Landkreis spendet Baum für jedes neugeborene Kind

Ein Baum für jedes neugeborene Kind
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Foto: Symbolbild (Pixabay)

Traunstein – Für jedes neugeborene Kind mit Wohnsitz im Kreisgebiet spendet der Landkreis Traunstein ab Anfang 2022 einen Baum im Wert von maximal 35 Euro. Das beschloss der Kreisumweltausschuss bei zwei Gegenstimmen. Der Gutschein für einen bienenfreundlichen, heimischen Baum oder ein Obstgehölz aus einer Liste des Kreisgartenfachberaters geht an die Eltern. Ob diese den Bon einlösen, ist deren freiwillige Entscheidung. Die Kosten von maximal 50.000 Euro im Jahr werden in den Kreishaushalt eingestellt.


Vize-Landrat Sepp Konhäuser (SPDplus) zitierte aus dem Antrag der Jungen Liste: »Kinder stellen einen besonders wichtigen Teil unserer Gesellschaft dar. Dem Landkreis liegen die jungen Generationen schon immer am Herzen. Unterstrichen wird dies durch das gerade entstehende bayerische Leuchtturmprojekt Campus Chiemgau oder durch Neubauten und Modernisierungen von Schulen. Um auch für Säuglinge ein symbolträchtiges Zeichen zu setzen und die enorme Bedeutung einer Geburt hervorzuheben, sollte der Landkreis Traunstein für jedes neugeborene Kind einen Baum stiften.«

Die Geburtenrate bezifferte der Vize-Landrat mit etwa 1500 Kindern pro Jahr. Aus Sicht der Verwaltung könne jede Familie nach der Geburt einen Brief mit Gutschein und Auswahlliste erhalten. Die Liste solle in Abstimmung mit dem Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege erstellt werden, die Bäume oder Gehölze sollten bei regionalen Fachhändlern bezogen werden.

Für die Junge Liste begründete Kreisrat Bernhard Braun die Idee noch ge-nauer. Er gehe davon aus, dass nicht alle Gutscheine abgerufen würden.

Die Diskussion eröffnete Stefan Kattari (SPDplus): »Der Antrag ist so schön, dass sich niemand trauen wird, dagegen zu stimmen. Der Antrag hat aber in jedem Schaufenster Platz.« Der Grassauer Bürgermeister fragte, ob es nicht sinnvoller wäre, seitens des Landkreises jeweils einen Baum zu pflanzen. Der Grund: So könnten die Bäume auch alt werden. Zur angeführten Zunahme der Biodiversität meinte Kattari, nicht jede Pflanzung sei sinnvoll in einem Landkreis mit hauptsächlich Wiesen und nährstoffarmen Äckern. Der Antrag solle umformuliert werden.

Das unterstützte die Biologin Dr. Ute Künkele (ÖDP). Sie trat für »Patenbäume« des Landkreises auf dessen Flächen ein, die von den Familien nach einer Schulung gepflegt werden können, alternativ durch den Landschaftspflegeverband. Ein eventueller Obstertrag solle den Familien gehören.

Zum Thema »Biodiversität« argumentierte Josef Mayer (CSU): »Im hauseigenen Garten wird der englische Rasen bevorzugt. Da schadet es nicht, wenn ein Baum drinsteht.« Durch den Landkreis gepflanzte Bäume und Patenbäume auf Landkreisarealen verfehlten das Ziel des Antrags der Jungen Liste. Mayer bezweifelte, dass jeder Baum wirklich gesetzt werde. Und weiter: »Wenn jemand gerne einen Baum im Garten hat, dann ist das nicht so schlecht. Das kann uns nur gefallen. Wir haben Einfluss, was gepflanzt wird – keine Blautannen, sondern ein heimisches Gehölz.«

Die Junge Liste habe auch über Patenschaften und Bäume auf Landkreisflächen nachgedacht, entgegnete Bernhard Braun. Solche Wege würden alles verkomplizieren und zusätzliche Kosten verursachen. Es gehe darum, das Bewusstsein bei Familien zu stärken. Fehle es an Platz, sei niemand verpflichtet: »Die Familien haben vielleicht Bekannte, in deren Gärten sie den Baum pflanzen können.«

1500 Bäume jährlich auf Landkreisgrundstücken seien »keine leichte Aufgabe«, warf Kreisgartenfachberater Markus Breier ein. An Kreisstraßen sei es schwierig. In Wäldern, die aufgeforstet werden, machten solche Pflanzungen keinen Sinn. Breier: »Ein Gutschein wäre eine tolle Maßnahme, dass in Privatgärten gepflanzt wird. Mit 1500 Bäumen wäre eine tolle Breitenwirkung erreicht.« Streuobstwiesen und Obstanger fördere der Landkreis seit Jahren. Die Nachfrage gehe inzwischen leicht zurück.

Einen anderen Aspekt beleuchtete Willi Geistanger (Bündnis 90 / Die Grünen). Ein Baum pro Kind finde er grundsätzlich positiv. Baugrundstücke würden allerdings immer kleiner. Bäume sollten auch andernorts untergebracht werden können. Das unterstützte Hans-Jörg Birner (CSU). Jeder, der einen Baum wirklich wolle, werde einen Platz finden. Letzteres sei aber nicht Sache der Gemeinde. Von einer »schönen Idee« sprach Claus Pichler (SPDplus). Nicht jede Gemeinde könne den »gewaltigen Aufwand« für die Anschreiben leisten, etwa hinsichtlich des Datenschutzes. Die Kommunen hätten ganz andere Probleme und Schwerpunkte. Irmingard Siglreithmayer (CSU) regte an, die Eltern sollten den Antrag auf einen Baum stellen und bekannt geben, wo sie ihn pflanzen könnten. Letztlich blieb es inhaltlich beim ursprünglichen Beschlussvorschlag.

kd

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