Kulturforum Klosterkirche erstrahlt in neuem Glanz

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Historisches trifft auf Modernes: Der mit Kupferverblechung gestaltete, längliche Anbau sowie der Neubau (rechts) der Klosterkirche wurden bewusst nicht historisiert. Die Bänke im Innenhof des Kulturforums sind so platziert, dass sie den ehemaligen Kreuzgang des Kapuzinerklosters nachempfinden. (Fotos: Wannisch/Hauser)
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In hellen Farben erstrahlt das Gewölbe der Klosterkirche. Die Anordnung der Sitze wurde geändert, die Bühne steht nun seitlich im Hauptschiff der ehemaligen Kirche.
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Ein modernes Treppenhaus führt im Südflügel in die oberen Stockwerke. Die unfertig erscheinenden Wände wurden bewusst nicht neu verputzt, damit die alten Farbschichten sichtbar bleiben.
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Das neue Depot für die Gemälde der Städtischen Galerie.

Traunstein – Strahlende Gesichter vor einer strahlenden Fassade: Stolz präsentierten Architekt Peter Färbinger und die beiden Hausherrinnen, Alexandra Birklein und Judith Bader, den Mitgliedern des Stadtrats das nach sieben Jahren Sanierung fertiggestellte Forum Klosterkirche. Man habe viel gelitten, »das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen, das muss man neidlos anerkennen«, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Dem Start der Traunsteiner Sommerkonzerte am heutigen Dienstag stehe nichts mehr im Weg.


Historisches und Modernes zu kombinieren und dabei die Vorgaben des Denkmalschutzes zu berücksichtigen, das sei eine Herausforderung gewesen, sagte Peter Färbinger im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Vom ehemaligen Kapuzinerkloster waren nach der Säkularisation nur die Kirche und der Südflügel aus dem 17. Jahrhundert übrig, wie der Architekt eingangs berichtete. West- und Nordflügel, die zusammen mit dem heute noch bestehenden Ensemble einen Klosterhof umgaben, wurden bereits im frühen 19. Jahrhundert abgerissen. Das Gebäude hatte im Laufe der vergangenen 200 Jahre verschiedene Nutzungen vom Lazarett bis hin zur Mädchenschule.

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Diese wechselvolle Geschichte sowie die vernachlässigten Unterhaltsmaßnahmen in den vergangenen 200 Jahren hätten, so der Architekt, auch dazu geführt, dass die Bausubstanz an vielen Stellen – allen voran die beiden Dachstühle – nicht sehr gut war. Dies habe während der Sanierung zu zahlreichen Problemen geführt. »Wir haben viel durchmachen müssen«, sagte Peter Färbinger.

Farben nach historischem Vorbild

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Historisches trifft auf Modernes: Der mit Kupferverblechung gestaltete, längliche Anbau sowie der Neubau (rechts) der Klosterkirche wurden bewusst nicht historisiert. Die Bänke im Innenhof des Kulturforums sind so platziert, dass sie den ehemaligen Kreuzgang des Kapuzinerklosters nachempfinden. (Fotos: Wannisch/Hauser)

In historischen Farben wurden der Südflügel und die Klosterkirche gestaltet. »Die Farben entsprechen denen, die Mitte des 18. Jahrhunderts verwendet wurden, und lehnen sich farblich an die Hausfassaden der näheren Umgebung an«, sagte Färbinger. Zudem haben Untersuchungen ergeben, dass beide Gebäude in der Vergangenheit bereits in ähnlichen Farben gestrichen waren.

Das Foyer und der Eingangsbereich für die Veranstaltungen im Kulturforum sind im Südflügel, wo es auch einen Getränkeverkauf gibt; die Garderoben und Sanitäranlagen befinden sich im Untergeschoß. In neuem Gewand präsentiert sich auch die Städtische Galerie, die im ersten, hauptsächlich aber im zweiten Obergeschoß, ihre Räumlichkeiten hat. Aktuell wird eine erste Ausstellung vorbereitet unter dem Titel »Kulissenwechsel«, die am 17. September eröffnen soll.

Neben flexiblen Ausstellungswänden im Kapuzinersaal im 1. Stock, die diesen Raum zu einem Multifunktionssaal machen, hob Architekt Peter Färbinger die teils unverputzten Wände hervor. Der Denkmalschutz habe hier gefordert, die unterschiedlichen, bereits vorhandenen Farbschichten freizulegen und nicht wieder weiß zu verputzen. »Das gibt dem Kapuzinersaal einen Werkstattcharakter«, sagte Färbinger. Im zweiten Stock, wo die Galerie ihren Ausstellungsraum hat, wurden die Balken freigelegt und mit Kalkfarbe weiß gestrichen. Die Struktur des Gebälks wurde so optisch betont.

Im Untergeschoß des Südflügels finden auch die beiden Depots der Städtischen Galerie ihre neue Heimat. Wie Leiterin Judith Bader erläuterte, haben dort die rund 800 Gemälde sowie die gut 2200 weiteren Exponate der städtischen Sammlung optimale Lagerbedingungen. Für das Gemäldedepot wurden spezielle Schieberegale eingebaut. Der Raum kann optimal auf rund 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine gleichmäßige Temperatur von 18 bis 20 Grad eingestellt werden.

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Ein modernes Treppenhaus führt im Südflügel in die oberen Stockwerke. Die unfertig erscheinenden Wände wurden bewusst nicht neu verputzt, damit die alten Farbschichten sichtbar bleiben.

Die Gebäudetechnik und die Fernwärmeheizung wurden im Untergeschoß des Anbaus integriert. Dieser präsentiert sich als modernes, mit Kupferblechen verschaltes Bauwerk im Innenhof und ist ein »bewusster Bruch zum historischen Ensemble«, sagte Färbinger auf Nachfrage. Man entschied sich gegen eine historisierende Angleichung und für etwas Eigenständiges und Modernes.

Vieles hat sich auch in der Klosterkirche getan. Das Gewölbe wurde gestützt, jedoch sind auch hier bewusst, wie Peter Färbinger betont, auf Verlangen des Denkmalschutzes Risse sichtbar geblieben. »Man soll sehen, dass es ein altes Gewölbe ist.« Neu sind an den Seiten bodenlange, spezielle Vorhänge, die für eine optimale Akustik sorgen sollen. Sie sind an Schienen angebracht, da weder eine Verankerung in den Wänden noch an der Decke möglich waren. »Nichts darf von der Decke hängen, das den Blick auf das Gewölbe versperrt«, betonte der Bauleiter. Jedoch machte Färbinger klar, dass es sich bei der Klosterkirche um einen sakralen Bau handelt, der eine erhöhte Nachhallzeit habe. »Für Popmusik ist die Klosterkirche nicht geschaffen«, so der Experte.

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In hellen Farben erstrahlt das Gewölbe der Klosterkirche. Die Anordnung der Sitze wurde geändert, die Bühne steht nun seitlich im Hauptschiff der ehemaligen Kirche.

Um die Zugluftproblematik im Kirchenraum, die durch die große Deckenhöhe bedingt ist, besser in den Griff zu bekommen, müsste das Dach noch gedämmt werden, riet Färbinger dem Stadtrat. Konkret geplant ist dies noch nicht, sei aber sinnvoll, da sich so eine Kondenswasserbildung im Gewölbe vermeiden ließe.

Über die finalen Kosten der Sanierung schwieg sich Oberbürgermeister Hümmer gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt aus. »Wir rechnen ab, wenn alle Leistungen erbracht sind«, sagte Hümmer. vew

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