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Feuerwehr rückte mehr als 550 mal aus – Fast alle Landkreis-Wehren im Hochwasser-Einsatz

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Hochwasser Landkreis Traunstein: Feuerwehren wegen Dauerregen mehr als 550 mal im Einsatz
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Bilder wie diese boten sich am Dienstag an vielen Orten im Landkreis Traunstein, als Flüsse, Bäche und Seen über die Ufer traten. Die Feuerwehren hatten allerhand zu tun. (Foto: FDL/Lamminger)

Landkreis Traunstein – Der anhaltende Dauerregen, der bereits am Montag einsetzte, Flüsse und Bäche anschwellen und über die Ufer treten ließ, Felder, Wiesen sowie viele Straßen überflutete und Hunderte von Kellern überschwemmte, bescherte den Feuerwehren im Landkreis Traunstein ein gigantisches Einsatzaufkommen. Fast alle der 80 Freiwilligen Feuerwehren waren gefordert.


»Keller unter Wasser« – dieses Alarmierungsstichwort war mit Abstand das häufigste, das die Feuerwehren in den vergangenen 24 Stunden aus ihren Piepsern zu hören oder auf Alarmfaxen zu lesen bekamen. Allein am Dienstag waren es bis 12 Uhr mittags mehr als 550 Einsätze, die von den Floriansjüngern abgearbeitet wurden.

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Die ersten Unwetter-Alarme gab es bereits am Montagabend kurz vor Mitternacht. Die Feuerwehren Siegsdorf und Eisenärzt waren schon in der Nacht stark gefordert. Sie pumpten Keller aus, schützten von Wassereinbruch bedrohte Häuser und bauten Sandsack-Barrieren auf. Zur Unterstützung und zum Befüllen der Säcke war die Feuerwehr Vogling im Einsatz. Die Staatsstraße zwischen Eisenärzt und Ruhpolding musste noch in der Nacht wegen Überflutung gesperrt werden.

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Foto: FFW Siegsdorf

Ab 5 Uhr morgens stieg die Zahl der Notrufe bei der Integrierten Leistelle stark an. Teilweise wurden innerhalb nur einer Minute bis zu fünf Alarme und Notrufe an die Feuerwehr weitergegeben. Betroffen war zunächst vor allem der südliche Landkreis, insbesondere das Achen- und Trauntal.

Kreisbrandrat Christof Grundner beorderte die Mitglieder der Kreisbrandinspektion zum Gerätehaus Grabenstätt. Dort wurde ein Einsatzstab formiert, der die unzähligen Einsätze koordinierte. Auch die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung wurde dorthin alarmiert. Sie sorgte für die Sicherstellung der Kommunikation mit allen eingesetzten Wehren und die Dokumentation des Einsatzgeschehens.

Traunstein: Hochwasser nach Regenfällen auf B304 – Hunderte Feuerwehreinsätze – Vollsperrung der A8 | Chiemgau
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Foto: FDL/Lamminger

Am frühen Vormittag musste auch die B304 zwischen Traunstein und Surberg gesperrt werden. Der parallel verlaufende Grundbach uferte aus und überflutete die Bundesstraße, ebenso die Sur im Gemeindebereich Surberg. Gesperrt werden musste auch die Staatsstraße 2096 zwischen Übersee und Grabenstätt. Dort trat der Rothgraben über die Ufer und machte die Straße unpassierbar.

Bilder vom Hochwasser in und um Traunstein:

Gesperrt wurde auch die Kreisstraße TS 46 zwischen Wang und Nußdorf. Am Ortseingang von Nußdorf wurde die Straße überschwemmt. Die Nußdorfer Floriansjünger wurden um 5.34 Uhr per Sirenenalarm aus dem Schlaf gerissen, um die Straße zu sperren. In Traunstein war die Straße in Empfing, im Bereich der Sportplätze überflutet.

Beim Auspumpen überfluteter Keller erlebten die Floriansjünger alle Arten von Überschwemmungen und standen an jeder neuen Einsatzstelle vor unterschiedlichen Herausforderungen. Von nur wenigen Zentimetern Wasserhöhe, was sich meist auch ohne Feuerwehr beseitigen ließe, bis hin zu 1,50 Metern oder vollständig bis zur Decke überfluteten Räumen.

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Foto: FDL/BeMi

Mancherorts waren Heizöltanks gefährdet, sie wurden aufgeschwemmt oder – wie in einem Haus in der Gemeinde Siegsdorf – schlugen Leck und Heizöl lief aus, was ein aufwendiges Binden und Absaugen notwendig machte.

