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Die Magie der gesanglich geblasenen Weisen

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Den »Laubensteinern« liegt das Weisenblasen im Blut. (Foto: Mergenthal)

Reit im Winkl. Eine in einen Pfarrer verliebte, Flügelhorn blasende Sennerin aus der Kitzbühler Gegend soll einer Legende nach das Weisenblasen begründet haben. Wenn sie oben sturmfreie Bude hatte, schickte sie eine liebreizende Melodie ins Tal zu ihrem geistlichen Herrn. Diese und andere Anekdoten und Hintergründe erfuhren die Zuhörer des ersten Chiemgauer Weisenbläsertreffens von Margareta Zilker aus Kohlstatt in der Gemeinde Riedering. Auf sympathische und unaufdringliche Weise moderierte sie die Veranstaltung auf der Hindenburghütte bei Reit im Winkl.


Mit einem Zelt hatte der Wirt Günther Dirnhofer, selbst leidenschaftlicher Musikant bei den »Bergfexen«, angesichts der labilen Wetterlage bestens vorgesorgt. Das morgens regnerische Wetter veränderte sich im Laufe des Tages immer mehr zum Positiven, schreckte jedoch so manchen von der Almwanderung ab. Dennoch lauschten etwa 100, teils wechselnde Zuhörer im Laufe des Tages den vier Bläserensembles mit durchwegs sehr erfahrenen Musikanten.

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Von der kleinen Almhütte oberhalb des Berggasthauses bliesen die »Simseer Alphornblos’n« mit vier Alphörnern ins Tal, bei der die Ansagerin selbst mitspielte. Außerdem gehören Heini Fritz, Wolfgang Jehl und Franz Bauer aus der Gegend um den Simssee dazu, alle drei Mitglied bei der Trachtenkapelle »Bachecker Blech«. Seit drei Jahren existiert das Alphorn-Quartett und war damit die jüngste Gruppierung bei dem Musikantentreffen. »Unsere Spezialität ist, dass wir auch flottere Stücke spielen«, verriet Jehl: Dazu gehören Polkas, Walzer und – bei nicht so traditionellen Veranstaltungen wie hier – sogar Blues-Klänge.

Die liedähnlichen, wie gesungen musizierten Melodien wurden wahrscheinlich schon immer geblasen, meist zur Verständigung zwischen den Sennern. Das gemeinsame Weisenblasen im Freien auf dem Heimweg von einer Musikprobe oder auf Almen erfreute sich seit den 1950er Jahren wachsender Beliebtheit. Das vierstimmige Weisenblasen kam Zilker zufolge 1964 in Frasdorf auf.

Es gibt Wiegen-, Krippen-, Hirten- oder Kirchenlieder, Weisen über die harte Bauernarbeit, das Almleben, die Landschaft, die Wildschützen und vieles mehr. Die schönsten Weisen aber besingen die Liebe, wie das Stück »In Harmonie« des Grassauer Bläserquartetts, das seit 34 Jahren besteht, mit den Gründungsmitgliedern Wolfgang Diem (Basstrompete) und Peter Boschner (Flügelhorn) sowie Diems ehemaligem Schüler Hans Schmuck (Posaune) und Matthias Linke (Flügelhorn). Jede Gruppe hat ihre eigenen Stückl, die bei den Grassauern Hans Kröll schreibt.

Exakte Intonation, ein gemeinsames Schwingen und Atmen und viel Gefühl ist nötig für diese Art der Musik. Ausgezeichnet beherrschen dies auch die seit 21 Jahren aktiven »Laubensteiner« mit Andreas Hilger aus Rottau und Andreas Wörndl aus Aschau an den Flügelhörnern, Erich Gawlik aus Aschau am Tenorhorn und Peter Reiter, dem ehemaligen Inzeller Musikschulleiter, an der Basstuba. Sie spielten unter anderem eine »Geburtstagsweis« und die »Höhenberger Andacht«. Mit Florian Kreppert aus Rottau an der Ziach ließen sie auch ein paar schwungvolle Stücke erklingen.

Die »Mühlberger« aus Waging gibt es in der dritten Generation schon seit 33 Jahren – mit den Huber-Brüdern Schorsch am tiefen Blech, Helmut am Flügelhorn und Willi – bei der Tanzlmusi – an der Ziach. Dazu kommen die Gründungsmitglieder Dieter Heinrich (Tuba) und Sepp Ederer aus Vachendorf (Flügelhorn). Zuweilen spielt auch Schorschs Frau Sabine auf dem diatonischen Hackbrett mit, etwa beim »Wurstsalat-Marsch«, der zum lustigen Teil des Treffens überleitete. Zum Schluss mischten sich die Gruppen kreuz und quer.

Über Wald und Almwiesen schwang noch lange diese warme, besondere Musik, zu denen ein Ausspruch von Peter Rosegger passte: »Alpenluft hat kein Wort, hat nur ein Klingen – was man nicht sagen kann, muss man halt singen.« vm