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Von Traunstein in die Nationalmannschaft

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Dilan Aggül – hier noch im Saaldorfer Bayernliga-Trikot – hat den Sprung ins türkische Nationalteam geschafft. Sie spielt inzwischen bei Leverkusen. (Foto: Butzhammer)

Wer mit Dilan Aggül spricht, spürt sofort ihren Ehrgeiz: »Ja, ich will Profi werden«, sagt sie im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt selbstbewusst. Bis in den Frühsommer dieses Jahres hinein kickte die 20-Jährige beim SV Saaldorf in der Bayernliga der Fußballdamen.


Jetzt befindet sich die gebürtige Traunsteinerin gerade in Tiflis, denn dort bestreitet das türkische Frauen-Nationalteam einen Lehrgang mit zwei Freundschaftsspielen gegen Georgien – und Dilan Aggül ist dabei, zum ersten Mal im Trikot mit dem Halbmond. »Das ist schon eine tolle Sache, aber genau das war mein Ziel«, sagt sie. Jetzt muss sie sich auf ein komplett neues Umfeld und andere Teamkolleginnen einstellen – mit Selin Disli ist nur eine Spielerin aus ihrer aktuellen Leverkusener U-23-Mannschaft mit dabei – sowie neue taktische Vorgaben lernen.

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Die Sprache als Herausforderung

Für Dilan Aggül ist das aber absolut kein »muss«, sondern ein »darf«. Sie liebt diese Herausforderungen, die Sprache ist viel schwieriger für sie: »Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Ich kann mich zwar ganz gut auch auf Türkisch unterhalten, habe aber vor allem in der Aussprache Defizite.«

Dilan Aggül besitzt ausschließlich die türkische Staatsbürgerschaft und kann für ihr »eigentliches« Heimatland auflaufen. Im Kindergarten-Alter eiferte sie ihrem ein Jahr älteren Bruder Diyar nach: »Ich wollte alles machen, was er macht. Er hat Fußball gespielt, also hab ich das auch gemacht.« Angefangen hat alles da war Dilan fünf Jahre alt.

Nachdem sich ihr Team aufgelöst hatte, wechselte sie als C-Jugendliche zum SC Vachendorf und kam nach zwei Jahren – noch immer als Juniorin – zurück zu den Kreisstädterinnen, die in der Bezirksliga kickten. Danach probierte Dilan Aggül ihr Glück mit einem Spielerberater in Sachsen und Sachsen-Anhalt, doch die Mission misslang, es ging wieder zurück nach Traunstein.

»Ich hörte jedoch immer wieder von Saaldorf und dass dort der in der Region höchstklassigste Frauen-Fußball gespielt wird«, erinnert sie sich. Nach einem Probetraining heuerte sie – trotz vieler kritischer Stimmen – beim damaligen Landesligisten an. »Mir wurde von diesem Schritt abgeraten, weil ich körperliche Defizite hätte. Ich habe ihn aber dennoch gewagt – und nie bereut.« Dilan Aggül machte alles richtig, wurde im Team von Trainer Peter Prechtl rasch wichtige Stammspielerin und stieg in ihrer ersten Saison beim SVS – 2015/16 – gleich in die Bayernliga auf. »Das Umfeld dort war schon toll«, lobt sie im Nachgang, das Training in Saaldorf habe sie »unglaublich weitergebracht. Da war richtig Zug drin, ich konnte mich körperlich enorm weiterentwickeln.«

Auch in der vierthöchsten deutschen Liga klappt es bestens, Saaldorf beschloss die beiden Bayernliga-Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 mit Dilan Aggül auf den Rängen fünf und drei. Nach der letzten Partie im SVS-Trikot am 26. Mai dieses Jahres verabschiedete sie sich nach einem 4:0-Heimsieg gegen den FC Pegnitz mit 19 Jahren von ihren SVS-Kolleginnen und machte sich auf den Weg nach Leverkusen.

Bei Bayer Leverkusen ist sie Stammspielerin

Und selbst in der Bayer-U-23 wurde Dilan Aggül sofort Stammspielerin. Sie kickt nun mit ihrem neuen Team in der Mittelrhein-Liga als Unterbau der Bundesliga-Truppe. In den bislang sechs Spielen gelangen der Mittelfeldspielerin – die normalerweise eher als Vorbereiterin glänzt – schon drei Tore. Für Saaldorf waren es in drei Jahren »nur« zwei, oft legte sie Treffer mit klugen Zuspielen in die Tiefe vor allem für Zerina Omeradzic auf. Mit Leverkusen steht die nun 20-Jährige aktuell aussichtsreich auf dem 2. Platz, nur ein Punkt trennt die Mannschaft vom Spitzenreiter SV Menden.

Den Kontakt zu ihren ehemaligen Saaldorfer Team-Kolleginnen hält Dilan Aggül aufrecht, jede Woche schaut sie, wie der SVS gespielt hat. »Es läuft dort weiterhin richtig gut, das freut mich sehr.«

Freilich plant sie zweigleisig, für den Fall, dass es mit der Profi-Karriere am Ball doch nicht klappen sollte: »Heuer hab ich mein Fachabitur gemacht, jetzt belege ich ein Fernstudium in Ernährungswissenschaften.«

Momentan steht die persönliche und sportliche Weiterentwicklung – ganz bewusst weit weg von Traunstein – im Mittelpunkt. Ihr Minimalziel ist die II. Bundesliga. »Ich muss aber auf dem Platz noch aktiver werden und taktisch schwierige Sachverhalte besser umsetzen«, sagt sie selbstkritisch. Als Ausgleich zum Sport zeichnet Dilan Aggül, farbenreich mit Öl und Acryl, Porträts in erster Linie.

Die türkischen Verantwortlichen beobachteten Dilan Aggül zuletzt mehrfach in Leverkusen und luden sie darauf hin zum Damen-Nationalteam ein, das in der FIFA-Weltrangliste momentan auf Platz 60 steht. Der steile Weg nach oben geht für die Traunsteinerin also vorerst ungebremst weiter. bit