Freimaurerloge »Zu den Drey Huegeln an der Traun« feiert 25-jähriges Bestehen

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»Meister vom Stuhl« Englbert Rottenmoser steht an der Spitze der Freimaurerloge »Zu den Drey Huegeln an der Traun«.

Traunstein – Ihre Leitideen fürs Handeln lauten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese Prinzipien leben sie, diese Grundsätze zu beherzigen legen sie ihren Mitmenschen nahe: Wie an vielen Orten in der ganzen Welt wirken die Freimaurer auch in Traunstein. »Wir sind ein ethischer Bund auf der Wertebasis der Unantastbarkeit der Menschenwürde«, sagt Englbert Rottenmoser. Als »Meister vom Stuhl« führt er die Loge »Zu den Drey Huegeln an der Traun«.


Die erste Großloge der Freimaurer war einst im Jahr 1717 in London entstanden, 1737 folgte dann die erste deutsche – und zwar in Hamburg. In dieser damals begründeten Tradition stehen auch die Freimaurer in Traunstein. Am Freitag feiern sie das – wie sie sagen – »Stiftungsfest«: die Gründung der Loge vor 25 Jahren. Das Fest beginnt um 19 Uhr im Vereinshaus an der Traunerstraße, Festrednerin ist Dr. Bärbel Kofler, Bundestagsabgeordnete und Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Die Feier ist öffentlich, solange Plätze frei sind, können Besucher dazukommen.

Die Wurzeln der Loge in Traunstein liegen in den 90er Jahren. Zunächst einmal gründeten die Freimaurer 1994 einen Verein. Mit der »Lichteinbringung« schufen sie dann 1995 die Loge. Mit ihr schlossen sie damals die geografische Lücke, die zwischen den Gemeinschaften in Rosenheim, Salzburg und Bad Reichenhall klaffte. Und in den Namen, den sie ihrer Loge gaben, legten sie ein Bekenntnis zu Traunstein: »Zu den Drey Huegeln an der Traun« war abgeleitet aus dem Wappen der Stadt mit den drei Hügeln aus dem Jahre 1383.

40 Freimaurer umfasst die Loge aktuell. In einem Hintergebäude an der Maximiliansstraße treffen sie sich. Wer zu den Zusammenkünften kommt und was sie erörtern, verraten sie nicht. Der Tradition folgend wollen sie unerkannt bleiben und sich nicht in die Karten schauen lassen. Sie möchten als Personen im Hintergrund bleiben, stattdessen gute Werke schaffen und dann mit ihnen in die Öffentlichkeit gehen.

Lang ist die Liste der Spenden, die sie in den vergangenen 25 Jahren gemeinnützigen Zwecken zuführten. Die Freimaurer halfen – im Kleinen wie im Großen. So gaben sie zum Beispiel 2014 einen Essenszuschuss für ein Schulkind in Höhe von 40 Euro. Und 2020 überreichten sie dann 6500 Euro: jeweils 3000 an die Bürgerhilfsstelle im Landratsamt Traunstein und an den Verein Vergissmeinnicht Chiemgau sowie 500 Euro für die Veranstaltung eines Waldwipfelausflugs. Insgesamt spendeten die Freimaurer in all den Jahren rund 33.000 Euro – und auch in Zukunft wollen sie gemeinnützige Zwecke weiter fördern.

»Wir haben kein dogmatisches Lehrgebäude oder eine Ideologie, an das sich die Mitglieder zu halten haben«, erklärt Englbert Rottenmoser für sich und die Seinen. »Freimaurer begreifen sich nicht als Missionare, sondern jeder arbeitet für sich an seiner eigenen Persönlichkeit und wirkt dadurch in seinem persönlichen Umfeld und auch durch gesellschaftliches Engagement.«

Jeder Freimaurer sei frei in seinem Denken und Handeln. Verpflichtet sei er allein den humanistischen Leitideen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Diese Grundsätze für menschliches Handeln seien, wie der »Meister vom Stuhl« weiter ausführt, im Zeitalter der Aufklärung im »Kampf gegen Thron und Altar« – gegen Staat und Kirche – mit deren Herrschaftsanspruch »von Gottes Gnaden« gewachsen. Und diese Ideale haben laut Rottenmoser bis zum heutigen Tag nichts an Aktualität verloren.

Zwar könnte man meinen, dass die Leitideen der Freimaurer längst Wirklichkeit sind, weil sie im Grundgesetz stehen, so Rottenmoser. »Allerdings weiß jeder, dass die Wirklichkeit die ständige Arbeit erfordert, diese Grundrechte und auch die damit verbundenen Pflichten in die Praxis umzusetzen.«

»Wir spüren Verunsicherung, Unzufriedenheit und Verlustängste«, sagt Rottenmoser. In diesem Umfeld seien die Freimaurer dazu aufgerufen, Fragen zu stellen: Fragen nach dem Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, nach größtmöglicher Beteiligung der Bürger am Gemeinwesen und nach der zeitgemäßen Gestaltung Europas. Der »Meister vom Stuhl« betont: »Wir dürfen uns dabei nicht als Prinzipienreiter aufspielen mit absolutem Wahrheitsanspruch.«

Die Freimaurer dürften sich nicht von »lautstarken Meinungen verunsichern lassen«, sondern sollten sich von der Aufforderung Immanuel Kants »Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen« leiten lassen. Rottenmoser: »Jeder muss die innere Sklaverei der Vorurteile abschütteln und sich gegen Bevormundung, woher auch immer, wehren. Dazu gehören Mut und Vertrauen in die eigene Stärke und Denkfähigkeit.«

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