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Langendonk-Doppelmord jährt sich heute zum 20. Mal

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Dieses Phantombild des mysteriösen Taxi-Fahrgasts wurde mit Hilfe der beiden Taxifahrer seinerzeit erstellt. Er wurde damals als etwa 28 bis 35 Jahre alt, 180 bis 185 Zentimeter groß und schlank mit blonden bis dunkelblonden, eher glatten Haaren beschrieben. Natürlich hat sich das Aussehen des Mannes seit 1997 verändert, aber möglicherweise kann sich jemand an den Mann erinnern.
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Der Tatort: Am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls wurde das holländische Ehepaar ermordet.

Auf den Tag genau 20 Jahre ist es heute her, dass eines der brutalsten Verbrechen, das je im Dienstbereich der Kriminalpolizei Traunstein begangen wurde, verübt worden ist:


Der Doppelmord an dem holländischen Ehepaar Truus (61) und Harry (63) Langendonk. Auch zwei Jahrzehnte später ist der Fall bei der Kripo Traunstein nicht zu den Akten gelegt, aktuell arbeitet wieder eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe daran, das Gewaltverbrechen aufzuklären. Nach wie vor gehen bei der Kripo Hinweise ein.

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Nichts wurde bisher unversucht gelassen, um den Mörder des Ehepaars ausfindig zu machen. Laut Kriminalhauptkommissar Stefan Stampfl, Leiter der Ermittlungsgruppe, wurde in den vergangenen 20 Jahren rund 2000 Hinweisen nachgegangen, man habe etwa 600 Personen überprüft. Stampfl: »Der Fall füllt mehr als 130 DIN-A-4-Ordner.« Sogar Zeugenvernehmungen mit Hilfe von Hypnotiseuren hat es gegeben. Auch Fallanalytiker (sogenannte Profiler) des Polizeipräsidiums München waren eingebunden, um ein Täterprofil zu erstellen.

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Der Tatort: Am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls wurde das holländische Ehepaar ermordet.

Der Tatort: Am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls wurde das holländische Ehepaar ermordet.

Rund 160 Hinweise seit Januar

Die derzeit mit dem Verbrechen befasste Ermittlungsgruppe wurde eingerichtet, nachdem der Doppelmord im Januar in der Vox-Sendung »Mörderjagd – wie Profiler ermitteln« behandelt wurde und auch zeitgleich in den regionalen Medien erneut ausführlich aufgegriffen worden war. Seither sind ungefähr 160 Hinweise eingegangen. Dazu Stampfl: »Es gab interessante Hinweise auf Personen, die noch überprüft werden müssen.« Eine »heiße Spur« war jedoch nicht dabei.

Neue Erkenntnisse durch moderne Technik?

Natürlich hofft die Kriminalpolizei weiter auf Hinweise, auch erhofft man sich neue Erkenntnisse durch moderne Technik. So würden etwa alte Munitionsspuren vom Tatort untersucht, sagt Stampfl. »Es läuft derzeit ein internationaler Abgleich, ob mit der gleichen Waffe irgendwo anders ein Gewaltverbrechen begangen wurde.« Die Tatwaffe selbst, es dürfte sich um eine Pistole des Fabrikats Tokarew, Kaliber 7,62 Millimeter handeln, wurde bis heute nicht gefunden – vielleicht sei sie immer noch in »Verbrecherhand«. Außerdem würden in einem Speziallabor alte Beweisstücke wie der Gelbeutel des Paars auf genetische Spuren untersucht. »Das Ergebnis steht noch aus.«

Der Doppelmord geschah am 7. Juni 1997, einem Samstag. Die Eheleute fuhren an jenem Nachmittag mit ihrem Wohnwagen zwischen Nußdorf und Matzing auf einen Feldweg am Waldrand des sogenannten Litzlwalchner Hölzls, und hielten in Sichtweite zur Bundesstraße 304. Vermutlich wollten sie dort die Nachmittagssonne genießen. Gegen 18 Uhr hörten Zeugen Schüsse, konnten diese aber nicht zuordnen. Zwei Stunden später, gegen 20 Uhr, wurde der Wohnwagen weggefahren.

Was in der Zwischenzeit geschah, ist unklar. »Womöglich hat der Täter dort gewartet, was passiert«, sagt Stampfl. Knapp fünf Stunden später, kurz vor 1 Uhr fiel der Wohnwagen wieder auf: Er stand lichterloh brennend auf einem Waldparkplatz an der Staatsstraße bei Nürnberg–Altenfurt. Nachdem das Feuer gelöscht war, entdeckte man die Leichen im Wohnwagen. Die Obduktion ergab, dass die Eheleute Opfer eines brutalen Verbrechens waren. Der Mörder hatte sie erschossen und ihnen anschließend die Kehlen durchgeschnitten.

Unweit des Brandortes bestellte in jener Nacht ein bis heute Unbekannter von einer Telefonzelle aus ein Taxi, ließ sich zum Nürnberger Hauptbahnhof fahren, wo er ausstieg, ins Bahnhofsgebäude ging, dieses am Südausgang wieder verließ und ein anderes Taxi bestieg, mit dem er rund 280 Kilometer zurück in die Nähe des Tatortes fuhr. Gegen 5.10 Uhr morgens stieg der Unbekannte bei einem Bushäuschen an der B 304 unweit des Tatortes aus und verschwand im Wald.

Von diesem mysteriösen Taxi-Fahrgast, bei dem es sich höchstwahrscheinlich auch um den Mörder der Langendonks handelt, gibt es ein Phantombild, das mit Hilfe der beiden Taxifahrer seinerzeit erstellt wurde. Er soll damals etwa 28 bis 35 Jahre alt gewesen sein und mit bayerischem oder österreichischem Dialekt gesprochen haben.

Raub möglicherweise eskaliert

Die Kriminalpolizei vermutet, dass der Mörder das Paar womöglich ausrauben wollte – die Langendonks hatten eine größere Reisekasse mit Bargeld in verschiedenen Währungen dabei. Dann sei die Situation vielleicht eskaliert. Die Taxifahrten bezahlte der Unbekannte mit 200 französischen Francs und 3300 österreichischen Schillingen. »Wahrscheinlich hat der Täter die gesamte Beute ausgegeben oder verloren«, sagt Stampfl. Warum der Mann mit dem Taxi fuhr und nicht den Zug nahm, erklären sich die Ermittler mit einem »Zeitproblem«. Der nächste Zug wäre erst am Morgen gegangen. »Er wollte wohl im Schutz der Dunkelheit zurückkommen.« »Die Polizei stellt sich immer noch die Frage, wer dieser ominöse Fahrgast war«, sagt Stampfl. Aus seinem Verhalten lässt sich schließen, dass er Ortskenntnis in unmittelbarer Tatortnähe hatte.

Nach wie vor hohe Belohnung ausgesetzt

Auch in verschiedenen Internetforen diskutierten Hobbydetektive über den Mordfall. »Das verfolgt die Polizei natürlich auch«, so Stampfl. Mit den Angehörigen sei man nach wie vor in engem Kontakt. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, haben die drei Töchter und die Polizei eine Belohnung von zusammen 51 000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt die Kripo Traunstein unter Telefon 0861/987 30 entgegen. m/dpa

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