Zu einem weiteren größeren Einsatz war es in Siegsdorf bereits am Vormittag gekommen, als im Ortsteil Wernleiten ein Hang abzurutschen drohte. Das Erdreich nahe eines Wohnhauses wurde durch den Regen so aufgeweicht, das die Wurzeln eines Baumes ausgespült wurden. Die Erdmasse rutschte weiter in Richtung des Gebäudes. Die Feuerwehr kümmerte sich in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bauhof um die notwendigen Sicherungsmaßnahmen.

Bilder vom Hangrutsch und weiteren Einsätzen in Siegsdorf:

Auch gab es eine Reihe von Hilferufen, dass Gebäude »absaufen« und Wasser über die Lichtschächte hinein fließt. Die Feuerwehr richtete Sandsackwälle auf und versuchte so, das Eindringen von Wasser zu verhindern. In Trostberg trafen die Feuerwehren im Stadtgebiet Vorsorge und füllten die sogenannten Hochwasserschläuche, die als große Barriere zum Schutz vor einer Überschwemmung hochwassergefährdeter Bereiche wie der Pechlerau platziert wurden.

Die Feuerwehren im Süden des Landkreises, die mit Notrufen förmlich überschwemmt wurden und ihre vielen Einsatzanforderungen nicht selbständig bewältigen konnten, kamen Wehren aus weniger betroffenen Gemeinden zu Hilfe.

Feuerwehreinsätze nach Überflutungen in Grabenstätt und Übersee:

Wie Kreisbrandrat Grundner berichtete, wurden acht Löschzüge zusammengestellt und zur Unterstützung in den Süden beordert. Vom Bereitstellungsraum in Grabenstätt aus wurden sie den verschiedenen Einsatzschwerpunkten zugeordnet. So waren z.B. Feuerwehr-Einheiten aus Engelsberg, Kienberg, Tacherting oder Fridolfing als Unterstützung im Achental und Trauntal im Einsatz.

Am Dienstagnachmittag entspannte sich die Lage. So schnell, wie der Wasserstand der Traun anstieg, sank er auch wieder. Der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle wurde am Pegel Hochberg mit 2,68 m über Pegelnullpunkt um 9 Uhr erreicht. Um 14.30 Uhr lag er mit 1,87 m nur noch knapp über Meldestufe 1.

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Hochwasser am Dienstag in Traunstein: Blick von der Kammerer Brücke in Richtung Hallabruck. Der Fußweg rechts ist überschwemmt. (Foto: Agnes Giesbrecht/Stadt Traunstein)

Auch die Tiroler Achen schwächten sich am frühen Nachmittag ab, wenn auch deutlich langsamer. Dagegen werden die Feuerwehren an der Alz oder im östlichen Landkreis, zum Beispiel an der Götzinger Ache bei Fridolfing erst am späten Montagabend auf Entspannung und weniger Einsätze hoffen dürfen.

Kreisbrandrat Christof Grundner erwartete beim Gespräch am Montagnachmittag, dass die Feuerwehren auch noch am Mittwoch jede Menge Arbeit haben werden, um alle Notrufe und Hochwasserschäden abarbeiten zu können. Am Ende wird das Regenunwetter seiner Einschätzung nach zu mehr als 700 Einsätzen geführt haben.

Der Kreisfeuerwehrchef betonte, dass die Hochwasser-Hilfe ein ausschließlicher Feuerwehr-Einsatz war, und anders als bei der Schneekatastrophe im Januar 2019, keine anderen Hilfs- und Rettungsdienste involviert waren. Dabei dürfe nicht unerwähnt bleiben, dass mehrere Hundert, fast ausschließlich ehrenamtliche Feuerwehr-Kräfte, stundenlang an Pumpen standen, Saugschläuche kuppelten und verlegten sowie Sandsäcke füllten und Barrieren aufbauten. Erfreulich sei, dass es nach ersten Informationen zu keinen Einsatzunfällen kam und keiner der Freiwilligen verletzt wurde. pv/red

Vorherige Meldungen vom Dienstag:

Update, 15.40 Uhr:

Die Hochwasserlage in Traunstein hat sich entspannt: Es kann Entwarnung gegeben werden. Der Pegel der Traun sank um 15.15 Uhr auf 1,78 Meter und liegt damit unter der Meldestufe 1 von 4. Weiterhin werden keine Anstiege mehr vorhergesagt – die Stadt hat das Hochwasser überstanden.

