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Sie sitzen derzeit auf dem Schlaraffenthron (von links): Ritter Optimus der cäsarische Schalk (Markus Kaiser) und Ritter Steinhari Ben Pexl (Walthari Fuchs). Als Kantzler fungiert Ritter Bleib-G´sund der Kassenpilot (Wolfgang Dietz). Im Vordergrund sind die »Streitrösser« zu sehen. Auf diesen tragen die Ritter ihre »Duelle« aus. (Foto: Wannisch/privat)

Truna Bavariae: Es leben die Kunst, die Freundschaft und der Humor

Traunstein – Unter dem ausgebauten Dach des Kotterhauses am Taubenmarkt ist ein Ort, den wohl nur wenige Traunsteiner kennen. Unten am Eingang ist eine unscheinbare Tafel angebracht, auf der Truna Bavariae steht. Oben, im zweiten Stock befindet sich das schlaraffische Reych der Truna Bavariae. An den Balken hängen Dutzende kunstvoll bemalter Wappen. Ein großer, ausgestopfter Uhu begrüßt jeden Besucher. Auf den ersten Blick ein typisches Vereinslokal – die Burg – mit vielerlei Klimbim aus längst vergangenen Zeiten. Vorne an der Stirnseite steht etwas erhöht ein großes Pult (Thron) mit drei Plätzen. Es gibt ein Rednerpult (Rostra). Auf dem Thron sitzen bei den Sippungen die drei Oberschlaraffen. Derzeit sind das Ritter Feit-si-nix von der langen Streck, Ritter Steinhari Ben Pexl und Ritter Optimus der cäsarische Schalk sowie Kantzler Ritter Bleib-G´sund der Kassenpilot.


Wenn sich Männer zum Karteln am Stammtisch treffen, ist das in Bayern nichts Ungewöhnliches. Wenn aber die Ritter des Reychs Truna Bavariae am Dienstagabend zur Liendlburg aufbrechen, ihre Helme aufsetzen und als Sassen einer Sippung beiwohnen – dann taucht man in der Welt der Schlaraffenein.

Schlaraffen, Reych, Sasse? Noch nie gehört? Die Schlaraffen tauchen selten in der öffentlichen Wahrnehmung auf. Ein Geheimbund sind sie aber nicht. »Am ehesten kann man uns vielleicht als eine besonders skurrile Kleinkunstbühne beschreiben«, sagt der Traunsteiner Wolfgang Dietz. Er ist seit 30 Jahren Schlaraffe und als Ritter Bleib-G'sund der Kassenpilot bekannt. Wer weiß, dass Dietz früher für die DAK gearbeitet hat und gerne Modellflugzeuge baut, dem erklärt sich der Name. Ähnlich ist es bei Bauingenieur Walthari Fuchs, da er aus Stein kommt und Sohn eines Schlaraffen ist, kommt der Rittername »Steinhari Ben Pexel« zusammen. Den Ritternamen denkt sich ein Schlaraffe übrigens selbst aus.

Die Schlaraffia ist in Reychen organisiert. Es gibt sie weltweit, überall dort, wo Deutsch gesprochen wird. Das Traunsteiner Reych »Truna Bavariae« – Das sonnige Reych« wurde im Februar 1949 gegründet. Ihre Ursprünge hat die Schlaraffia in der Prager Künstlerszene des 19. Jahrhunderts. Einer Zeit, die noch stark von Adelsherrschaft und einem Klassen- und Obrigkeitsdenken geprägt war. Im Oktober 1859 wurde in der tschechischen Metropole, in der man damals auch Deutsch sprach, das erste Reych gegründet.

Auch wenn die wöchentlichen Treffen derzeit coronabedingt ausgesetzt sind: Wer die Schlaraffen kennenlernen möchte, kann sich mit Wolfgang Dietz unter Telefon 0861/2646 oder per E-Mail wolfgang.dietz(at)kabelmail.de in Verbindung setzen. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite www.trunabavariae.de.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der heutigen Dienstagsausgabe, 28. Dezember, des Traunsteiner Tagblatts.

Verena Wannisch

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