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In 48 Stunden mehr als 1500 Einsätze

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Bei Übersee trat der Chiemsee über das Ufer und überflutete dabei mehrere Autos. Die Chiemsee-Gemeinden waren mit am längsten vom Hochwasser betroffen, da der Wasserspiegel nur sehr langsam sank. (Foto: Feuerwehr Übersee)

Die Feuerwehren im Landkreis Traunstein und mit ihnen die vielen weiteren freiwilligen Helfer von Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Deutscher-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Wasserwacht und Bergwacht waren vor einem Jahr im Dauereinsatz: Zwischen Samstagabend (1. Juni 2013) und Montagabend (3. Juni 2013) bewältigten 2000 ehrenamtliche Floriansjünger 1504 Einsätze. In der »heißen« Phase der Hochwasserkatastrophe wurde alle zwei Minuten ein Alarm für die Feuerwehren ausgelöst.


Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2012 wurden die Feuerwehren im Landkreis Traunstein insgesamt 3260 Mal alarmiert. In zwei Hochwassertagen wurden somit halb so viele Einsätze »abgearbeitet«, wie üblicherweise in einem ganzen Jahr. Die Floriansjünger leisteten dabei rund 50 000 Einsatzstunden.

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Land unter im südlichen Landkreis

Schwerpunkte des Hochwasser-Großeinsatzes waren vor allem die Städte und Gemeinden entlang der Flüsse Traun, Tiroler Achen und Salzach und im Besonderen der südliche Landkreis Traunstein mit den Gemeinden Inzell, Siegsdorf, Ruhpolding und Reit im Winkl sowie alle Achental-Gemeinden. Der Pegel der Tiroler Achen hatte mit 6,60 Metern den Höchstwert des Jahrhunderthochwassers von 2002 um 90 Zentimeter überschritten. Der Fluss trat vielerorts großflächig über die Ufer und bedrohte auch mehrere Wohnhäuser und Siedlungen.

100 Menschen wurden evakuiert

Im Achental mussten insgesamt rund 100 Menschen aus ihren Häusern evakuiert und in Sicherheit gebracht werden. Das Asylbewerberheim, an der Achenbrücke zwischen Grassau und Staudach wurde geräumt. Schnelleinsatzgruppen des Bayerischen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes betreuten die rund 50 Evakuierten in einer Behelfsunterkunft in der Schule in Grassau.

Von der Tiroler Achen überspült wurde der Ortsteil Oed in Marquartstein. Rund 20 Personen aus sechs Häusern wurden evakuiert. In Raiten kam es zu Ausschwemmungen eines Damms, weshalb der untere Ortsteil ebenfalls evakuiert werden musste. Reit im Winkl und Schleching waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten, weil alle Straßen wegen Überflutung gesperrt werden mussten.

Unzählige »Hilferufe« wegen überfluteter Keller, nicht mehr passierbarer und überschwemmter oder von Erdreich und Geröll verschmutzter Straßen hatten die Feuerwehren im südlichen Trauntal zu bewältigen. Das Einsatzaufkommen in Siegsdorf war so hoch, dass Kräfte des Technischen Hilfswerks Traunreut und Traunstein und weiterer Feuerwehren, unter anderem aus Wonneberg und Nirnharting, zur Unterstützung angefordert werden mussten. Auch die Feuerwehren Ruhpolding, Eisenärzt und Inzell waren zwei Tage pausenlos im Einsatz, unterstützt von den Wehren aus Hammer und Vogling.

Damm drohte zu brechen

Dritter Brennpunkt des Hochwassers war der östliche Landkreis, vor allem die Stadt Tittmoning. Im Bereich zwischen Fridolfing und Pietling bestand die Gefahr eines Dammbruchs an der Götzinger Ache. Dort wurde in einzelnen Ortsteilen aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet. Doch weder in der Gemeinde Fridolfing, noch in der Stadt Tittmoning kam es zum gefürchteten Bruch des Salzachdamms. Das Hochwasser schwappte zwar an einigen Stellen über die Dammkrone, die durch Sandsack-Wälle verstärkt wurde, doch hinterliegende Bereiche blieben von einer Überflutung weitestgehend verschont.

Auch in den Gemeinden, durch die keine Flüsse und Bäche fließen, waren die Feuerwehren vielfach im Dauereinsatz. Das Sperren überfluteter Straßen und Wege, das Auspumpen von Kellern, Garagen und Höfen, das Absichern bedrohter Gebäude durch Sandsackbarrieren, weil abschüssige Straßen zu reißenden Bachläufen wurden, das Sichern aufgeschwemmter Öltanks, die Reinigung verschmutzter Straßen waren nur einige der vielen Aufgaben der Floriansjünger. Und die wenigen Feuerwehren, die im eigenen Zuständigkeitsbereich weniger gefordert waren und freie Kapazitäten an Helfern und Material hatten, wurden zur Unterstützung in andere Einsatzbereiche beordert. So halfen zum Beispiel die Feuerwehren Waging und Petting in der Stadt Laufen aus, wo die örtliche Wehr mit dem Hochwasser an der Salzach alle Hände voll zu tun hatte und Unterstützung dankbar annahm.

Zusammenarbeit klappte hervorragend

Ihre erste große Bewährungsprobe bei einem Katastropheneinsatz seit der Inbetriebnahme hatte die Integrierte Leitstelle Traunstein. Die Notrufzentrale war für das hohe Einsatzaufkommen bestens vorbereitet, gab alle Notrufe und Hilfeersuchen schnellstens an die Feuerwehren und Hilfsdienste weiter und die Einsatzunterstützung und Zusammenarbeit mit den Wehren und örtlichen Einsatzleitungen klappte hervorragend. pv

Mehr zur Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 und viele weitere Bilder finden Sie am Samstag, 31. Mai, auf zwei Sonderseiten im Traunsteiner Tagblatt!