weather-image
12°

Stadtpfarrkirche ab Pfingsten für zweieinhalb Jahre geschlossen

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Es wird viel gebaut in der Pfarrei Sankt Oswald. Gerade auch geplante Maßnahmen in der Stadtpfarrkirche entwickeln sich zu einem Mammutprojekt. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Mit diversen Baustellen und anstehenden Baumaßnahmen sieht sich derzeit die Pfarrei Sankt Oswald konfrontiert. Diese betreffen sowohl die Kirchen in Sparz, Ettendorf wie im Stadtpark. Die größte Maßnahme steht aber in der Stadtpfarrkirche an. Genügend Gründe für Stadtpfarrer Georg Lindl und die Verantwortlichen in den Kirchengremien, die Mitglieder bei der Pfarrversammlung über den Stand der Entwicklungen zu informieren.


Lindl informierte über die anstehenden Baumaßnahmen. In Ettendorf wolle man den Chorraum aufwerten. Private Geldgeber würden hier die Kosten für das Stocken des Bodens übernehmen. Auch ein neuer, angemessener Altar werde gebaut, wie der Stadtpfarrer anhand eines Modells zeigte. Zum 125-jährigen Bestehen des Georgivereins im kommenden Jahr ist die Altarweihe am Ostermontag durch Kardinal Reinhard Marx vorgesehen. Die Gesamtkosten der Maßnahme betragen 65 000 Euro, die weitestgehend von privaten Spendern erbracht werden. Für die Pfarrei entstehen kaum größere Kosten.

Anzeige

»Eigentlich wollten wir nur Schindeln auswechseln«

In Sparz habe man begonnen Schindeln auszutauschen. »Aber am Dachstuhl gibt es enorme Schäden, auch an der Fassade bestehen Schäden«, betonte Kirchenpfleger Hannes Huber. Er wies darauf hin, dass die Kosten für die Sanierung in Sparz bei knapp 550 000 Euro liegen. Finanziert werden soll das Ganze durch Zuschüsse der Erzdiözese von rund 507 000 Euro. Der Eigenanteil für die Pfarrei liegt bei rund 40 000 Euro. Man mache sich daran, von Stadt, Landkreis sowie weiteren öffentlichen Trägern, Zuschüsse zu beantragen, was gegebenenfalls noch zu einer Verschiebung der Finanzierungsbausteine führen könne. »Eigentlich wollten wir nur Schindeln auswechseln«, sagte Kirchenpfleger Huber leicht ironisch.

Die Kirche bleibe auch künftig ohne Strom, so Huber weiter. Manfred Kösterke warf ein, dass es hier möglicherweise eine Spende geben könnte, die eine Stromnutzung ermöglicht. Einzelne Mitglieder fragten, ob man die Kirche in Sparz überhaupt brauche. Huber wies darauf hin, dass man als Eigentümer verpflichtet sei, das Denkmal zu erhalten. »Nur wenn wir sagen, wir haben kein Geld, wäre das anders.« Dies sei aber ein schwieriges Argument für die Kirche. Kritische Stimmen gab es im Zusammenhang mit der Brandgefahr, die sich insbesondere bei der »wahnsinnigen Schießerei« an Silvester auf den beliebten Anhöhen in Sparz und Ettendorf ergäben.

Bei der Kriegergedächtniskirche Sankt Georg und Katharina sei man seit vielen Jahren mit der Sanierungsthematik beschäftigt. 850 000 Euro Kosten stehen für die Filialkirche an. 750 000 Euro an Kosten stehen für die Erzdiözese auf dem Papier, 50 000 Euro ist der Eigenanteil der Kirchenstiftung. Der Rest soll durch Zuschüsse abgedeckt werden.

In dem Rahmen der Veranstaltung stellte sich auch Marcel Cristea vor, der als Kaplan seit diesem Jahr die rumänisch-griechisch-katholische Kirche verantwortlich betreut. Jeden Sonntag würden sich rund 60 bis 70 Gläubige zum Gottesdienst in der Kirche im Stadtpark treffen. Nachdem es nun zu kalt geworden sei, sei man in die Kapelle in St. Josef umgezogen. »Aber unsere Gläubigen lieben diese Kirche und sie fühlen sich dort sehr wohl.«

In der Stadtpfarrkirche seien einige unerwartete »Überraschungen« aufgetreten, wie Kirchenpfleger Huber ausführte. Die Problematik von Fäulnisschäden im Dachstuhl, verschiedenste Risse, Schäden am Putz und am Sockel, wo der Hochaltar steht, wurden durch eine Bilderserie eindrucksvoll vor Augen geführt. Auch mit einer Neugestaltung des Haupteingangs müsse man sich beschäftigen, Statiken müssten beispielsweise im Bereich der neuen Orgel überprüft werden.

