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Kreissparkasse Traunstein-Trostberg wird 150 Jahre alt

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Historische Geldscheine, Sparbücher und Dokumente aus der Sammlung der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, die heuer ihr 150-jähriges Bestehen feiert.

Traunstein. Die erste Geschäftsstelle der heutigen Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, in Betrieb gegangen vor 150 Jahren am 1. Mai 1863 in Traunstein an der Maxstraße, hatte einen einzigen Mitarbeiter. Der amtliche Sparkassenkassier diente der damals gänzlich neuen Idee, »dem einfachen Volk Möglichkeiten zur sicheren Anlage seiner Ersparnisse zu verschaffen«, so Vorstandsvorsitzender Werner Linhardt gestern bei der Bilanzpressekonferenz 2012.


Seither habe die Sparkasse im Landkreis Traunstein eine herausragende Entwicklung genommen, biete flächendeckenden Service in 31 Geschäftsstellen mit über 500 Mitarbeitern. Linhardt sprach im Parkhotel Traunstein von einem erfolgreichen Start ins Jubiläumsjahr. Das 150-jährige Bestehen werde am 2. Mai mit einem Festakt begangen.

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Unser Schwerpunkt ist die Region

Von Beginn an habe sich die Kreissparkasse einer seriösen Geschäftspolitik verschrieben. Viele Großbanken seien in den letzten Jahren in Turbulenzen geraten – nicht zuletzt dank hochspekulativer Geschäfte. Dazu sagte Linhardt, »wir machen keine riskanten Spekulationsgeschäfte. Unser Schwerpunkt ist die Region.«

Die europäische Bankenkontrolle oder die Finanztransaktionssteuer beträfen sein Institut nicht. Insgesamt werde der finanzielle Druck jedoch stärker, die Situation enger. »Auch in den nächsten Jahren wird unsere Zinsspanne nicht größer. Wir können unsere Erträge nicht steigern.« Je länger die Zinsspanne so niedrig bleibe, desto schwieriger werde die Lage für alle Kreditinstitute: »Die Kosten sind praktisch nicht mehr abdeckbar. Wenn man mehr verdienen möchte, müsste man riskantere Geschäfte machen. Das aber tun wir nicht. Damit bleibt der Druck auf der Kostenseite. Das bedeutet: Wir müssen sparen.« Die Kreissparkasse werde jedoch bei ihrem bewährten Geschäftsmodell bleiben – geprägt durch persönlichen Kontakt zum Kunden. Das Internet sei nicht alles: »Wir wollen auch künftig Gesprächspartner für unsere Kunden sein. Damit ist entsprechendes Personal in ausreichend Geschäftsstellen erforderlich. Geschäftsstellen zu schließen, das widerspricht unserer Geschäftspolitik.«

Letztes Geschäftsjahr war »sehr positiv«

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Linhardt das letzte Jahr mit einer Bilanzsumme von fast 1,84 Milliarden Euro als »sehr positiv«. Der 0,8-prozentige Rückgang des Jahres 2011 sei 2012 umgeschlagen in ein Plus von 0,3 Prozent, was eine Zunahme um rund 5,7 Millionen Euro bedeute. Die Gesamteinlagen hätten sich um 5,3 Prozent oder mehr als 75 Millionen Euro auf über 1,48 Milliarden Euro gesteigert. Um 3,7 Prozent oder mehr als 37 Millionen Euro seien die Gesamtausleihungen in die Höhe geschnellt, davon die Neuausleihungen um 23,1 Prozent oder gut 39 Millionen Euro auf über 208 Millionen Euro.

2011 waren die Neuausleihungen noch um 8,7 Prozent rückläufig: »Der Sprung von minus 8,7 auf plus 23,1 Prozent ist eine sehr markante Entwicklung. Damit haben wir im Neugeschäft auch erstmals die Grenze von 200 Millionen Euro übersprungen«. Überall dort, wo bei den wichtigen Positionen letztes Jahr ein Minus war, stehe jetzt ein Pluszeichen. Zum Thema »Ausleihungen« betonte Linhardt, wer Pläne jetzt sein Haus nicht saniere, sei ungeschickt: »Billiger als derzeit kriegt man das Geld nicht mehr.«

Einerseits würden die Zinsen für Kunden, die Geld benötigen, immer niedriger. Im Baubereich etwa sei es ratsam, sich niedrige Zinsen für möglichst lange Zeit zu sichern: »Wir legen Bauwilligen aber nahe, nachzudenken, wie ihre finanzielle Lage in zehn Jahren ist.« Andererseits bekämen Kunden für angelegtes Geld immer weniger Zinsen. Deshalb werde fällig gewordenes Geld aus längerfristigen Anlagen »kurzfristig geparkt in der Hoffnung auf wieder steigende Zinsen«. Diese allgemeingültigen Trends belegte Linhardt mit Fakten seines Instituts. Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigung erreichten demnach ein Plus von 19,4 Prozent, Einlagen mit längerer Kündigungszeit reduzierten sich um fast 60 Prozent.

Wie schon in den vergangenen Jahren, hielten sich die Sparkassenkunden auch 2012 im Wertpapierbereich relativ zurück. Die Wertpapierkäufe minderten sich um 28,2 Prozent auf 30,44 Millionen Euro. Dem standen um 12,4 Prozent auf 36,88 Millionen Euro gestiegene Verkäufe gegenüber. Dieses Wachstum rühre jedoch »nur aus der Kursentwicklung«, erläuterte Werner Linhardt.

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sind Frauen

Mit Blick auf 150 Jahre Kreissparkasse Traunstein-Trostberg hob er den inzwischen sehr hohen Frauenanteil unter den Mitarbeitern heraus. Weit mehr als die Hälfte der derzeit 509 Beschäftigten sei weiblich. Die oberste Führungsriege sei zwar männlich, doch ungefähr ein Viertel der Geschäftsstellen seien bereits gänzlich in Frauenhand. Insgesamt sei das Qualitätsniveau auf allen Ebenen sehr hoch. »Wir legen Wert auf gute Mitarbeiter. Die meisten sind Eigengewächse, also von uns selbst ausgebildet«, unterstrich Werner Linhardt.

Ein Thema für das laufende Jahr wird das neue europaweite SEPA-Verfahren. Die Sparkasse informiere darüber in getrennten Veranstaltungen – Vereine am 12. und 14. März in Traunstein und Schloss Pertenstein, Firmenkunden am 18., 19., 20. und 21. März in Traunwalchen, Trostberg, Traunstein und Grassau. kd