Die verschiedenen Wege und Straßen werden vorerst weiterhin gesperrt bleiben, da sie nach dem vollständigen Rückgang des Wassers zunächst gereinigt werden müssen, bevor sie wieder genutzt werden können.

»Ich danke allen Kräften von Feuerwehr, DLRG, Bauhof und Stadtverwaltung, die stundenlang im Einsatz waren, von Herzen«, sagt Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. »Die Investitionen in den Hochwasserschutz haben sich bezahlt gemacht und die verschiedenen Vorkehrungen haben sich bewährt. Dank ihnen sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.«

Hervorzuheben sei auch die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Feuerwehren. Egal, ob nachbarschaftliche Hilfe für andere Kommunen oder zusätzliche Schläuche zum Auspumpen von Kellern: »Die Traunsteiner Feuerwehren sind stets vor Ort und helfen, wo sie können.« Auch die Zusammenarbeit mit den Triebwerksbetreibern verlief einwandfrei.

Update, 13.50 Uhr: Entspannung in Traunstein

Vorsichtige Entwarnung in der Stadt Traunstein: Der Pegel der Traun sinkt auf 2,25 Meter (Stand: 12.30 Uhr) und liegt damit in der Meldestufe 2 von 4. Die Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Lage entspannt und der Scheitelpunkt erreicht wurde.

Im Laufe des Vormittags wurden weitere Wege gesperrt: Aktuell ist der Weg vom Wochinger Spitz Richtung Gfallermühle nicht benutzbar, da sich der Hang lockern könnte.

Gesperrt sind ebenfalls der Weg von der Kammerer Brücke zum Viadukt und die Straße vom Neulinger Berg bis zur Gemeindegrenze Vachendorf. Sobald die Gefahr vorüber ist, werden die Wege und Straßen wieder freigegeben.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer hat sich am Vormittag selbst ein Bild von der Lage gemacht und die neuralgischen Punkte begutachtet. Er appelliert weiterhin an die Bürger, die Gefahr nicht zu unterschätzen und sich von den überschwemmten Gebieten fernzuhalten.

Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren unterstützen die Kollegen in anderen Gemeinden, die dringend Hilfe benötigen. In Traunstein selbst sind die meisten Einsätze abgearbeitet, jetzt gilt es, die Einsatzbereitschaft wiederherzustellen.

Update, 11.30 Uhr: Hangrutsch in Siegsdorf

In vielen Gemeinden des südlichen Landkreises und im Berchtesgadener Land sind die Feuerwehren nach wie vor gefordert. Neben überschwemmten Straßen und Wohnsiedlungen, vollgelaufenen Kellern und umgestürzten Bäumen bekämpft derzeit ein Großaufgebot an Einsatzkräften zwei Hangrutsche in Anger (zum Artikel) und in Siegsdorf.

Hochwasser Landkreis Traunstein: Hangrutsch in Siegsdorf – Feuerwehren wegen Regen weiter im Dauereinsatz – A8 teils frei
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Foto: FDL/BeMi

Hangrutsch auf Haus in Anger sorgt für Großeinsatz der Rettungskräfte:

Daneben sind die Ehrenamtlichen in und rund um Siegsdorf mit Unterstützung anderer Feuerwehren – teils sogar aus dem nördlichen Landkreis – ebenfalls im Dauereinsatz. Mit Sandsäcken versuchen die Einsatzkräfte das Wasser von überfluteten Straßen weg von Gebäuden und Wohnhäusern abzuleiten oder pumpen, wo schon zu spät, Keller aus, fällen umgestürzte Bäume und unterstützen bei Aufräumarbeiten.

A8 teilweise wieder befahrbar

Nach Angaben des Rosenheimer Landratsamtes ist die Autobahn 8 in beiden Richtungen jeweils wieder auf einer Fahrspur freigegeben worden. In Richtung München können vorläufig aber nur Lastwagen die Strecke passieren. Es kam und kommt immer noch zu erheblichen Behinderungen, auch auf den Ausweichrouten. Noch ist unklar, wann die A8 wieder vollständig freigegeben werden kann.

Meldungen vom Dienstagmorgen:

Der starke Dauerregen seit gestern Nachmittag lässt vielerorts in Bayern und in der Region Bäche, Flüsse und Seen übertreten. Es kommt zu teils starken Überflutungen, Dutzende Straßen sind nicht passierbar. Hunderte Notrufe und Einsätze beschäftigen seit Montag die Rettungs- und Feuerwehrkräfte im Chiemgau, Berchtesgadener Land und im Kreis Rosenheim.

