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Umsätze der Brauereien befinden sich im freien Fall – Das sagen die Betriebe in der Region

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Traunstein: Umsätze der Brauereien wegen Corona-Schließungen im freien Fall – Das sagen Betriebe in der Region
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Was sonst gang und gäbe ist, ist jetzt verboten: In Zeiten der Corona-Krise dürfen die Bürger nicht zusammenkommen und in geselliger Runde eine Maß Bier trinken. Die Feste fallen aus, die Gaststätten sind geschlossen. Nicht nur die Wirte, auch die Brauereien in der Region, die sie beliefern, sind in Sorge. Die Umsätze brechen ein – im In- und im Ausland. (Foto: dpa)

Das Coronavirus trifft die Brauereien in der Region hart. Wie viele andere Gewerbezweige lähmt die Einschränkung des öffentlichen Lebens und Wirtschaftens auch die Bierherstellung. Die Gaststätten hat der Staat geschlossen – die traditionellen Abnehmer des Gerstensafts sind unter den Tisch gefallen. Vor allem im Inland, aber auch im Ausland befinden sich die Umsätze der in der Region stark vertretenen Branche im freien Fall.


Wie in anderen Betrieben ist auch im Hofbräuhaus Traunstein nun plötzlich alles ganz anders – und zwar besorgniserregend. So macht Katharina Gassner, die Marketingleiterin im Haus, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt kein Hehl daraus, dass die Schließung der Gaststätten das Unternehmen »sehr empfindlich« getroffen habe. Denn das Hofbräuhaus orientiere sich vor allem an der Gastronomie. Etwa 60 bis 70 Prozent des Bierausstoßes liefere das Hofbräuhaus den Wirten. Von vergleichsweise geringerer betriebswirtschaftlicher Bedeutung seien die anderen beiden Pfeiler des Gesamtgeschäfts: die Festveranstaltungen und der Getränkehandel.

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Seine Abnehmer hat das Hofbräuhaus vor allem im Inland. Doch ein beträchtlicher Teil des Bieres geht auch über die Grenze. Nach Angaben von Gassner liefert das Unternehmen seinen Gerstensaft zum Beispiel auch nach Russland, der Export gehe sogar bis nach Asien. Den Löwenteil des Auslandsgeschäfts mache das Hofbräuhaus jedoch in Italien. Etwa zwei Drittel des gesamten Bierausstoßes gehen ihren Angaben über die Alpen.

Dass das Coronavirus vor allem auch Italien so sehr und so schwer im Griff hat, trifft auch das Hofbräuhaus Traunstein. Lieferungen über die Grenzen seien zwar nach wie vor zulässig, doch die Nachfrage sei weggebrochen, sagt Gassner. Die Vertragspartner müssten kaum noch Lastwagen nach Traunstein schicken, um Bier abzuholen. Auch die Gaststätten in Italien seien geschlossen – mit Folgen für den Bierhersteller in Traunstein. Das Geschäft in Italien »geht gegen Null«, sagt die Marketingleiterin. »Wir beliefern nur noch ein paar Getränkemärkte.«

In ähnlichen Nöten wie das Hofbräuhaus Traunstein ist auch die – nicht weit entfernte – Privatbrauerei Schnitzlbaumer. Vor allem das Geschäft in der Region geht zurück. Philipp Frauendörfer, der Chef, sagt, dass die Corona-Krise schwerwiegende Auswirkungen mit sich bringe. »Hier bangen und hoffen wir mit unseren Wirten und versuchen alles, um unsere Wirte bestmöglich zu unterstützen. Sei es durch komprimierte Informationen zu Hilfsanträgen und Kurzarbeit, Austausch und Gutschrift der Ware sowie Pachterleichterungen.«

Die Covid-19-Pandemie beeinträchtige auch das Geschäft im Ausland. »Wir liefern eigentlich nur innerhalb der EU in verschiedene Länder – hauptsächlich nach Italien und in die skandinavischen Länder«, so Frauendörfer. »Unsere Kunden beliefern wiederum ausschließlich Hotels und Gaststätten, so dass wir hier ebenso von den Ausgangssperren, Quarantänemaßnahmen und Betriebsschließungen betroffen sind.« Derzeit sei das Exportgeschäft »entsprechend ruhig«. Und der Chef der Brauerei weiter: »Wir sind allerdings mit unseren Kunden im Ausland in ebenso engem Kontakt wie mit unseren Wirten in der Region und gehen davon aus, dass sich das Exportgeschäft wieder erholen wird.« In welchem Maße die Privatbrauerei Schnitzlbaumer mit dauerhaften Einbußen und Umsatzrückgängen rechnen muss, könne man derzeit nicht abschätzen.

Das ist auch für Rudi Wochinger von der gleichnamigen Brauerei in Traunstein schwer zu sagen. Derzeit sei das Exportgeschäft ein sehr schwieriges. »Wir haben in Österreich vier und in Italien zwei Kunden, die selber bei uns abholen – seit 9. März kein Bezug mehr«, sagt Rudi Wochinger im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. »Das ist wirklich nicht lustig gerade.« Der Fassbierbereich etwa sei komplett »auf Null – sowohl im Inland als auch im Ausland«. Nur beim Verkauf des Flaschenbiers im Getränkehandel könne er eine leichte Steigerung feststellen. Nicht zu wissen, wie und wann es wieder weitergehe, sei extrem belastend. »Das Bier braucht sechs Wochen. Wie viel produzieren wir also?«, fragt Rudi Wochinger. Eine Planung sei derzeit unmöglich und erschwere das eh schon stark gebeutelte Geschäft.

Auch die Brauerei Wieninger in Teisendorf hat mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Nach Angaben von Bräu Christian Wieninger bricht aktuell über die Hälfte des Umsatzes weg. Der Absatz in der Gastronomie gehe momentan gegen Null, im Handel und Heimdienst laufe das Geschäft noch stabil. Der Export, der bei Wieninger keine große Rolle spielt – allein im grenznahen Bereich im Salzburger Land geht einiges – entfalle komplett. »Wir kämpfen an zwei Fronten«, führt Christian Wieninger aus. »Zum einen müssen wir den Betrieb aufrechterhalten und sicherstellen, dass möglichst keiner unserer Mitarbeiter krank wird, vor allem im Produktionsbereich, das heißt beim Bierbrauen als auch bei den Bierfahrern, die die Getränke ausliefern. Zum anderen müssen wir alles tun, um die wirtschaftlichen Folgen so abzufangen, dass sie nicht unsere Existenz bedrohen«, so Wieninger. pü/KR/kon

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