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Schafe kommen von der Kleinrechenbergalm ins Tal

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Der erste Almabtrieb der Schafböcke von der Kleinrechenbergalm wurde 2010 noch unmittelbar an der Hauptstraße gefeiert. Seitdem nimmt die Besuchernachfrage jedes Jahr zu. Am Wochenende feiert die Arbeitsgemeinschaft Alpines Steinschaf gleichzeitig ihr zehnjähriges Bestehen. (Foto: Flug)

Unterwössen – Einmal im Jahr steht die stark gefährdete Rasse der Alpinen Steinschafe im Mittelpunkt. Am Ende des Sommers treiben die Züchter ihre Schafe, die den Sommer auf der Kleinrechenbergalm verbracht haben, hinab ins Tal. Dann kommt Volksfeststimmung auf, wenn im Kurpark die Schafböcke nach Zuchteigenschaft bewertet (gekört) werden. An diesem Wochenende wird gleich zwei Tage lang gefeiert, denn die Arbeitsgemeinschaft (ArGe) Alpines Steinschaf feiert ihr zehnjähriges Bestehen.


Knapp 90 Tiere werden von den Richtern bewertet

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Am Samstag stellen Züchter aus ganz Bayern und Baden-Württemberg ab 9.30 Uhr knapp 90 Tiere den Richtern vor. Erstmals bewerten diese so viele Zuchttiere im direkten Vergleich. Das ist das Verdienst der Arbeitsgemeinschaft. Die Richter ermitteln die Sieger in den Klassen Böcke, Mutterschafe, Jungtiere und Familiensammlungen. Bei Züchtern ist auch der Titel des Wollsiegers besonders begehrt. Das Publikum sucht sich seinen eigenen Sieger – unter den Teilnehmern wird ein Ehrenpreis verlost.

Am Sonntag beginnen Züchter und Helfer auf der Alm (1465 Meter) in aller Frühe mit Aufräumarbeiten und dem Schafabtrieb der Jungböcke. Im Ort geleitet die Musikkapelle Wössen die Tiere die letzten hundert Meter in den Kurpark, wo sie gegen 12 Uhr erwartet werden. Nach der Körung und Bewertung versteigert ein Auktionator die Böcke öffentlich.

An beiden Tagen erleben die Besucher ein buntes Programm. Mit Kulinarischem – auch vom Steinschaf –, Schönem und Praktischem aus der Schafwolle zeigen die Züchter die vielseitige Verwendungsmöglichkeit der Schafprodukte. Sie informieren über die Geschichte des Alpinen Scheinschafs und die Almenvielfalt in der Region. Die Kinder vergnügen sich mit Filzen, einem Quiz und die ganz Mutigen beweisen sich im Führen eines Schafes. Auch die Handspinngilde hat sich angesagt. Helfer und Freunde der Steinschafe sorgen für Musik und Verpflegung.

Das Alpine Steinschaf ist die historische Ausgangsrasse der Bergschafzucht im Ostalpenraum. Heute gehört es zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten deutschen Schafrassen. Das Alpine Steinschaf ist klein bis mittelgroß, alle Wollfarben und Farbzeichnung treten auf. Es hat markhaltige, lange Grannenhaare und gewellte, feine und kürzere Wollhaare. Das Kopfprofil ist gerade, das Nasenbein leicht gebogen, die Ohren stehen waagrecht oder leicht hängend ab. Die Tiere sind feingliedrig mit sehr harten Klauen. Der überwiegende Teil der Böcke ist gehörnt. Auch weibliche Tiere zeigen teilweise Hörner.

Bestand sollte sich noch verdreifachen

Das Alpine Steinschaf gilt als anpassungsfähig an die rauen Bedingungen im Hochgebirge. Ihm genügen die für Rinder unzugänglichen Hochlagen. Es gilt als robust und wetterhart. Seine hohe Milchleistung und die saisonal unabhängige Brunst mit meist zweimaliger Lammung je Jahr machen es für die Zucht so wertvoll. Wie wertvoll es für die Landschaftspflege im alpinen Bereich ist, beweisen die Tiere auf der ursprünglich aufgelassenen Kleinrechenbergalm.

Seit 1985 bemühten sich engagierte Menschen, die letzten, sehr kleinen Bestände zu finden. Verstärkte Zuchtbemühungen zeigten erste Erfolge. 1991 gaben sich die Züchter ein Herdbuch für die Rasse, bauten die Bestände aus. Die Frauen haben mit der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen ein Wollprojekt am Markt etabliert. Der Bestand ist im Jahr 2013 auf 68 Böcke und 693 Muttertiere angestiegen. Dreimal mehr dürften es jedoch noch sein, ehe die Rasse als einigermaßen gesichert gelten kann. lukk