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Dieses Bild der Garde entstand zu Beginn der 1990er Jahre. Präsidentin Josefine Dumebi (dritte von rechts) und ihre Schwester Marietta Lapper (zweite von links) waren damals mit von der Partie.
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Seinen ersten Auftritt hatte das »Männerballett« im Fasching 1958. Es sollte noch fast 30 Jahre dauern, bis es dann auch eine Damengarde beim Traunsteiner Faschingsverein gab. (Fotos: Veitsgroma Zunft e.V.)

Veitsgroma Zunft: Jubel, Trubel und Heiterkeit seit 123 Jahren

Traunstein – Schon wieder ein Jahr ohne Fasching, Umzug und buntem Treiben – wer jetzt denkt, bei der »Veitsgroma Zunft« würde man die Köpfe hängen lassen, der irrt. Schließlich gibt es immer einen Grund zu feiern. Bei den Veitsgromanern heuer ein Jubiläum: 123 Jahre gibt es den Traunsteiner Faschings-verein bereits. Und das soll gefeiert werden. Mit einem großen Jubiläumsball am 30. April in der Surtalhalle.


»Eigentlich war der Jubiläumsball als Faschingsball am 15. Januar geplant«, sagt Josefine Dumebi, Präsidentin der Zunft, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Doch Corona verhindert nun bereits das zweite Jahr in Folge jegliches Faschingstreiben. »Ohne die fünfte Jahreszeit mit ihrem Jubel, Trubel und Heiterkeit fehlt natürlich etwas«, betont die 58-Jährige. Trübsal blasen wolle man trotzdem nicht. »Das Programm für den Jubiläumsball steht bereits, es gibt ein paar kleinere Überraschungen«, sagt Dumebi. Mehr verraten will sie aber noch nicht. Die Musik und die Surtalhalle sind für den 30. April gebucht. »Wir hoffen jetzt natürlich, dass es endlich klappt.«

Das 123-Jahr-Jubiläum und damit ein »unrundes« Datum zu feiern, ist für einen Faschingsverein nichts Ungewöhnliches. »1-2-3, das sind Faschingszahlen, das ist etwas Lustiges. Eigentlich wollten wir ja vergangenes Jahr schon 122 Jahre feiern«, sagt Dumebi.

Erste Hinweise auf ein Faschingstreiben in Traunstein gibt es im »Veitsgrom« bereits 1896. Ein Faschingszug fand am Faschingssonntag, 16. Februar 1896, »vom Kalsberger'schen Gasthause aus durch die Kammerstraße, Klosterberg, Stadtplatz, Vorberg bis zur alten Schießstätte« statt, wie es im Traunsteiner Wochenblatt von 1896 heißt. Veranstalter waren Schützenbrüder der Schützengesellschaften »Trauneck«, »Truna« und »Augusta«, die den »Bayerischen Hiesel«, eine »getreue Wiedergabe der Ereignisse dieses in allen Volksschichten bekannten Abenteurers« aufführten. Gegründet wurde die »Veitsgroma Zunft« schließ­lich 1899.

Am 12. Februar 1899 fand eine »Gmoa-Sitzung«, eine Art Faschingssitzung im Gasthaus der Augustiner Brauerei im »Veitsgrom« statt. Bis 1913 fanden laut Chronik immer wieder Faschingszüge, Theateraufführungen, Sitzungen des »Obergerichts«, Faschingstreiben, Geldbeutelwaschen oder Kaffeekränzchen statt. Für die Zeit zwischen 1914 und 1918 sowie zwischen 1936 und 1949 sind keine Aktivitäten der Zunft dokumentiert, wie Josefine Dumebi berichtet.

Ein Aus für den Fasching bedeutete dies aber nicht. Nach der »braunen Zeit« nahm die Faschingsgaudi ab 1950 wieder Fahrt auf. Dokumentiert sind ein Kinderball und der Faschingsumzug. 1953 machen die Veitsgroma zum ersten Mal nach dem Krieg wieder beim Faschingszug in Salzburg mit, sie gehen – wie zuletzt 1935 – als Germanen. Im selben Jahr wird auch zum ersten Mal ein Prinzenpaar gekürt: seine Tollität Naugei I und Ihre Lieblichkeit Lilli I. Der Fasching begann sich wieder zu etablieren.

»1958 feiert das Männerballett sein Debüt«, berichtet Dumebi und merkt an: »Fasching war die längste Zeit eine Männerdomäne, Frauen tauchten in Funktionen erst sehr spät auf«. 1976 hatten die Veitsgroma Tanzgruppe und das gemischte Ballett ihren ersten Auftritt beim Faschingstreiben. Eine reine Frauengarde gab es erstmals 1984. Mit dabei auch die beiden heutigen Vorsitzenden Josefine Dumebi und ihre Schwester Marietta Lapper, die zweite Präsidentin.

Der Fanfarenzug bereichert das Faschingstreiben seit 1964, der ein Jahr später zum ersten Mal beim Fasching zu hören war. »Unser Fanfarenzug ist aber keine reine 'Faschingkapelle', sie tritt auch während des Jahres bei entsprechenden Gelegenheiten auf«, betont die Präsidentin. Bis aus der Zunft ein eingetragener Verein wurde, dauerte es letztlich 80 Jahre, denn erst 1979 durfte sich die »Veitsgroma Zunft« als e.V. bezeichnen.

Für die Vorstandschaft und allen voran Präsidentin Josefine Dumebi sind 123 Jahre »Veitsgroma Zunft« ein besonderer Grund zum Feiern, schließlich sei der Chiemgau nicht gerade als »Faschingshochburg« verschrien, mit Umzügen und Faschingstreiben wie man es aus anderen Gegenden Deutschlands kenne. Der Verein hat sich etabliert und rund 250 Mitglieder, »bunt gemischt von der Altersstruktur her«, wie Dumebi mit Freude feststellt. Auch die beiden faschingslosen Jahre hätten keinen Mitgliederschwund mit sich gebracht. Zwar konnte man nur eingeschränkt proben – »zuletzt im Dezember« –, aber das Programm für den Jubiläumsball steht bereits. »Der Zusammenhalt ist fester geworden«, ist Dumebi überzeugt. »Garde und Kindergarde sind soweit, die müssen nur noch ein paar Mal zur Auffrischung trainieren, dann sitzt alles wieder.« Was sich die Vereinspräsidentin wünscht: »Dass die Leute den Fasching mit dem Herzen leben und mitfeiern.«

vew

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