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Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (rechts) kandidiert zum dritten Mal für dieses Mandat. Neu als Grünen-Kandidatin für den Bezirkstag wurde Martina Wenta aus Traunstein gewählt, (Foto: Giesen)

Kreisverband Bündnis90/Die Grünen: Gisela Sengl und Martina Wenta als Kandidatinnen für Landtag und Bezirkstag aufgestellt

Traunstein – Unter großer Beteiligung der Mitglieder wählte der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen im Gasthaus Sailer Keller seine Kandidaten für Landtag und Bezirkstag bei den Wahlen im Herbst 2023. Ohne Gegenkandidaten stellte sich Gisela Sengl erneut zur Wahl für ihre dritte Legislaturperiode im Landtag und wurde fast einstimmig gewählt. In ihrer Bewerbungsrede stellte sich die gebürtige Münchnerin vor, die seit 1982 in Nirnharting lebt. Dort habe ihr Sepp Daxenberger seinerzeit geholfen, in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. »Kritisch sein, aber nicht verächtlich, streiten können ohne Verletzungen, respektvoll und konstruktiv bleiben auch in der politischen Auseinandersetzung – das ist unabdingbar für eine Demokratie«, sagte Sengl. Das alles erscheine angesichts der Weltlage ein »echter Luxus« zu sein. Vieles führte sie auf, was man jetzt brauche, zum Beispiel mehr Demut und weniger Stress, mehr Bewusstsein für die wichtigen Dinge im Leben, regionales Wachstum mit regionaler Wertschöpfung, frisch gekochtes Essen in der Schule, Bäcker, Metzger, Installateure, Kartoffeln aus Bayern und einiges mehr. Deshalb wolle sie zusammen mit den Grünen einen Regierungswechsel in Bayern erreichen. 


Auf Fragen aus dem Publikum antwortete Gisela Sengl, dass sie sich nicht mehr an den Ostermärschen im Landkreis Traunstein beteiligen werde, solange von den Organisatoren keine echte Distanzierung vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erfolge. Weiter sagte sie, dass Windkraft und Fotovoltaik viel stärker gefördert werden müssten als bisher. »Die ganze Energiewende hat 2001 begonnen, ist aber in den letzten 16 Jahren systematisch zerstört worden«. Auf eine weitere Frage antwortete sie, dass sie vor der AfD im Wahlkampf sicher keine Angst habe, »viel eher die vor mir«.

»Wir rocken den Bezirkstag«

Zwei Bewerbungen gab es für die Kandidaten im Bezirkstag: Martina Wenta und Margarete Winnichner. Mit zwei Stimmen Mehrheit fiel die Wahl auf Wenta.

Die 36-jährige, alleinerziehende Mutter dreier Kinder zwischen drei und 18 Jahren kommt aus Traunstein. Sie arbeitet seit eineinhalb Jahren bei der Agentur für Arbeit in Rosenheim als Arbeitsvermittlerin für Pflege und Soziales. Vorher war sie 13 Jahre bei den Justizbehörden in Traunstein. Über die Piratenpartei wurde Wenta 2013 in den oberbayrischen Bezirkstag gewählt, wo sie Mitglied im Personalausschuss und in der Kommission für Kinder- und Jugendarbeit war sowie im Sozial- und Gesundheitsausschuss. Außerdem war sie Delegierte für den Bezirkstag und in der Arbeitsgruppe Umwelt der Grünen-Fraktion. 2018 versuchte Wenta mit dem Verein »Freie Liste Oberbayern« erneut, jedoch vergeblich, in den Bezirkstag zu kommen. 2019 wechselte sie zu Bündnis 90/Die Grünen und wurde 2020 in Traunstein zur Ortssprecherin gewählt. Wenta erzählte freimütig aus ihrem oft schwierigen, von Armut bedrohten Leben als alleinerziehende Mutter. Ihr liegen besonders mehrfach marginalisierte Gruppen der Gesellschaft am Herzen, so psychisch Kranke, die sich keine Lobby aufbauen können, besonders solche mit Migrationshintergrund, ebenso die immer noch benachteiligten Frauen, umso mehr Frauen mit Behinderung. In Schule und Kita bedürfe es mehr Inklusion, mehr Fachpersonal, Barrierefreie Lehr- und Lernmaterialien sowie eine Ausweitung des mobilen sonderpädagogischen Dienstes. »Es gibt noch wahnsinnig viel zu tun«. Wenn sie aufgestellt werde, »dann rocken wir den Bezirkstag«, versprach Wenta. Für Fragen blieb kaum mehr Zeit. Im Wahlkampf wolle sie sich gut in den Sozialen Medien aufstellen und viel in Räume gehen, wo sich junge Menschen aufhalten. Außerdem sei ihr die Erhaltung einer gesunden Natur, dabei besonders die Wildbienen, wichtig.

Margarete Winnichner konnte ihre Bewerbungsrede nicht selbst vortragen, wurde aber durch Kreisrätin Marianne Penn aus Trostberg vertreten. Die 63-jährige Winnichner ist verheiratet, wohnt seit 1992 in Übersee, wo sie seit Jahrzehnten im Gemeinderat ist, seit der letzten Wahl ist sie zweite Bürgermeisterin. Sie wuchs in einer Nebenerwerbslandwirtschaft mit Großfamilie im Landkreis Rottal-Inn auf. Sie legte ihr Fachabitur nach einer Ausbildung als Hauswirtschafterin und Erzieherin im zweiten Bildungsweg ab, studierte berufsbegleitend Sozialpädagogik, Sozialbetriebswirtschaft, Supervision und Coaching. Seit über 40 Jahren ist Winnichner bei verschiedenen Trägern in der Jugend- und Behindertenhilfe tätig, derzeit ist sie Fachbereichsleiterin beim Diakonischen Werk in Traunstein mit 1100 Mitarbeitern, wo sie stellvertretende Geschäftsführerin ist. 2023 geht sie in Rente, was sie dafür nutzen möchte, sich weiter politisch und ehrenamtlich für den Klimaschutzarbeitskreis, mit Gruppen von engagierten Bürgern für die Betreuung von Geflüchteten und Menschen einzusetzen, die »durch die Maschen unseres Sozialsystems fallen«. In den vielen Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit und des bürgerschaftlichen Engagements habe sie oft erlebt, dass Regelungen trotz gesetzlicher Grundlagen nicht ausreichend umgesetzt würden.

Ohne Gegenkandidatur wurde Margarete Winnichner im letzten Wahlgang bei zwei Enthaltungen als Listenkandidatin der Grünen für die Bezirkstagswahlen gewählt.

gi

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