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Grundlage und Sinnbild für gelebte Völkerverständigung

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Mit der Unterzeichnung von Urkunden bekräftigten (von links) die Gaper Stadträtin Raymonde Eynaud, Oberbürgermeister Christian Kegel und die stellvertretende Bürgermeisterin von Pinerolo, Francesca Costarelli, die Städtepartnerschaften. (Foto: Buthke)

Traunstein – Städtepartnerschaften seien Grundlage und Sinnbild für gelebte Völkerverständigung. Das erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel beim Festakt im Rathaus, mit dem das Doppeljubiläum der Städtepartnerschaften mit Gap und Pinerolo gefeiert wurde.


Mit Gap in den französischen Hochalpen besteht die Verbindung seit 40 Jahren und mit Pinerolo im italienischen Piemont seit 30 Jahren. Als besonderen Ehrengast begrüßte der Oberbürgermeister Livio Trombotto, der vor 30 Jahren die Partnerschaftsurkunden mit dem damaligen Oberbürgermeister Rudolf Wamsler unterzeichnet hatte. Zusammen mit der stellvertretenden Bürgermeisterin aus Pinerolo, Francesca Costarelli, und der Gaper Stadträtin Raymonde Eynaud unterzeichnete Kegel Urkunden, mit denen die Städtepartnerschaften bekräftigt wurden.

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Bürger sind Motor und Impulsgeber

Oft stellten Politiker die Weichen und den Rahmen für die Freundschaft zwischen zwei Städten, sie jedoch mit Leben zu füllen, hänge davon ab, ob Menschen sich tatsächlich begegneten und kennenlernten, ob freundschaftliche Berührungspunkte zwischen den Bürgern entstünden und auf Dauer bestehen blieben, betonte der Oberbürgermeister. Sie seien Impulsgeber und Motor einer Städtepartnerschaft. »Nur durch sie bleibt die Freundschaft lebendig.« Dass Gap, Pinerolo und Traunstein die Ehrenfahne des Europarats für ihre Verdienste um den Europagedanken verliehen worden sei, verdanke man neben der Politik den Bürgern, die die Städtepartnerschaft in eine dauerhafte Freundschaft verwandelt hätten.

In seinem Rückblick erinnerte er an Studiendirektorin Elisabeth Kirsche vom Annette-Kolb-Gymnasium, die bereits 1958 wegen eines Schüleraustausches Kontakt mit Gap aufgenommen hatte. Fünf Jahre später weitete sich die Freundschaft auf die Lions Clubs beider Städte aus. Nach drei Jahren schlossen die Lions Clubs eine Partnerschaft. Ein wichtiger Schritt in Richtung Städtepartnerschaft, wie Kegel erklärte, denn 1974 besuchte der Traunsteiner Lions Club seinen Partnerclub in Gap. Mit dabei waren der damalige Oberbürgermeister Wamsler und einige Stadträte. Dadurch entstanden dauerhafte freundschaftliche Kontakte. Der Lions Club Traunstein organisierte anlässlich seines zehnten Gründungsjubiläums 1976 eine »Französische Woche«, zu der auch eine Delegation aus Gap eingeladen war. Unter dem positiven Eindruck ihres Aufenthalts fassten die Gaper Ratsherren den Beschluss, Traunstein den Vorschlag für eine offizielle Städtepartnerschaft zu unterbreiten. Und so wurden am 9. Oktober 1976 in Gap und am 14. Mai 1977 in Traunstein durch Bürgermeister Bernard Givaudan und Oberbürgermeister Wamsler die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet.

Die Städtepartnerschaft zwischen Gap und Pinerolo bestand zu diesem Zeitpunkt schon seit 1963. Deshalb waren bei vielen Zusammenkünften zwischen Gap und Traunstein Vertreter aus Pinerolo dabei. So wurden freundschaftliche Bande geknüpft, die letztlich zu einer offiziellen Städtepartnerschaft führten. Am 30. August 1986 unterzeichneten Oberbürgermeister Wamsler und sein italienischer Kollege Trombotto in Pinerolo die Partnerschaftsurkunden.

Teil zum europäischen Projekt beigetragen

Auch Stadträtin Raymonde Eynaud aus Gap blickte auf den Werdegang der Städtepartnerschaft zurück. Anfangs sei Emile Didier, Vater des jetzigen Bürgermeisters Roger Didier, mit dabei gewesen. Als in den 70er Jahren die Freundschaft konkrete Formen angenommen habe, sei ihr verstorbener Mann Robert Eymaud im Stadtrat gewesen. Heute sei sie im Stadtrat und arbeite mit Bürgermeister Didier zusammen. Die dauerhafte Verbindung der Städte habe eine immense und beispielhafte Bedeutung. Beide Städte hätten ihren Teil zu einem großen europäischen Projekt beigetragen.

Die Geschichte der Städtepartnerschaften sei aus der Notwendigkeit entstanden, Freundschaft und Brüderlichkeit in Europa zu festigen und die Zukunft mit dem Geist der Freundschaft zu füllen, sagte Bürgermeisterin Costarelli. Heute erwarteten die Städte andere Herausforderungen. Die Probleme der Städte seien ähnlich und man müsse bessere Lösungen finden und entwickeln. Der Austausch und die Zusammenarbeit bedeuten, die Jugend zu einem europäischen Geist zu erziehen, der über 70 Jahre Frieden ermöglicht habe. Man sei hier, um Europa weiter voranzubringen.

Den warmherzigen Empfang und Gastfreundschaft lobte auch Bürgermeister James Knight aus der englischen Partnerstadt Haywards Heath. In zwei Jahren feiere seine Stadt das 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Traunstein. Großbritannien verlasse zwar die Europäische Union, aber man verlasse seine Freunde in Europa nicht.

Gemeinsames Verständnis für ein geeintes Europa

»Echte Fründe stonn zesamme«, zitierte die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Wesseling, Monika Engels-Welter, aus dem Lied einer rheinischen Mundartgruppe. Die angestrebten und geförderten Partnerschaften zwischen Städten und Kreisen, die Begegnung der Menschen, das Wissen umeinander, seien ein wichtiger Baustein im Bemühen, den Frieden in Europa und der Welt zu erhalten. Gerade zwischen den Bürgern müsse ein gemeinsames Verständnis für ein geeintes Europa aufgebaut werden. Dabei sei das Entscheidende, dass Menschen einander begegneten, über ihre Freuden und Sorgen sprächen ihre Gedanken und Meinungen austauschten und so gedankliche Grenze überwinden würden. Bjr

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