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Ermittlungsgruppe im Fall Langendonk eingesetzt

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Die Eheleute Truus (61) und Harry (63) Langendonk wurden am 7. Juni 1997 zwischen Matzing und Nußdorf, direkt neben der Bundesstraße 304 am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls, ermordet. Auch fast 20 Jahre nach dem brutalen Verbrechen ist der Fall bei der Kripo Traunstein nicht zu den Akten gelegt. Nach wie vor wird daran gearbeitet, auch erhoffen sich die Ermittler selbst nach so langer Zeit noch Hinweise aus der Bevölkerung.
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So soll der mysteriöse Taxifahrgast im Juni 1997 ausgesehen haben. Das Phantombild wurde nach den Angaben der beiden Taxifahrer angefertigt. Der Unbekannte war damals etwa 28 bis 35 Jahre alt, 180 bis 185 Zentimeter groß, schlank und hatte blonde bis dunkelblonde, eher glatte Haare, nackenlang und mit gleicher Länge auch über die Ohren reichend. Er sprach bayerischen Dialekt, außerdem trug er unter anderem ein dunkles, evtl. braunes Sakko, Hemd und Krawatte. Aus dem Verhalten des Täters lässt sich schließen, dass er Ortskenntnis in unmittelbarer Tatortnähe hatte. Zu beachten ist, dass der Mann heute möglicherweise ganz anders aussieht, eventuell sein Aussehen sogar bereits kurz nach dem Verbrechen verändert hat. Dennoch könnte sich jemand an Personen erinnern, auf die die Beschreibung vor 20 Jahren zutreffend war.

Im Mordfall Langendonk hat die Kriminalpolizei Traunstein nun wieder eine eigene Ermittlungsgruppe gebildet. Diese überprüft jetzt die Hinweise, die in den vergangenen Tagen eingegangen sind.


Der Doppelmord vom 7. Juni 1997 war zuletzt ein großes Thema in unserer Ausgabe vom 7. Januar, außerdem wurde an diesem Tag beim Fernsehsender Vox ein Beitrag ausgestrahlt, in dem das brutale Verbrechen an dem holländischen Ehepaar ebenfalls breiten Raum einnahm. In Folge dieser Veröffentlichungen gingen bei der Kripo Traunstein viele Hinweise ein, die zum Teil schon bekannt, zum Teil aber auch neu und erstaunlich interessant waren.

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Der Chef der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein, Kriminaldirektor Hans-Peter Butz, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass man »gute Hinweise« bekommen habe. Die Qualität der neuen Hinweise war insgesamt so gut, dass es die Einsetzung einer »Ermittlungsgruppe Langendonk« rechtfertigte, in der sich nun vier Kriminaler nur mit dem Doppelmord befassen. Unterstützt werden die Traunsteiner Kriminaler auch von sogenannten Profilern der Operativen Fallanalyse (OFA) des Polizeipräsidiums München.

Butz warnte aber zugleich vor zu großen Hoffnungen, der Fall könnte nun rasch geklärt werden. Jedem Hinweis werde nun von der Ermittlungsgruppe intensiv nachgegangen, erst danach werde sich zeigen, ob der Durchbruch bei den Ermittlungen gelingt. Immerhin liegt der Doppelmord schon 20 Jahre zurück.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich immer noch Personen melden, die etwas wissen, dies bisher aber – aus welchen Gründen auch immer – über viele Jahre hinweg für sich behalten hatten. Möglicherweise, weil sie niemanden fälschlicherweise beschuldigen wollten oder weil sie sich nicht vorstellen können, dass eine bestimmte Person etwas mit diesem brutalen Verbrechen zu tun haben könnte. Doch auch wenn man solche Zweifel hat, sollte man sein Wissen oder seinen Verdacht nicht für sich behalten, sondern der Kripo melden. Unter Umständen können Hinweise auch vertraulich behandelt werden. Für Hinweise, die zur Klärung des Doppelmordes führen, ist eine Belohnung von insgesamt 51 000 Euro ausgesetzt.

Fragen der Kripo

Besonders interessiert die Kripo natürlich, wer jemanden kennt, der zur Tatzeit vor 20 Jahren der Täterbeschreibung oder dem Phantombild entsprach. Auch interessiert die Ermittler, wer das kontaktfreudige Ehepaar Langendonk am Freitag, 6. Juni, oder Samstag, 7.  Juni 1997, zusammen mit anderen Personen beobachtet hat oder wer selbst mit dem Ehepaar ins Gespräch gekommen ist. Bei der Tatwaffe handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Pistole der Marke Tokarew, Kaliber 7,62 Millimeter.

Die Kripo interessiert sich natürlich dafür, ob jemand weiß, wer eine derartige Pistole besitzt oder besessen hat. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich der Täter Freunden oder Bekannten anvertraut oder gar mit der Tat geprahlt bzw. gegenüber Dritten Andeutungen bezüglich der Tat gemacht hat. Deshalb fragt die Kripo: Wer kann sich möglicherweise an ein solches Gespräch erinnern? Wer glaubt, Antwort auf eine der Fragen geben zu können, oder wer sonst irgendetwas beobachtet hat, das im Zusammenhang mit dem Doppelmord stehen könnte, soll sich an die Kripo Traunstein, Telefon 0861/9873-0, wenden.

Der Mord und das Verhalten des Täters

Der Doppelmord an dem holländischen Ehepaar geschah am Samstag, 7. Juni 1997, gegen 18 Uhr zwischen Nußdorf und Matzing, am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls neben der Bundesstraße 304. Der Mörder erschoss Truus und Harry Langendonk , anschließend schnitt er seinen Opfern auch noch die Kehlen durch und legte sie in ihr Wohnmobil. Etwa zwei Stunden später beobachteten Zeugen, dass das Wohnmobil weggefahren wurde. Am 8. Juni 1997 gegen 0.50 Uhr stand das Wohnmobil dann lichterloh brennend auf einem Waldparkplatz an der Staatsstraße bei Nürnberg–Altenfurt. Nachdem die Feuerwehr den Wohnwagen gelöscht hatte, fand sie darin die verkohlten Leichen. Tage später wurde der Tatort zwischen Nußdorf und Matzing am Waldrand des Litzlwalchner Hölzls entdeckt.

Ebenfalls am Sonntag, 8. Juni 1997 rief ein bis heute Unbekannter von einer Telefonzelle unweit des Brandortes aus ein Taxi, mit dem er gegen 2 Uhr zum Nürnberger Hauptbahnhof fuhr. Von dort aus ließ er sich dann von einem weiteren Taxifahrer in die Nähe des Tatortes bringen; kurz nach 5 Uhr früh stieg er an der Bundesstraße 304 zwischen Aiging und Matzing aus und verschwand im Wald. m