Seit Montagnachmittag regnet es nahezu durchgehend Bindfäden. Inzwischen hat der Deutsche Wetterdienst die höchste Unwetterwarnstufe für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim ausgerufen. Sie gilt bis vorerst heute Abend, 20 Uhr. Zu den bereits gemessenen Niederschlagsmengen von 90 bis 140 Litern pro Quadratmeter erwartet der DWD im Laufe des Tages weitere 30 bis 50 Liter.

So sorgten die Wassermassen auch in Traunstein für Überschwemmungen und einem starken Einsatzaufkommen. Laut Angaben der Stadt ist die Lage derzeit angespannt, aber unter Kontrolle (Stand: 9.30 Uhr). Gegen 5.30 Uhr am heutigen Morgen wurde mit einem Pegelstand von 2,50 Metern die Meldestufe 3 von vier erreicht. Gegen 9 Uhr hatte die Traun einen Pegelstand von 2,68 Meter.

Der Grundbach trat im Laufe der Nacht weit über seine Ufer hinaus und überschwemmte Teile der Bundesstraße 304 zwischen Traunstein und Surberg. Die Feuerwehr sicherte den Bereich mit Sandsäcken ab und konnten so in der dortigen Siedlung Schlimmeres verhindern. Die Lage entspannt sich derzeit. Weiterhin sind die Sportplätze in Empfing, die Schrebergärten in der Nähe der Kläranlage und Teile des städtischen Wertstoffhofs überschwemmt.

Gesperrt sind aktuell die B304 in Richtung Teisendorf, die Zufahrtsstraße am Röthelbach, die Straße von Leiderting nach Mühlthal, der Empfinger Hohlweg und der Viaduktsteg. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer appelliert an alle Bürger, die überschwemmten Gebiete zu meiden und die Einsatzkräfte nicht bei ihrer Arbeit zu behindern. Alle Feuerwehren und auch die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sind im Einsatz und helfen, wo sie können. An vielen Stellen dringt das Grundwasser in Keller ein und beschädigt Häuser. Der Krisenstab der Stadtverwaltung ist seit Mitternacht im Einsatz und koordiniert und informiert aus dem Rathaus heraus.

Der Hochwasserschutz, der im Jahr 2012 an der Traun errichtet wurde, hat sich bewährt: Der Fluss ist im innerstädtischen Bereich nicht über seine Ufer getreten. Außerhalb der Hochwasserschutzzonen tritt die Traun dennoch über die Ufer. So ist der Fahrradweg zwischen dem Wehr in Seiboldsdorf und dem Siegsdorfer Ortsteil Traundorf überschwemmt. Der Pegelstand wird in den kommenden Stunden vermutlich noch weiter steigen und weitere Stellen überfluten.

A8 voll gesperrt

Auch die A8 ist seit heute Morgen stark betroffen. So ist die Autobahn zwischen Frasdorf und Achenmühle derzeit nicht befahrbar. Das Teilstück ist in beiden Richtungen für den Verkehr gesperrt. Auch die vorgesehene Umleitungsstrecke ist örtlich überschwemmt und kann nicht befahren werden, so ein Polizeisprecher. Die Planungen für eine weitläufigere Umleitungsstrecke laufen derzeit noch. Der Autobahnabschnitt auf Höhe Frasdorf muss laut Polizeiangaben vermutlich noch mehrere Stunden gesperrt bleiben.

Einige weitere Straßen in der Region sind derzeit wegen Überschwemmungen gesperrt. Autofahrer sollten Fahrten wenn möglich vermeiden, um Verkehr, Gefahren und Unfälle zu verringern und zu vermeiden. Besonders die Gemeinden Siegsdorf, Grabenstätt und Übersee sind stark von den Regenfällen getroffen. Hier mussten die Feuerwehren bereits mehrere vollgelaufene Keller auspumpen. Auch zu Hangrutschen ist es gekommen.

Allein im Kreis Rosenheim kam es in Zusammenhang mit den Regenfällen bereits zu rund 150 Feuerwehreinsätzen. Die Zahlen im Landkreis Traunstein dürften ähnlich gelagert sein, offizielle Zahlen liegen hier aber noch nicht vor. In beiden Landkreisen wurde eine Koordinierungsgruppe eingerichtet.

Wir halten Sie auf dem Laufenden! Weitere Bilder und Informationen über die aktuelle Lage durch die Regenfälle in der Region sowie von den Einsätzen folgen.

Weiterführende Infos:

red

 

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