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Ein bunter Herbststrauß gediegener Volksmusik in Rettenbach

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Die drei Kerschensteiner Zithern der Hirschberg Zithermusi (von links Bernhard Frey, Franz Öttl und Rudi Ritter) beeindruckten wie die anderen Mitwirkenden das Publikum beim Sänger- und Musikantenhoagart im Landgasthaus Jobst in Rettenbach. (Foto: Krammer)

Traunstein. »Volksmusik so bunt und lebendig wie ein herbstlicher Strauss mit Blumen und Blättern der für viele Menschen schönsten Zeit des Jahres« – so beschrieb Sprecher Lenz Berger treffend die Stimmung beim 16. Rettenbacher Musikantenhoagart, bei dem der herbstlich geschmückte Saal im Landgasthaus Jobst wieder einmal voll besetzt war.


Die Wiesbacher Musikanten eröffneten den Abend schneidig und flott mit dem Zillertal-Marsch bevor sich Trachtenvorstand Paul Wolkersdorfer in seinen Begrüßungsworten darüber freute, auch den Traunsteiner Oberbürgermeister Manfred Kösterke begrüßen zu können. Mit dem Zillertaler Harfenlandler starteten die beiden Schwestern Karin Schroll und Heidi Steiner an ihren Harfen dann einen Reigen von Weisen und Liedern, angelehnt an die dritte Jahreszeit, dem Sprecher Lenz Berger aus Höglwörth mit seinen Gedanken und Geschichten den passenden Rahmen flocht.

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Die Rimstinger Sänger, ein wohlklingender Viergesang, ließen bei ihren Gstanzln gleich einmal »Bratwürstl regnen«, erfreuten mit dem schönen »Da Summa is umma« und bekannten beim »Sprung übers Gassl«, dass ihnen ein »sauber's Diandl« nicht ganz gleichgültig ist. Ein feiner Kontrast zum Vierklang der Männer vom Nordufer des Chiemsees, die bei fast jedem Lied einen wohlklingenden Jodler eingebaut hatten, war der Vortrag der Schwestern Elisabeth und Annemarie Anfang aus Vogling. Die Anfang-Dirndln ergänzten den Liederreigen mit feinen Liebes- und Almliedern einmal freudig und erwartungsvoll, dann wieder melancholisch und nachdenklich, wie eben auch der Herbst.

Selten zu hören ist im Chiemgau der Zweigesang von Hanni und Peter Deindl aus Pichl bei Manching (Holledau). Der Pichler-Zwoagsang singt vom Gespräch des alten Bauern mit seinem Herrgott ebenso überzeugend wie beim Spottlied »Da Teife und da Tod«. Eine besondere Freude bereiteten sie dem aufmerksamen und dankbaren Publikum mit dem Holledauer Spottlied vom »Heiligen St. Kastulus«. Jahrelange Routine war zu spüren und zu hören, als das Harfenduo Steiner/Schroll mit dem selbstgebastelten »Marsch nach Rutz-öd« oder dem Marsch »Dem Land Tirol die Treue« begeisterte, und damit die Männer der »Hirschberg Zithermusi« zu ähnlichen Glanztaten herausforderte.

Franz Öttl, Bernhard Frey und Rudi Ritter mit ihren Kerschensteiner Zithern und Begleiter Franz Anzinger begeisterten beim »Kerschbaam Boarischen«, oder beim »Hopfgarten Boarischen« und brillierten mit ihrem Paradestück dem »Mars de Medici«.

Die Wiesbacher Musikanten um die beiden »Wiesbacher« Reinhold und Bernhard Seidl und die Ziachspielerin Rosmarie Arnsdorfer bewiesen ihre Vielseitigkeit nicht nur beim Wechsel der Instrumente; sie rundeten das Programm mit schmissigen und flotten Melodien ebenso ab wie mit fein und getragen gespielten Stücken.

Bis zum Schluss des von Organisatorin Christine Ober harmonisch zusammengestellten Hoagarts wechselte gespannte Aufmerksamkeit immer wieder mit entspanntem, freiem Lachen, nicht zuletzt auch wegen der fesselnd vorgetragenen Geschichten und Witze, mit denen Lenz Berger die musikalischen Schmankerl verknüpfte.

Musikanten und Zuhörer erfreuten sich bis kurz vor Mitternacht an einem musikalischen Bilderbogen, lustig und farbig, und melancholisch ausklingend, eben wie der Herbst im Chiemgau. FK