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Ärger mit der Post gibt's in vielen Haushalten im Landkreis Traunstein. Die Kritik: Die Zustellung erfolgt immer wieder zu langsam. (Foto: Pültz)

Die Zustellung durch die Post ist »eine Katastrophe«

Anna Lamminger ist verärgert. Sie sagt: »Das ist ein Katastrophe.« Sie und ihr Mann haben in Siegsdorf das Traunsteiner Tagblatt erst Tage später erhalten. In der Zeit vor und nach Allerheiligen sei die Freitagszeitung, wie die Leserin berichtet, erst am Montag, die Samstags- und Montagsausgabe dann zusammen mit der Mittwochszeitung am Mittwoch im Kasten gelegen. Dass die Post so verspätet ausliefert, sei »kein Zustand«.


So wie Anna Lamminger und ihr Mann, die in Siegsdorf an der Salzstraße wohnen, sind zurzeit viele Bürger im Landkreis schlecht auf die Post zu sprechen. Nicht allein die Zeitung, auch Briefe, Zeitschriften und Magazine landen oft erst mit gehöriger Verspätung im Briefkasten. Und was den Verdruss noch steigert: Nicht zum ersten Mal gibt's jetzt Verzögerungen in der Zustellung.

»Wir hatten schon häufig Probleme«, berichtet Anna Lamminger. Und sie erinnert sich an den Sommer, der ihr – was die Post betrifft, die sie und ihr Mann erhalten – schlecht in Erinnerung ist. »Wir haben einmal gar nichts bekommen«, sagt sie. Und vorgekommen sei auch schon, dass die für sie bestimmte Zeitung nicht zu ihnen, sondern stattdessen zum Nachbarn gegangen sei.

Wie Anna Lamminger ist auch Dr. Meinhard Brundobler in Bergen mit dem Service, den die Post anbietet, alles andere als zufrieden. Und auch er führt an, dass die Zustellung der Zeitung zu wünschen übrig lasse. In Bergen werde montags keine Post mehr zugestellt. Für ihn und seine Familie sei es uninteressant, die Zeitung vom Montag erst am Dienstag zu erhalten.

Auch in den Reihen der Unternehmer, die mit der Post zusammenarbeiten, nun aber, ohne eigenes Verschulden, Einbußen im Geschäft hinnehmen müssen, wächst der Groll. »Wir zahlen jährlich rund 650.000 Euro für die Zustellung der Zeitungen an die Deutsche Post, da kann man schon verlangen, dass ordentlich zugestellt wird«, sagt Thomas Miller, der Verleger des Traunsteiner Tagblatts. »Mit den Preisen ist die Post nicht so zurückhaltend, für 2023 wurde schon vor Wochen eine drastische Erhöhung angekündigt.«

»Der Verlag wird leider nicht informiert, wenn ein Zusteller ausfällt«, so Miller weiter. Die Vertriebsabteilung erfahre so etwas meist von den Kunden und müsse dann bei der Post selbst nachrecherchieren, was los ist – »Bezahlen muss der Verlag trotzdem.« Es komme von der Post keine Entschuldigung, so der Verleger weiter. »Bei jeder Reklamation erhalten wir einen vorgefertigten Standardbrief, passieren tut aber nichts.«

Kein Verständnis habe der Verlag, dass in Notfällen – wie sie immer wieder vorkommen können – nicht alle verfügbaren Kräfte eingesetzt werden, so dass zum Beispiel auch die Abteilungsleiter und sonstigen Bürokräfte die Post mit zustellen. »Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass bei Engpässen keine Überstunden angeordnet werden dürfen, vielmehr ist der Zusteller angewiesen, lieber die Tour abzubrechen und die Arbeit einzustellen, als Überstunden zu machen.«

Die Post weist die Kritik zurück. »Die Zustellung läuft in und um Traunstein im Wesentlichen recht zuverlässig«, sagt Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group, Regionale Kommunikation, München. Zu den Verzögerungen, die Anna Lamminger beklagt, meint er: »Möglicherweise entstand die geschilderte Situation auch durch den nicht bundeseinheitlichen Doppelfeiertag – 31. Oktober und 1. November – sowie den Zeitpunkt der Anlieferung durch den Verlag. Natürlich bedauern wir entstandene Verzögerungen.«

Die Post habe aktuell vielfältige Herausforderungen in der Briefzustellung in einzelnen Gegenden zu bewältigen, die im Wesentlichen durch das Zusammentreffen von vier Faktoren bedingt sind, so Nawrath weiter. Und er nennt an erster Stelle die »sehr hohen Corona-Infektionszahlen, wodurch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einigen Betriebsstätten reihenweise ausfallen«. Zugleich sei die Arbeitsmarktsituation »sehr angespannt«. Dieter Nawrath: »Es ist schwieriger, dringend erforderliches zusätzliches Personal zu finden.« Und der Pressesprecher führt weiter aus: »Darüber hinaus haben uns Geschäftskunden und Wettbewerber mehr Briefe und Pakete übergeben, weil sie auch Probleme haben, Personal zu finden, und wir sind als Deutsche Post gesetzlich dazu verpflichtet, jeden Brief und jedes Paket zuzustellen.« Und er merkt zuletzt auch an, dass Beschäftigte, die während des Corona-Lockdowns zur Post gewechselt sind, wieder in ihre früheren Berufe zurückgekehrt seien.

Gewandt an Dr. Brunnhuber meint Nawrath: »Wir stellen an sechs Tagen in der Woche zu – auch montags.« Generell sei das Sendungsvolumen an Montagen »deutlich geringer«, da in erster Linie Privatpost und Zeitungen in die Zustellung gelangen. »Auf diese deutlich geringere Sendungsmenge reagieren wir personell und betrieblich je nach tatsächlich vorliegender Sendungsmenge. Das ändert aber nichts daran, dass wir montags ganz regulär zustellen, auch wenn der Zuschnitt der Bezirke gegebenenfalls von den sonstigen Wochentagen abweicht. Jedoch stellen wir an Montagen keine Dialogpost, diese ist für werbliche Sendungsinhalte vorgesehen, zu.« Diese Sendungen werden laut Nawrath von der Deutschen Post in der Regel innerhalb von vier Werktagen nach dem Einlieferungstag dienstags bis samstags zugestellt. »Dabei handelt es sich um ein Qualitätsziel, nicht um eine Laufzeitzusage.«

Den Aussagen von Nawrath widersprechen Thomas Miller und die Vertriebsleiterin des Traunsteiner Tagblatts, Melanie Rupp, energisch. »Die schlechte Zustellqualität haben wir nicht nur an einigen wenigen Tagen, das geht schon seit Wochen so. Wir unternehmen alles, um unsere Kunden ordnungsgemäß zu beliefern und dann kommen solche Aussagen, die hinten und vorne nicht stimmen. Bei der Post weiß man das ganz genau, aber die verstecken sich mit ihren Ausreden hinter ihrem Schreibtisch – der Kunde beklagt sich ja bei uns und nicht bei Herrn Nawrath«, berichten beide. Das lässt sich nach Aussage von Melanie Rupp auch alles belegen, inzwischen füllen die Beschwerden schon einen ganzen Ordner.

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