»Die Stadtpfarrkirche ist ein extrem wertvolles Gebäude«, sagte Stadtpfarrer Georg Lindl. Sankt Oswald als klassische Prozessionskirche solle erhalten bleiben, Bänke sollen erneuert und verbreitert werden, was auch einen Wegfall der ungeliebten Stühle bedeutet. Lindl hofft, dass sich die Kirche baulich weiterentwickeln werde und man sagen könne: »Wir haben nicht nur die Substanz historisch hergerichtet, sondern wir sind auch im 21. Jahrhundert angekommen.«

Sanierungskosten liegen bei 8,5 Millionen Euro

Man rechnet mit Kosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro, wobei diese Gesamtsumme und die Baumaßnahmen noch der endgültigen Genehmigung der Erzdiözese bedürfen. 400 000 Euro ist der vorgesehene Eigenanteil der Pfarrei, man erwarte aber umfangreiche Zuschüsse. Vom Zeitplan her wolle man um Pfingsten 2016 beginnen, was auch bedeutet, dass die Kirche ab diesem Zeitpunkt geschlossen ist. »Weihnachten 2018 ist unser Ziel, dass wir wieder reinkönnen«, sagte Huber und fügte an, dass man in den kommenden Jahren an Eigenmitteln wohl eine finanzielle Unterdeckung von rund 230 000 Euro habe, wenn man vorhandene Guthaben und künftig zu erbringende Eigenanteile gegenüberstelle.

Stadtpfarrer Georg Lindl machte deutlich, dass man Sankt Oswald zweieinhalb Jahre nicht benutzen könne. Man suche in den Gremien nach einer Lösung. Sankt Michael an der Wartberghöhe sei eine ursprünglich diskutierte Option. Auch die Hauskapelle in Sparz sei möglich, wobei für Werktagsgottesdienste auch Sankt Josef denkbar sei. Auch die Salinenkapelle werde ins Auge gefasst, die allerdings voraussichtlich zu klein sei und im Winter Temperaturprobleme aufwerfe.

Für den Pfarrsaal konnte sich der Stadtpfarrer wenig erwärmen, es seien in den Gremien aber noch weitere Gespräche nötig. »Ich tendiere am ehesten zu Sparz«, machte er seine persönliche Vorliebe offenbar. »Aber mir ist wichtig, dass wir die Gottesdienste in gewohnter Ordnung feiern. Nur der Ort wird sich ändern.«

Verzögerungen beim Einbau der Orgel

Auch der Orgeleinbau werde sich verzögern, sagte Kirchenpfleger Huber. Finanziell habe man eine erste Rate in Höhe von 330 000 Euro bezahlt, einen ähnlichen Betrag für die nächste Rate könne man begleichen. Der vereinbarte Festpreis sei aber zeitlich gebunden, es bedürfe nun bei Verzögerungen neuer Verhandlungen mit der beauftragten Firma.

Rechtlich gesehen werde für die Pfarrei ein Haushaltsverbund geschaffen. Dies führe unter anderem auch dazu, dass man in Traunstein einen Verwaltungsleiter einstellen könne, der Pfarrer und Kirchenverwaltung von Verwaltungsaufgaben entbinde. Die Einstellung dürfte Mitte des Jahres 2016 erfolgt sein, betonte der Stadtpfarrer.

Gemeindereferent Uli Englmaier berichtete über Projekte aus dem Jugendbereich der Pfarrei und nannte hier exemplarisch den neu renovierten Jugendtreff »Saftladen« und ein gut verlaufenes Zeltlager im Sommer. Im April kommenden Jahres werde man voraussichtlich wieder 33 Jugendlichen das Sakrament der Firmung spenden. Man habe derzeit rund 20 aktive Ministranten. Englmaier will aber versuchen, weitere junge Menschen für diesen Dienst zu gewinnen. Für die Sternsinger, deren Aktion in Sankt Oswald zum zwanzigsten Mal stattfindet, werden noch Mitwirkende gesucht, so der Gemeindereferent abschließend. awi