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Hochwasser richtete auch in Traunstein hohen Schaden an

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Auch wenn dieses Bild etwas anderes suggeriert: Der für viele Millionen Euro nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 geschaffene Hochwasserschutz hat gestern seine Bewährungsprobe bestanden. Die Dämme haben gehalten und die untere Stadt wurde nicht von den Wassermassen der Traun geflutet. Erst unterhalb der Wohnbebauung, auf Höhe des DJK-Sportplatzes, bahnten sich die braunen Wassermassen ihren Weg auf das Gelände des neuen Sportzentrums in Empfing. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein. »Das Schlimmste scheint vorerst überstanden zu sein«. Das war die überwiegende Meinung gestern am frühen Abend in Traunstein, als der Redaktionsschluss für diese Zeitungsausgabe nahte. Der Dauerregen hat zwar bei Tausenden Menschen in der Region in Haus und Hof schlimme Spuren hinterlassen; die Wassermassen der Traun konnten aber zumindest in der unteren Stadt keinen größeren Schaden anrichten: Der nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 mit zweistelligem Millionenaufwand verwirklichte Hochwasserschutz südlich der Großen Kreisstadt hat weitgehend funktioniert.


Das freilich ist ein schwacher Trost für all jene, deren Keller und Garagen vollgelaufen und deren Gärten von den Wassermassen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

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Der Boden war von den starken Regenfällen in den letzten Maitagen mehr als mit Wasser gesättigt, als das Unglück am späten Samstagnachmittag wie von den Meteorologen angekündigt, über den Chiemgau, den Rupertiwinkel und natürlich auch über die Stadt Traunstein hereinbrach: Der Regen wurde von Stunde zu Stunde stärker, und noch bevor die meisten Menschen sich hoffnungsfroh vor ihren Fernseher setzten, um sich das Fußball-Pokalfinale anzusehen, heulten die ersten Sirenen und riefen die Helfer der Feuerwehren zum Einsatz.

Vielerorts mussten sie mit ihren Pumpen anrücken und vorwiegend Kellerräume leerpumpen. Derweil wurden auch immer mehr Straßen und Wege unpassierbar. Zwischen 3 und 4 Uhr früh ließ der Dauerregen etwas nach, um dann umso heftiger wieder einzusetzen. Am Samstag gegen 15 Uhr, vor Beginn des Starkregens, war der Pegelstand der Traun am Hochberg schon wieder auf vermeintlich harmlose 71 Zentimeter gesunken. In den folgenden Stunden stieg er jedoch von Minute zu Minute. Binnen weniger Stunden überschritt er alle Meldestufen und erreichte um 4 Uhr früh mit 3,15 Meter seinen vorläufigen Höchststand. Zum Vergleich: Beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 lag der Höchstwert bei 3,35 Meter. Nach einem Felssturz auf Höhe von Sparz musste die Bundesstraße 306 vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden. In Absprache zwischen Landratsamt, Stadt und Polizei wurde eine Umleitung durch das Stadtgebiet eingerichtet.

Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei sowie die Kräfte der Stadt Traunstein waren die gesamte Nacht im Einsatz, um die Schäden zu beheben und eine Ausweitung der Überflutungen einzudämmen.

Am gestrigen Sonntagvormittag stieg der Traunpegel trotz Dauerregens nicht weiter an und um 10 Uhr war er auf exakt drei Meter gefallen. Das ist genau die Marke, bei der die höchste Meldestufe beginnt. Bis zum späten Nachmittag ging er leicht aber kontinuierlich zurück und näherte sich schon wieder der Meldestufe 3 (2,50 Meter).

Im Stadtgebiet sind aufgrund der umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen bisher keine größeren Probleme aufgetreten, bestätigte am Sonntag um die Mittagszeit auch die Stadt Traunstein in einer Pressemitteilung. Großflächige Überflutungen gab es zu diesem zeitpunkt vor allem südlich Traunsteins nahe der Traun, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen sowie in Kaltenbach im Ortsteil Kammer. Außerdem ist die Schrebergartenanlage nördlich der Empfinger Brücke vom Hochwasser betroffen. Für die Kläranlage bestand keine Gefahr, hieß es seitens der Stadt.

Bereits in den Abendstunden des Samstags mussten ufernahe Straßen gesperrt werden. Nicht nur die Traun, auch die Bäche im Stadtbereich verwandelten sich zu reißenden Flüssen. Das gilt für den Rettenbach genauso wie für den Röthelbach. Ein am Röthelbach abgestelltes Auto mit dem Schild, es sei zu verkaufen, versank fast komplett in den Fluten.

Schlimm sah es nicht nur beim Lohhäusl und im Schwimmbadbereich aus; auch die neuralgischen Punkte in Kammer und Rettenbach waren betroffen. Seit dem Kanalbau in Kammer ergießen sich bei Starkregen die Wassermassen immer wieder von Kammer hinunter nach Stockach, wo es regelmäßig das Anwesen der Familie Wieshuber heimsucht. Die Kammerer Feuerwehr half, so gut es ging. Wie überhaupt die freiwilligen Helfer der Feuerwehren wieder die Hauptlast der Arbeit trugen und viele bis zur Erschöpfung arbeiteten, um Schlimmeres abzuwenden. Mehr überregionale Hilfe hätten sie gut gebrauchen können; der Landkreis Traunstein löste nach den Landkreisen Berchtesgadener Land und Rosenheim am späten Nachmittag ebenfalls Katastrophenalarm aus.

Angesichts der flächendeckenden Schäden ist es nicht möglich, schon jetzt einen genaueren Überblick zu geben, was alles passiert ist. Und auch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Schenkt man den Vorhersagen der Meteorologen jedoch Glauben, dann dürfte das Schlimmste überstanden sein. -K.O.-