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Geschichten rund um die Prinz-Eugen-Kaserne

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Traunstein – Um »Geschichten aus der Prinz-Eugen-Kaserne in Traunstein«, in der die Bundeswehr von 1956 bis 1997 stationiert war, ging es beim ersten »Erzählcafé« des Jahres. Weil das Interesse so groß war, wurde das »Erzählcafé« erstmals vom Heimathaus in das Hofbräustüberl verlegt.


Laut Moderator Bernhard Huber, ein ehemaliger Zeitsoldat, wurde die Badenweiler Kaserne, wie sie ursprünglich hieß, 1935 im Zuge der Aufrüstung der deutschen Wehrmacht gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort Flüchtlinge untergebracht. Mit der Wiederbewaffnung und Aufstellung der Bundeswehr kamen 1957 Panzerjäger und Gebirgsflugabwehr. Weil der Badenweiler Marsch der Lieblingsmarsch von Adolf Hitler gewesen sei, sei man 1964 auf die Idee gekommen, die Kaserne in Prinz-Eugen-Kaserne umzubenennen. Aber auch dies sei umstritten gewesen, weil dessen Truppen 1704 Traunstein angezündet hätten, so Huber. 1997 wurde der Standort Traunstein aufgelöst, das Regiment nach Kirchham bei Pocking verlegt.

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Befehlsausgabe auf dem Pferd

Achim »Kookie« Wendt erklärte, es sei damals nicht einfach gewesen, der deutschen Gesellschaft 1955 die Wiederbewaffnung klar zu machen. Sie habe wegen des Zweiten Weltkriegs vom Militär noch »die Nase voll gehabt«. Als er 1958 zur Bundeswehr gekommen sei, sei er einmal sogar angespuckt worden. Wendt lüftete das Geheimnis, warum er den Beinamen »Kookie« hat. Ende der 1950er Jahre gab es die Detektivsendung »77 Sunset Strip« mit dem Parkplatzwächter »Kookie«, der eine ähnlich heisere Stimme hatte. »Kookie« habe bei den Soldaten jedoch für Werte wie Ordnung, Ehrgefühl, Stolz, Gradlinigkeit und Disziplin gestanden, sagte Wendt. Dass er einmal die Befehlsausgabe auf dem Pferd abgenommen habe, sei einer Wette entsprungen. Dabei ging es um 100 Mark für einen guten Zweck, wenn er dies tat. Um 7 Uhr sei er in die Kaserne eingeritten. Die Soldaten hätten Beifall geklatscht und die Offiziere betreten dreingeschaut.

Vom damaligen Bundesgrenzschutz kam Rolf »Charly« Becker zur Bundeswehr. Die erste einsatzfähige Batterie habe es 1958 gegeben. Becker erzählte, wie ein junger Panzerfahrer so heftig gelenkt habe, dass er aus dem Panzer gefallen sei.

Reinhold Henneke berichtete, dass er bei der Musterung für alles tauglich außer für die Panzer eingestuft worden sei, weil er zu groß dafür sei. Er wollte in die Berge, kam zu den Panzerjägern und wurde dann aber zu den Sanitätern versetzt. Er wusste zu berichten, wie es zu einem Brand von zwei Panzern gekommen war, von denen einer von der Traunsteinern Feuerwehr gelöscht werden konnte.

»Ohne Mampf kein Kampf« hieß es unter den Soldaten. Küchenfeldwebel Helmut Hochdorfer erinnerte sich, dass täglich 1000 Soldaten verpflegt werden mussten und dafür 4,40 Mark pro Mann zur Verfügung standen. Er hatte eine von den Einmannverpflegungspackungen (»Epa«) als Anschauungsmaterial mitgebracht.

