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Lindl zeigt dem kleinen Felix die Stadt

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Kinderstadtführer für Traunstein erstellt
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Yannick Surkau hat einen Kinderführer erarbeitet. Der Titel des Büchleins, das wie ein »Pixi Buch« aussieht, lautet »Mit dem Lindl unterwegs durch Traunstein«. (Foto: Pültz)

Traunstein – Lindl steht auf dem Stadtplatz und zeigt mit seiner rechten Hand auf den Jacklturm. Er fängt an zu erzählen – und Felix spitzt die Ohren. »Dieser Turm wurde vor langer Zeit erbaut«, sagt Lindl. »Er diente als Wehrturm.« Nach dem Stadtbrand von 1851 sei er dann für lange Zeit nicht mehr aufgebaut worden. »Erst als sich eine Organisation für seinen Wiederaufbau einsetzte, wurde er ab 1998 nach alten Plänen wieder errichtet und 2000 eröffnet.«


Lindl – das ist der steinerne Geselle, der normalerweise den Brunnen in Traunsteins Zentrum schmückt. In dem neuen Kinderstadtführer, den der 19-jährige Yannick Surkau erarbeitet hat, ist Lindl jedoch quicklebendig. Mit dem Buben Felix geht er auf eine Rundreise durch die Stadt und zeigt ihm besonders sehenswerte Straßen, Plätze, Häuser und vieles mehr.

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»Mit dem Lindl unterwegs durch Traunstein«: So lautet der Titel des kleinen Stadtführers, den der Abiturient im Rahmen einer Seminararbeit an der Staatlichen Fachoberschule Traunstein zum Thema »Kunst und Kultur in Südostbayern« entworfen hat. »Ich hatte keine Lust, etwas Wissenschaftliches zu machen«, blickt er zurück auf die Geburtsstunde seines kleinformatigen und bunten, mit Text und Bildern ausgestatteten Werks. Also habe er sich einer praktischen Arbeit zugewandt: dem Entwurf eines Büchleins für Mädchen und Buben mit Informationen über Traunstein.

Nicht irgendein Format, sondern ein ganz bestimmtes wählte der 19-jährige Abiturient aus Traunstein. So hat der Kinderstadtführer, den er jetzt, rund ein Dreivierteljahr nach dem Beginn der Arbeit fertig in seinen Händen hält, eine verblüffende Ähnlichkeit mit den »Pixi Büchern« – mit jenen kleinen Heften, die schon seit Generationen Kinderherzen schneller schlagen lassen. Der Abiturient hat, wie er verrät, »stapelweise 'Pixi Bücher' zuhause« – und, natürlich, hat er sie früher allesamt immer und immer wieder gelesen.

Die Geschichte, die Yannick Surkau erzählt, beginnt mit einem großen Staunen: »'Der da oben muss sich doch fürchterlich langweilen, der steht bestimmt nicht erst seit gestern da', murmelt Felix, während er sich mit seinem Erdbeereis auf einer der Bänke des Traunsteiner Stadtplatzes plumpsen lässt. 'Von wegen langweilen! Seitdem ich hier stehe, ist vieles geschehen rund um den Stadtplatz', antwortet ihm plötzlich die steinerne Statue des Brunnens.« Lindl steigt herab – und der Rundgang beginnt.

Über Monate hinweg hat der Kinderstadtführer den der 19-Jährigen in Atem gehalten. Nicht nur eine schriftliche Arbeit, die von schulischer Seite her verlangt war, verfasste der Abiturient. Nach der Abgabe ging er außerdem mit seinem Werk in Druck. Viele Wochen zusätzliches Feilen an der Ausgestaltung der Kinderlektüre waren angesagt, ehe »Mit dem Lindl unterwegs durch Traunstein« dann schwarz auf weiß, oder besser gesagt, wenn man auf die vielen Illustrationen blickt, bunt auf bunt vorlag. Denn viele farbige Zeichnungen leuchten in dem Büchlein.

Mit großer Begeisterung und – da macht der 19-Jährige kein Hehl daraus – mit tatkräftiger Unterstützung seitens seiner Familie vollbrachte er das Werk. »Meine Mutter hat mir viel geholfen«, sagt Yannick, »und vor allem auch meine Taufpatin.« So erzählt der Abiturient, dass Petra Sohn die Illustration übernommen und wunderschöne Zeichnungen zum Gesamtwerk beigesteuert habe. Weil seine Taufpatin in Ladenburg bei Heidelberg wohnt und Traunstein nicht kennt, hat er ihr immer wieder Fotos geschickt, ebenso jede Menge selbst angefertigter Skizzen darüber, wie man die eine oder andere Ecke der Stadt zeichnen könnte.

All die Mühe, die sich er und seine Helferinnen gaben, lohnte sich am Ende allemal. So freute sich Yannick, dass er 14 Punkte – eine glatte Eins – auf seine Seminararbeit bekam. Und er war dann auch begeistert, dass er vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein für seinen originellen Kinderstadtführer den Max-Fürst-Jugendpreis erhielt.

Auch eigene Erlebnisse und Vorlieben hat der 19-Jährige, wie er verrät, in die Geschichte miteingebaut. So gehen Lindl und Felix auf ihrem Rundgang auch an der Schaumburgerstraße entlang – dort, wo am Ostermontag seit 1892 Jahr für Jahr der Georgiritt vorbeiführt. Yannick Surkau lässt Lindl sagen: »Das ist ein großer Festzug mit mehreren hundert Pferden und noch viel mehr Besuchern.« Und zum Georgiritt gehöre der traditionelle Schwerttanz, der am Stadtplatz aufgeführt wird und den Einzug des Frühlings symbolisieren soll – jener Tanz, an dem der 19-Jährige als Akteur mitwirkt. pü

Der Kinderstadtführer »Mit dem Lindl unterwegs durch Traunstein«, den Yannick Surkau erstellt hat, ist kostenlos in der Tourist-Info im Rathaus der Stadt Traunstein erhältlich.