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Widerstandsunfähige Frau missbraucht?

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Traunstein. Wegen zahlreicher Delikte muss sich ein 43-Jähriger, dessen aktueller Wohnort eine Untersuchungshaftzelle ist, seit gestern vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein verantworten. Angeklagt ist er wegen mutmaßlichen schweren sexuellen Missbrauch und Körperverletzung an einer durch Alkohol und Medikamente widerstandsunfähigen 47-jährigen Frau in Traunstein, wegen Beleidigung und Widerstand gegen Polizeibeamte, wegen gefährlicher Körperverletzung an einer weiteren Frau und anderen Delikten. Den Hauptpunkt wies der 43-Jährige gestern zurück. Die 47-Jährige habe freiwillig mit ihm Geschlechtsverkehr gehabt.


Die von ihrem Ehemann häuslich getrennte lebende 47-Jährige, die mit ihm nach seinen Worten weiterhin eine »harmonische Beziehung« pflegt, verkehrte in Traunstein ab Mai 2013 in Trinkerkreisen. Sie konsumierte regelmäßig Alkohol und musste verschiedene Medikamente, darunter ein Beruhigungsmittel, einnehmen. Oft hielt sie sich mit der Clique im Park auf. Das mutmaßliche Opfer bezeichnete die Bekannten, darunter der Angeklagte, als »stadtbekannte Penner«. Der 43-Jährige habe hin und wieder bei ihr übernachtet – in verschiedenen Räumen. Die Frau erklärte: »Er war ein Kumpel. Es gab keine sexuellen Kontakte.« Am 3. August habe sie das Konzert von Hans Söllner besuchen wollen, sei aber nicht mehr eingelassen worden. Die Gruppe habe sich ein Platzerl gesucht, um sich zu setzen, zu essen und zu trinken. Dazu habe sie Tabletten genommen. Später habe man ein Taxi bestellt, um nach Hause zu fahren. Der Angeklagte sei mitgekommen. »Ich habe mir nichts dabei gedacht«, betonte die Zeugin. Daheim in ihrer Wohnung sei sie ganz benommen eingeschlafen. Als sie kurz wach wurde, sei der Angeklagte über ihr gewesen. Sie habe gesagt: »Was machst denn du da?« An dies erinnere sie sich »ganz deutlich«, beteuerte sie. Sie habe sich nicht wehren können. Danach sei sie »wieder weg gewesen«.

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Vorsitzender Richter Erich Fuchs fragte: »Glauben Sie, dass der Angeklagte bemerkt hat, dass Sie nicht einverstanden waren?« Das bejahte die 47-Jährige. Sie habe versucht, ihn wegzuschubsen. Nochmals hob sie im Zeugenstand heraus: »Wir waren eine Partygruppe. Wir haben Lagerfeuer an der Traun gemacht, gefeiert, sind gemeinsam baden gegangen. Aber zu sexuellen Handlungen kam es nicht.« Dass es ab und zu doch ein bisschen freizügiger herging, führte die 47-Jährige auf den Alkohol- und Tablettenkonsum zurück. Sie habe aber keinen Sex mit dem Angeklagten oder anderen Männern gewollt und gehabt. Ihr Ehemann sagte aus, seine Frau würde ihn nicht betrügen.

Die Frau erstattete gegen den Mann Anzeige wegen Vergewaltigung. Sie wirkte nach Eindruck von Kripobeamten »noch immer benommen«, schläfrig, aber nicht desorientiert. Die Ermittler veranlassten die entsprechenden ärztlichen Untersuchungen. Kripobeamte schilderten im Gericht, der 43-Jährige habe anfangs jede Beteiligung an einer Straftat abgestritten. Man habe aber sein DNA-Muster von früher her in der Kartei gehabt. Dazu ein Beamter: »Er und seine Clique sind amtsbekannt in Traunstein und polizeilich schon in Erscheinung getreten.« Mitarbeiter des Rechtsmedizinischen Instituts an der Universität München wiesen Genspuren des Angeklagten in einem Abstrich vom Opfer nach. Daraufhin gab der 43-Jährige an, die DNA stamme von einvernehmlichem Sex mit der 47-Jährigen – jedoch zu anderer Zeit und in der Nähe des Jacklturms. Dennoch erging im Oktober 2013 Haftbefehl. Zwei Wochen später wanderte der 43-Jährige in Untersuchungshaft.

Zahlreiche Zeugen aus der »Szene« kamen gestern zu Wort. Zur Sprache gelangte auch ein Vorfall an der Traun mit großem Lagerfeuer, bei dem die Polizei erschienen war. Die Zeugenangaben widersprachen sich teils, machten aber deutlich, dass in den Kreisen viel Getratsche herrschte und Gerüchte kolportiert würden – auch zum Thema »Sex«. Mehrere Zeugen erhielten gestern die Warnung, keine Falschaussage zu leisten. Ein Zeuge tauchte überhaupt nicht auf. Der Grund: Er sitzt seit kurzem in einem Gefängnis, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte.

Der Prozess am Landgericht wird fortgesetzt. kd