Den Alltag in der Ausbildungskompanie schilderte Dieter Brunner. Es sei nicht einfach gewesen, da die Wehrpflichtigen aus verschiedenen sozialen Verhältnissen gekommen seien. Die Grundausbildung habe ein viertel Jahr gedauert, dann sei die Versetzung an Standorte innerhalb der 1. Gebirgsdivision erfolgt. Später habe jeder Standort für sich ausgebildet.

Einziger Heeresbergführer bei der Flugabwehr war Siegfried Blankenhagen. Sein Bericht zeigte, dass es auch tragische Momente gegeben hat. 1975 musste er die Überreste einer Transall-Transportmaschine bergen, die auf Kreta abgestürzt war. Dabei gab es 48 tote Soldaten. Drei Wochen lang wurden die Soldaten mit Hubschraubern in das unwegsame Berggelände geflogen, um die Überreste einzusammeln.

Ernst Lüdiger – laut Huber »Spieß der alten Schule« – war 23 Jahre in Traunstein und bezeichnete die Verbindung mit der Bevölkerung als sehr gut. Legendär war der »Kohlenbefehl«, den er vor 40 Jahren auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr erteilt hat. Damals sei es sehr kalt gewesen und einige Unteroffiziere hätten eines Tages laut darüber nachgedacht, dass die letzten Fuhren Briketts gekommen seien und es tagelang keine mehr geben werde. Von allen Seiten seien die Soldaten gekommen und hätten mit Eimern und Rucksäcken die Briketts gehortet. Daraufhin habe er den Befehl ausgegeben, dass Kohlen wegen der Feuergefahr nicht mehr in den Zelten gelagert werden dürften und wie sie vor dem Zelt vorschriftsmäßig gelagert werden müssten.

Von Vereinen und Abordnungen verabschiedet

Am längsten in Traunstein war Heinrich Siglbauer, nämlich von 1973 bis 2004. Von 1997 bis 2004 war er Wehrdienstberater im Kreiswehrersatzamt. Er berichtete über die Umstellung vom amerikanischen Fla-Panzer M 42, der noch im Koreakrieg eingesetzt war, auf den Flak-Panzer Gepard. Die Rekruten sollten darauf ausgebildet werden, jedoch war der Gepard noch nicht da. Die Ausbildung sei deshalb anhand von Folien erfolgt. Als dann der Gepard endlich da gewesen sei, habe ein Fahrer gleich die Wand der Panzerhalle umgefahren. Als letzter habe er als Spieß die Prinz-Eugen-Kaserne verlassen. Die Ausfahrt sollte plötzlich nicht über das Panzertor, sondern über das Haupttor erfolgen. Der Grund war, dass die Batterie von Fahnenabordnungen der Krieger- und Soldatenkameradschaften und Ortsvereine sowie Traunsteiner Bürgern verabschiedet wurde.

Claus Hiekes Bericht befasste sich mit einem Kriegsgräbereinsatz 1981 in Sedan in Nordfrankreich mit Oberstleutnant Franz Arsan. In der Nacht sei die Polizei gekommen, weil deutsche Soldaten an der Präfektur die französische Fahne gestohlen hatten. Die Soldaten haben dies auch zugegeben, aber bei der Rückgabe ergaben sich Schwierigkeiten, denn die Soldaten hatten die Fahne ins Klo gesteckt, um sie vor der Polizei zu verbergen. Picobello gereinigt und mit Tannenduft eingesprüht habe man sie dem Präfekten wieder zurückgegeben.

Zehn Jahre zuvor war Siegi Engl mit Arsan im Kriegsgräbereinsatz bei Arras in Nordfrankreich. Sie seien wegen der noch vorhandenen Ressentiments aufgrund des Zweiten Weltkriegs gewarnt worden, nicht allein in die Stadt zu gehen. Mit ihrem Bus seien sie zu einem Unfall gekommen und hätten schnelle Erste Hilfe geleistet. Nachdem in der Presse gestanden habe, dass deutsche Soldaten Franzosen gerettet hatten, hätten sie sich vor Empfängen nicht mehr retten können. Bjr