht zeigte sich Pieperhoff mit dem Besucheransturm am Sonntag, als sich an den Eingängen teilweise lange Warteschlangen bildeten. Angesichts des schönen Wetters hatte die Messeleitung befürchtet, die Leute würden eher einen Ausflug in die Berge unternehmen als auf die Gewerbeausstellung zu kommen. Doch die Befürchtung war unbegründet: »Die Truna zieht besser als die Berge«, stellte Pieperhoff fest und betonte, dass dies auch mit ein Verdienst der früheren Organisatoren ist, dank deren Arbeit diese große Gewerbeschau bei der Bevölkerung positiv im Gedächtnis ist.

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Immer wieder ein Anziehungspunkt bei der Truna: Die Ausstellungshalle des Bauernverbands, in der auch lebende Tiere zu bewundern waren.

Im Vergleich zu den vergangenen Gewerbeausstellungen gab es diesmal in Sachen Hallenaufbau Änderungen, die sich sehr bewährt haben. Das Gastronomie-Zelt in der Mitte des Platzes sei gut angekommen, regen Zuspruchs erfreuten sich auch die Vorführungen in diesem Zelt: Trachtler, Ringer, Cheerleader, Rock'n'Roll-Tänzer und eine Modenschau des Eine-Welt-Ladens sorgten für zusätzliche Attraktionen.

Großes Lob gab es von Pieperhoff auch für den Bauernverband und den Rinderzuchtverband. Nach dem Einsturz des Stallgebäudes sei eine Teilnahme der beiden Verbände zunächst unsicher gewesen. Dann kam die Idee auf, vor der Chiemgauhalle ein großes Zelt aufzustellen. Das Ergebnis: »Aus etwas Improvisiertem ist etwas sehr Schönes geworden, mir gefällt es sogar besser«, sagte Pieperhoff.

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Die Firma Kreiller gehört zu den vier Unternehmen, die seit der ersten Truna im Jahr 1979 an allen Gewerbeausstellungen beteiligt war. Die anderen drei »Gründungsmitglieder« sind Adelholzener Apenquellen, Holz König und Bergader.

Beeindruckender Abend mit Andy Holzer

Im Rahmen der Truna wurde auch der im Januar ausgefallene Jahresempfang der regionalen Wirtschaft nachgeholt. Dabei hielt der Referent, der blinde Extremsportler und Bergsteiger Andy Holzer, der die Seven Summits (die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente) bestiegen hat, einen begeisternden Vortrag unter dem Titel »Den Sehenden die Augen öffnen«.

Holzer beeindruckte mit seinem Lebensmut, wie er mit seiner Blindheit umgeht. Er verdeutlichte, wie man Hindernisse auch als Chancen nutzen kann: Nicht verzweifeln, sondern die Chance sehen, war seine Botschaft. Er erzählte, wie es ihm als Kind ergangen ist, wenn er mitbekam, dass andere zum Beispiel bei schönstem Sonnenschein Fußball spielten, für ihn aber alles finster war. Er habe aber nicht gespürt, dass er im Nachteil sei, er sei auch als kleines Kind nicht verzweifelt gewesen, sondern habe gemerkt: Wir sind verschieden, sind alle anders. »Wenn es hell ist, bin ich der Letzte in der Reihe«, stellte er fest, doch wenn es dunkel wurde, war er gefragt. Wenn es etwa darum ging, nach Sonnenuntergang im Finstern den Fußball zu suchen, war er im Vorteil. Schnell habe er also erkannt: »Im richtigen Moment bin ich vorne, ansonsten andere.«

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Eine Modenschau des Eine-Welt-Ladens konnten die Besucher am Sonntag sehen. Prominentestes Model war Oberbürgermeister Christian Kegel.

Schon in seinem kleinen, für ihn dunklen Kinderzimmer sei er aufgebrochen in eine eigene Welt. Dankbar sei er seinen Eltern, dass sie ihn nicht in ein Blindenheim geschickt haben, sondern »in etwas vertraut haben, was man im Moment nicht sieht«.

So durfte er zuhause aufwachsen, in einem kleinen Dorf in den Dolomiten, wo es keinerlei Hilfsmittel für Blinde gab. Auch wurden zuhause zum Beispiel keine Ecken und Kanten etwa mit Schaumstoff gepolstert, damit sich der blinde Bub nicht verletzt. Darüber zeigt sich Holzer heute noch froh: »Wennst den Kopf einmal an der scharfen Tischkante anhaust, passiert dir das kein zweites Mal – auch nicht als Blinder.«

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Mit der Feuerwehr-Drehleiter hoch hinaus: Das ermöglichte die Freiwillige Feuerwehr Traunstein am Samstag und am Sonntag.

Holzer erzählte, wie er sich als Kind zu Weihnachten Skier wünschte und diese auch bekam, berichtete von seinen ersten Wanderungen, von seinen sportlichen Unternehmungen bis hin zur Besteigung des Mount Everest zusammen mit zwei Freunden im Jahr 2017; er war damit nach dem Amerikaner Erik Weihenmayer der zweite Blinde auf dem Mount Everest und der erste, dem dies über die Nordroute gelungen ist.

Eine ebenfalls fast unglaubliche Leistung war eine außergewöhnliche Seilschaft im Jahr 2005: Andy Holzer, der beidseitig beinamputierte Amerikaner Hugh Herr und Erik Weihenmayer durchstiegen an den drei Zinnen die Südwand des Preußturms, eine über 400 Meter hohe Wand im siebten Schwierigkeitsgrad. Dazu Holzer: »Wir wollten unser eigenes Ding in die Hand nehmen, keine vorgefertigte Bahn.« Und weiter: »Wir wussten, wir können das.«

Fotos vom Wochenende auf der Truna:

Man kann sich die Welt nicht aussuchen, aber man kann sich jeden Tag aussuchen, was man machen will, lautet dementsprechend eine weitere Botschaft Holzers. Es gebe zweierlei Gattungen von Menschen: der Großteil der Gesellschaft habe es gelernt zu verlieren (»das geht nicht«), der kleinere Teil habe gelernt zu gewinnen. Dabei sei die Sehnsucht des Gewinnens wichtig.

Im Januar hatte er zuhause einen schweren Unfall gehabt, im Krankenhaus habe der Arzt gemeint, mit den extremen sportlichen Aktivitäten sei es nun vorbei. »Ich habe ihn reden lassen«, so Holzer, und seither »mindesten 30 Siege errungen« beim Klettern, Skifahren und Touren gehen. m

Fotos vom Donnerstag auf der Truna:

Eröffnung der 21. Truna auf dem Traunsteiner Festplatz:

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